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Brandenburg Jäger stolpert über junge Wölfe
Brandenburg Jäger stolpert über junge Wölfe
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13:51 08.10.2013
Zwei von drei Schlafmützen kamen aufs Bild. Quelle: Manfred Mocek
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Altengrabow

Waidmanns Heil! Ein Jäger stolpert fast über drei tief schlafende Wölfe und schießt – mit der Handy-Kamera. Es sind Bilder, die anrührend sind. Zwei der halb ausgewachsenen Räuber strecken dicht nebeneinander alle viere von sich. Ein dritter Welpe macht es sich etwas abseits im Heidekraut bequem. Als hätte ihnen die Mutter eingebläut, dass vom Menschen keine Gefahr droht.

Entdeckt hat die Faulpelze Manfred Mocek (52) aus dem niedersächsischen Holle bei Hildesheim auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow (Jerichower Land). Er kam gerade von der Bockjagd und sagte der MAZ gestern: „Mir blieb fast das Herz stehen. Ich war bis auf zwei Meter dran. Doch die Wölfe haben mich und meine beiden Hunde nicht bemerkt. Die haben einfach weiter gepennt.“ Mocek tut das Richtige. Er lässt die etwa viereinhalb Monate alten Schläfer unbehelligt, bringt seinen Jagdhund zum Auto. Kehrt dann aber zurück, um die Welpen zu fotografieren. Die träumen immer noch von einem eigenen Revier. Eine Begegnung, die Mocek sein Lebtag nicht vergessen wird.

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Jäger im Bundesforst an der brandenburgisch-anhaltinischen Landesgrenze sind inzwischen auf das Auftauchen von Wölfen vorbereitet. 2009 war es noch eine kleine Sensation, als das erste Paar auf dem Truppenübungsplatz gesichtet wurde. In vier Jahren hat die Altwölfin 37 Welpen zur Welt gebracht. Das ergaben genetische Untersuchungen. „Es handelt sich um ein sehr fruchtbares Paar. Die Population hat sich damit gut etabliert“, schätzt Klaus Puffer, Wolfsbeauftragter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt, die Lage in Altengrabow ein. Spätestens nach einem Jahr wandern die Jungtiere ab, und suchen sich eigene Reviere. Ländergrenzen spielen für die Wölfe keine Rolle.

Zum Beispiel stammt das Wolfspaar auf dem Truppenübungsplatz Bergen (Niedersachsen) aus Altengrabow. In Bergen hat das Geschwisterpaar selbst schon Nachwuchs gezeugt. Verpaarungen von Geschwistern kommen dort vor, wo kein genetischer Austausch möglich sei, so Wolfsbeauftragter Puffer.

Seiner Ansicht nach wäre es für die Wolfspopulation in Deutschland wünschenswert, wenn sich die Deutsch-Westpolnische Population mit der Alpenpopulation begegnet, verpaart und somit ein Genaustausch stattfinden würde“, meint der Wolfsbeauftragte. Von Altengrabow aus dürften sich Wölfe auch in die Bundeswehrareale bei Klietz und Lehnin-Brück aufgemacht haben. Die von Waidmann Mocek entdeckten Welpen gehören zu den acht Jungwölfen, die in diesem Frühjahr das Licht der Welt erblickt haben. Natürliche Feinde haben die Räuber nicht. Auch für die Jäger ist Isegrim tabu. Wölfe stehen in Deutschland unter strengem Schutz. In wildreichen Revieren werden sich die Tiere deshalb weiter ungehindert vermehren. Für Jäger, Forstleute und Soldaten gehört der Anblick der sonst scheuen Wölfe inzwischen zum Alltag. Nur schlafend hatte sie bisher noch nie jemand gesehen.

Ob wegen der Rückkehr der Wölfe das heimische Wild einen Bogen um die besetzten Reviere macht, ist ein viel diskutiertes Thema. Jäger Mocek kann diese Sorge jedenfalls nicht bestätigen. Er habe von seinem Ansitz aus sowohl Rehwild als auch Rotwild beobachtet, das ohne Scheu am so genannten Rendezvous-Platz im brandenburgisch-anhaltinischen Grenzgebiet vorbei gezogen sei. Auch die auf dem Übungsplatz Altengrabow installierten Fotofallen belegen, dass alle Wildtiere gleichberechtigt hinter der Platzschranke leben. Hase, Reh und Wildschwein lassen sich von den Wölfen nicht aus ihren Revieren drängen.

Von Frank Bürstenbinder

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