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Brandenburg Jagd-Statistik: Zahl der Abschüsse um 25.000 gesunken
Brandenburg Jagd-Statistik: Zahl der Abschüsse um 25.000 gesunken
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18:06 27.09.2019
Nach einer Drückjagd in Wusterwitz (Potsdam-Mittelmark): Die Jäger versammeln sich um das erlegte Wild, die sogenannte Strecke. Quelle: Frank Bürstenbinder
Potsdam

Brandenburgs Jäger haben im Jagdjahr 2018/19 deutlich weniger Schalenwild geschossen als im Jagdjahr zuvor. Laut der am Donnerstag veröffentlichten Statistik des Umweltministeriums betrug die Gesamtstrecke des Schalenwilds in diesem Jagdjahr 151.961 Tiere. In der Saison zuvor zählte man noch 176.418 erlegte Tiere. Insgesamt wurden damit rund 24.500 weniger Rot- und Damhirsche, Rehe und Wildschweine erlegt als in der davorliegenden Saison. Tatsächlich liegt die Zahl der geschossenen Tiere sogar noch etwas niedriger, denn die Statistik erfasst nicht nur das erlegte Wild, sondern auch Tiere, die vors Auto gelaufen sind.

Sorge um den Waldumbau

Für das Umweltministerium ist dieser Umstand nicht ohne Bedeutung. Es weist darauf hin, dass Hirsche und Rehe bevorzugt Blätter junger Laubbäume fressen. „Ohne Wildschutzmaßnahmen kann meist kein Waldumbau stattfinden“, so das Haus von Minister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Land strebt in seiner Waldumbaustrategie eine Verringerung der reinen Nadelwälder um zirka 35 Prozent zu Gunsten von Nadel-Laub-Mischwälder an. Bislang sind 70 Prozent der märkischen Waldfläche von Kiefern bewachsen. Äsende Tiere, die nachwachsende Laubbäume schädigen, durchkreuzen das Ziel des Waldumbaus.

Aber auch die Wildschweine machen dem Land Sorgen – vor allem wegen der Afrikanischen Schweinepest, die schon bei Wildscheinen im benachbarten Polen, aber auch in der Slowakei nachgewiesen wurde. Aktive Jäger leisteten einen „unschätzbaren Beitrag bei der Eingrenzung der Gefahr“, schreibt das Ministerium. Durch die Ausdünnung der Population wird bei einer eventuellen Einschleppung des Virus zumindest das Risiko der schnellen Verbreitung gesenkt.

Im Jagdjahr 2018/19 wurden mit insgesamt 71.455 Tieren aber rund 18.000 Wildschweine weniger geschossen als 2017/18. Jenes Jagdjahr war aber auch ein Rekordjahr beim Abschuss von Wildschweinen. Die Landesregierung schätzt ganz allgemein den Bestand an Wildschweinen in Brandenburg als zu hoch ein.

Mehr Abschüsse im landeseigenen Wald

Die Jagdreferentin der Oberen Jagdbehörde des Landes, Julia Götze, sieht dennoch keinen Anlass für ernste Besorgnis. „Grundsätzlich ist den Jägern zu danken“, sagt sie. Insgesamt sei die Jagdstrecke positiv. „Es ist nicht planbar, es handelt sich um Wildtiere.“ Schwankungen in der Jagdstrecke seien natürlich.

Allerdings zeigen die Unterschiede zwischen den Jagderfolgen in den landeseigenen Jagdrevieren und den privaten Revieren, dass nicht nur der Zufall eine Rolle spielen kann. In den landeseigenen Revieren, die nur zehn Prozent der Jagdfläche ausmachen, stiegen die Abschüsse bis um 15 Prozent. In den privaten Jagdbezirken fiel die Schalenwildstrecke dagegen um vier Prozent.

„Die für den landeseigenen Forst zuständigen Förster und Jäger sehen den Wald als Betriebsfläche an“, erklärt Götze. Damit gehöre für diese Jäger die Jagd zum Waldumbau dazu. „Sie haben die Jagd klar als ein Betriebsziel definiert.“ Anders sei das bei Jägern, die in den privaten Jagdbezirken tätig sind.

Manche Jäger legten zum Beispiel darauf Wert, bei ihren Jagdausflügen auf jeden Fall auf Wild oder auf eine große Wildpalette zu stoßen. Es gäbe sogar Jäger, denen es vor allem auf die Begegnung mit Tieren, nicht vornehmlich auf deren Abschuss ankomme. Solche Besitzer eines Jagdscheins hielten sich mit dem Abschuss zurück, um den Bestand zu fördern. „Das sind Einzelfälle, die es immer mal wieder gibt“, sagt Götze. „Aber man kann sie nicht ignorieren.“

Durchaus reagiere das Land, wenn nach einer Waldinventur in bestimmten Gebieten schwere Bissschäden festgestellt würden. „Im Einzelfall gehen wir auf die Verantwortlichen zu und kommunizieren, dass es ein Problem gibt“, so Götze.

Das Wetter spielte eine Rolle

Der Geschäftsführer des Landesjagdverbands Brandenburg, Matthias Schannwell, selbst erklärt den Einschnitt im zurückliegenden Jagdjahr unter anderem mit den besonderen Witterungsbedingungen. So seien zum Beispiel die Getreidefelder wegen der großen Hitze früher abgeerntet worden. „Das Wild muss sich dann einen anderen Ort zur Nahrungsaufnahme suchen“, so Schannwell. Deshalb fanden Jäger mit dem Jagdrevier Feld das entsprechende Wild dort viel weniger vor.

Wildschweine wiederum hätten im Herbst 2018 in den Wäldern einen enormen Vorrat an Vollmast, also an Eicheln, Bucheln und Kastanien vorgefunden. „Jäger im Feld hatten damit kaum Gelegenheit, Schwarzwild zu sehen.“ Außerdem sei der Bestand der Wildschweine durch das Rekordjahr 2017/18 so sehr dezimiert worden, dass ein Einbruch beim Jagderfolg absehbar gewesen sei. „Das kann sich nächsten Jahr schon wieder ändern“, so Schannwell.

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