Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg „Jagd auf den Wolf darf kein Tabu sein“
Brandenburg „Jagd auf den Wolf darf kein Tabu sein“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:49 20.10.2014
So niedlich und harmlos wie es hier scheint, sind Wölfe nicht, sagt Jäger Dietrich Krill. Das Land müsse sich darüber klar werden, wie viele Wölfe hier leben sollen.
So niedlich und harmlos wie es hier scheint, sind Wölfe nicht, sagt Jäger Dietrich Krill. Das Land müsse sich darüber klar werden, wie viele Wölfe hier leben sollen. Quelle: dpa
Anzeige
Herzberg

Wie gefährlich sind Wölfe wirklich? Nach dem jetzt bekannt gewordenen Tod einer angeschossenen Fähe und Vorwürfen von Wolfsschützern gegen die Jäger holt der Landesjagdverband Brandenburg zum Gegenschlag aus. In der kommenden Ausgabe des Mitteilungsblattes "Wir Jäger" der Verbände von Brandenburg und Sachsen-Anhalt schildert der Vorsitzende des Jagdverbandes Herzberg (Elbe-Elster), Dietrich Krill, seine Erfahrungen mit dem zunehmenden Wolfsbestand in Brandenburg.

"Wir stellen fest, dass das Wild nur noch selten den Mais beziehungsweise den Raps verlässt", sagt Krill. "Neben Äsung findet es dort auch Schutz vor dem Wolf." In der Konsequenz bedeute dies ein Mehr an Wildschäden. Tino Erstling, Sprecher des Landesjagdverbandes, sieht damit die Meinung von Wolfsschützern widerlegt, das Reißen von Schalenwild durch die Wölfe würde langfristig Wildschäden sogar reduzieren. Krill berichtet auch von unmittelbaren Gefahren. "Auf einer Koppel in der Umgebung gab es unlängst einen missglückten Angriff auf eine junge Kuh. Wir rechnen diese Attacke einem der jungen Wölfe zu."

Außerdem kenne er bestätigte Angriffe "von Wölfen auf Stöberhunde". 2013 sei ein Wachtelhund von einem Wolf schwer verletzt worden. Der Schweißhundführer Krill gibt zu bedenken, dass ein Jäger seine Hunde wegen des strengen Wolfsschutzes bei Attacken nicht einmal verteidigen dürfe. Daneben falle es den Jägern immer schwerer, Abschusspläne zu erfüllen, da sich das Wild zu "Angstrudeln" zusammenrotte und bestimmte Einzeltiere dann nur noch schwer getroffen würden. Krill begrüßt deshalb ein "Umdenken" im Land. Dieses bemühe sich inzwischen, zu "aussagekräftigen Daten über das tatsächliche Wolfsvorkommen zu kommen".

Der Verband schließt sich Krill an. "Wenn die Population weiter wächst, haben wir sicher ein Problem mit der Freilandhaltung von Nutztieren", sagt Erstling. In einer öffentlichen Diskussion müsse geklärt werden, wie groß der Bestand der Wölfe im Land Brandenburg sein dürfe. "Dann muss diskutiert werden, was geschehen soll, wenn dieser Bestand überschritten wird." Es dürfe künftig jedenfalls kein Tabu mehr sein, den Schutzstatus des Wolfes in Frage zu stellen, so Erstling.

Wie groß die Zahl der Wölfe in Brandenburg derzeit tatsächlich ist, weiß niemand genau. Anhand sicherer Nachweise und ausgehend von bekannten Territorien hält der zuständige Mitarbeiter beim Landesumweltamt, Steffen Butzeck, 100 Exemplare für eine "annehmbare Zahl".

Mit dem wachsenden Bestand verhärten sich auch die Fronten zwischen Wolfsschützern und Gegnern. In Cammer (Potsdam-Mittelmark) musste am 14. September eine fünf Monate alte Fähe eingeschläfert werden, weil sie von einer Erntemaschine verletzt worden war. Grund: Das Tier war zuvor angeschossen worden und hatte nicht fliehen können. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei dem Schützen um einen Jäger handelt. Die Tierschutzorganisation Peta hat deshalb jetzt 1250 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt.

Peta sieht in der Kritik der Jäger nur einen Ausdruck von Eigeninteressen. "Die Jäger wollen einfach nicht zulassen, dass sich ein Beutekonkurrent hier wieder ansiedelt", sagt die Peta-Fachreferentin für Wildtiere, Vanessa Reithinger. Die Argumente der Jäger ließen an "Sachlichkeit und wildbiologischer Richtigkeit" zu wünschen übrig. "Vom Wolf geht keinerlei Gefahr aus. Er gehört zu unserer Natur." Die Übergriffe seien zahlenmäßig so gering, dass von ernsthafter Gefahr nicht gesprochen werden könne. Deshalb sei es auch verwerflich, wenn Jäger auf Wölfe schössen. Der Nabu hat wegen solcher Abschüsse bereits die Einrichtung einer Fachstelle beim Landeskriminalamt gefordert. Die örtliche Polizei sei bei Fällen von Wilderei oft überfordert.

Von Rüdiger Braun

Mehr zum Thema
Brandenburg Schon wieder Angriff auf Wolf in Brandenburg - Angeschossener Wolf wurde eingeschläfert

Wenige Wochen nach einer martialischen Hinrichtung ist es in Brandenburg erneut zu Schüssen auf einen Wolf gekommen. In Cammer (Potsdam-Mittelmark) musste eine etwa fünf Monate alte Fähe eingeschläfert werden, nachdem das angeschossene Jungtier von einer Erntemaschine überrollt worden war. Jetzt ermittelt die Polizei.

06.10.2014
Dahme-Spreewald Zerstückeltes Tier im Naturschutzgebiet abgelegt - Wolf bei Lieberose erschossen und geköpft

Er lag an einem Straßenrand – erschossen und ohne Kopf: Ein toter Wolf wurde in einem Naturschutzgebiet südlich von Lieberose (Dahme-Spreewald) entdeckt. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg hat inzwischen Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, die entdeckten Geschossreste untersuchen zu lassen.

14.08.2014
Potsdam-Mittelmark Jagdverbände Brandenburg und Rathenow über den Wolf - Jäger behalten Wölfe im Visier

Im Jahr 2000 sind die ersten Wölfe nach Brandenburg zurückgekehrt und arbeiten sich seitdem stetig in Richtung Westen vor. Im Interview erklären Stefan Meyer, Vorsitzender des Jagdverbandes Rathenow, und Hubertus Fischer, Wolfs-Ansprechpartner im Jagdverband Brandenburg, was sie davon halten.

07.06.2014
Brandenburg Südbrandenburg gehörte früher nicht zu Preußen - Bürgermeister will lieber Sachse sein
17.10.2014
Brandenburg Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Streik - So kommen Sie heute mit der Bahn ans Ziel
18.10.2014
Brandenburg Schild erinnert am Niederlage bei EM-Qualifikation - Slubice verhöhnt deutsche Nationalmannschaft
17.10.2014