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Brandenburg Japanischer Arzt lockt Touristen nach Wriezen
Brandenburg Japanischer Arzt lockt Touristen nach Wriezen
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12:34 23.01.2018
Eine Büste des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma im Rathaus der Stadt Wriezen (Brandenburg).
Eine Büste des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma im Rathaus der Stadt Wriezen (Brandenburg). Quelle: dpa
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Wriezen

Dass man in Wriezen (Märkisch-Oderland) immer wieder auf japanische Touristen trifft, hat eine lange Tradition und gehört für die Bewohner des Ortes selbstverständlich zum Stadtbild. Grund dafür ist die Geschichte des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma, der dort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 gegen tödliche Seuchen kämpfte.

Weil er selbst an Typhus starb, wurde er auf dem Wriezener Friedhof beerdigt. Die Krankenschwestern, mit denen Koyenuma zusammengearbeitet hatte, kümmerten sich 1950 darum, dass der Arzt einen ordentlichen Grabstein bekam und dass die Grabstelle gepflegt wurde. Sein Grab ist für Japaner zu einer Pilgerstätte geworden. Den Grabstein ziert ein Äskulapstab als Symbol der Ärzte, er ist gesäumt von zwei Bambusbüschen und einer Stele mit japanischen Schriftzeichen.

Jahrzehntelange Verehrung des Mediziners

Seit Jahrzehnten gibt es viel Verehrung für den Mediziner. „Die war zu DDR-Zeiten allerdings staatlicherseits nicht gewollt“, sagt Regionalhistoriker Reinhard Schmook. Bis in die siebziger Jahre hörte er von Zeitzeugen immer wieder, wie aufopferungsvoll der Japaner sich für seine Arbeit im Kampf gegen Seuchen eingesetzt hatte.

Nils Nestler, Japanbeauftragter der Stadt Wriezen (Brandenburg), steht am 17.01.2018 neben der Grabstelle des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma. Quelle: Patrick Pleul

Schmook gelang es, durch Nachforschungen kurz vor der Wende den Bruder von Koyenuma in Japan ausfindig zu machen. Als dieser 1994 nach Wriezen kam, wurde damit der Grundstein für die Beziehungen zwischen Japan und Wriezen gelegt. Posthum war der Arzt zu diesem Zeitpunkt bereits zum Ehrenbürger der Stadt gemacht worden.

Reger Austausch zwischen Wriezen und Hachioji

Seitdem ist der Austausch mit dem Land der aufgehenden Sonne in Wriezen auf vielfältige Art präsent: Das Johanniter-Gymnasium hat eine Partnerschule in Hachioji, der Geburtsstadt von Koyenuma. Auf dem Wriezener Schützenplatz steht ein von einem japanischen Künstler gestaltetes Ehrenmal aus Marmor, im Oderbruch findet jährlich ein nach dem japanischen Arzt benanntes Beach-Volleyball-Turnier statt, und japanische Kirschbäume zieren die Landschaft.

Eine weitere Gedenkstelle richteten Bürger aus Hachioji am Eingang der Fußgängerzone ein und gründeten außerdem einen Koyenuma-Freundeskreis. Die Zahl der Touristen sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, kann Nils Nestler berichten, der in der Stadtverwaltung nicht nur für das Immobilienmanagement zuständig ist, sondern seit Oktober 2016 zusätzlich als ehrenamtlicher Japan-Beauftragter der Kommune fungiert.

Nils Nestler mit einer Büste des japanischen Arztes Nobutsugu Koyenuma und einem Bild von der Städtepartnerschaft zwischen Wriezen und Hachioji in Japan Quelle: Patrick Pleul

Im Wriezener Rathaus gibt es heute eine kleine Ausstellung über Nobutsugu Koyenuma, denn hier hat er zu Lebzeiten gearbeitet: Nach Informatrionen von Reinhard Schmook war das Rathaus damals als Seuchenstation eingerichtet.

In diesem Jahr soll außerdem einen Malwettbewerb zwischen Kindern beider Städte geben, außerdem können die Wriezener bei öffentlichen Tee-Zeremonien die japanische Tradition näher kennenlernen.

Koyenuma begründete Freundschaft zwischen Wriezen und Japan

Vorläufiger Höhepunkt der deutsch-japanischen Kontakte war die Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages zwischen Wriezen und der 578 000-Einwohner-Metropole Hachioji nahe Tokio. „Eine tatsächliche Städtepartnerschaft erschien uns angesichts der Größenunterschiede nicht angebracht“, sagt der Wriezener Bürgermeister Karsten Ilm (CDU). Zur Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages kamen immerhin gleich zwei japanische Delegationen, und auch der japanische Botschafter in Deutschland war zu diesem Anlass anwesend. Während Hachioji eine ganze Kulturabteilung hat, die sich um die Beziehungen zu Ostbrandenburg kümmert, erledigt das im Oderbruch der 35-jährige Japan-Beauftragte Nestler.

Bei allen Größenunterschieden haben die Kommunalvertreter laut Bürgermeister Ilm trotzdem Gemeinsamkeiten entdeckt: Beide Städte überaltern. „Möglicherweise kann da bei Lösungsansätzen einer vom anderen profitieren.“ Es gehe nicht um große Wirtschaftsbeziehungen, sondern „um Kontakte auf menschlicher Ebene“.

Von MAZonline/dpa

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