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Brandenburg Jeder zweite Brandenburger geht mit 63 in Rente
Brandenburg Jeder zweite Brandenburger geht mit 63 in Rente
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11:54 28.04.2018
Jeder zweite Brandenburger geht mit 63 in Rente. Quelle: picture alliance / dpa
Potsdam

Die Rente mit 63 erfreut sich in der Mark größter Beliebtheit: 2017 beantragten 5838 Brandenburger bei der Deutschen Rentenversicherung die „Rente für besonders langjährig Versicherte“, wie die abschlagsfreie Rente mit 63 offiziell heißt.

Das entsprach 47,4 Prozent aller Anträge. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin lag die Quote sogar bei 53,2 Prozent, in Potsdam-Mittelmark waren es 50,5 Prozent. Damit geht aktuell fast jeder zweite Brandenburger früher in Rente.

Höchster Wert seit Wiedereinführung der abschlagsfreien Rente

Es ist der höchste Wert seit Einführung der abschlagsfreien Rente im Juli 2014. Die Große Koalition hatte die Rente mit 63 in der vergangenen Legislaturperiode auf Initiative der SPD eingeführt. Um in ihren Genuss zu kommen, müssen Versicherte 45 Jahre gearbeitet haben.

Während sich die Arbeitnehmer über einen früheren Gang in den Ruhestand freuen können, sieht sich die Wirtschaft mit ihren Befürchtungen bestätigt. Sie hatte davor gewarnt, dass die Rentenreform insbesondere in Ostdeutschland dazu führen wird, dass sich die Personalprobleme verschärfen.

„Diese Entwicklung hätte die Politik voraussehen können, als sie die Regelungen eingeführt hat. Leider verschärft sich dadurch in unserer Region der Fachkräftemangel nochmals“, sagte Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Potsdam. „Einziger Ausweg: Wenn erfahrene Mitarbeiter gehen, müssenjunge nachkommen.“

Rente mit 63 entzieht Betrieben wichtige Fachkräfte

„Die Rente mit 63 wird immer mehr zur Belastung für die Unternehmen. Wir sehen das mit Sorge“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). Den Betrieben entziehe die Rente mit 63 viele wichtige Fachkräfte, die angesichts des engen Arbeitsmarktes nicht ohne Weiteres zu ersetzen sind.

Hinzu komme der Mangel an talentierten Bewerbern um eine Ausbildung. „Die Politik sollte unter das Thema lieber heute als morgen einen Schlussstrich ziehen“, forderte Amsinck. Christian Hoßbach, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Berlin-Brandenburg, hält die Kritik des Arbeitgeberlagers für übertrieben.

„Die Rente mit 63 ist ganz gewiss kein Turbo-Effekt für den Fachkräftemangel“, sagte er. „Sicher kann es in manchen Bereichen kurzfristig zu einer Lücke kommen.“ Es sei auch zu erwarten gewesen, dass es mit der Einführung der Rente mit 63 zunächst zu einer Antragswelle kommen wird. „Aber das wird sich rasch wieder legen“, zeigte er sich zuversichtlich.

Frühestmögliches Eintrittsalter jedes Jahr um zwei Monate erhöht

Außerdem werde das Renteneintrittsalter jährlich etwas angehoben. Der Kreis derer, die ohne finanzielle Einbußen vorzeitig in den Ruhestand wechseln können, werde also perspektivisch kleiner.

Das frühestmögliche Eintrittsalter wird laut Rentenversicherung jedes Jahr um zwei Monate erhöht. Aktuell können Versicherte mit 63 Jahren und sechs Monaten in Rente gehen. 2021 liegt es dann erstmals bei 64 Jahren.

Die Zahlen der Versicherung zeigen für Berlin ein starkes Ost-West-Gefälle. In Westberlin liegt die Antragsquote bei 19,3 Prozent, im Ostteil der Stadt bei 41 Prozent.

Der Unterschied erkläre sich durch die unterschiedlichen Erwerbsbiografien, erklärte Sylvia Dünn, Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg. Weil in der DDR nahezu Vollbeschäftigung geherrscht habe, würden die Versicherten im Osten eher die erforderlichen 45 Beitragsjahre für die Rente mit 63 erreichen, sagte sie.

Von Torsten Gellner

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