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Brandenburg Kachelmann hält Klimaforscher für „potsdämlich“
Brandenburg Kachelmann hält Klimaforscher für „potsdämlich“
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17:25 22.07.2019
Jörg Kachelmann wurde durch Wettervorhersagen im Fernsehen bekannt. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
Potsdam

Ozean-Forscher versus Wettermann mit Riesen-Ego: Der Potsdamer Klimafolgen-Forscher Stefan Rahmstorf sieht sich beißendem Spott seitens des Meteorologie-Unternehmers Jörg Kachelmann ausgesetzt. Es geht um die Frage, ob Glasscherben in Wäldern tatsächlich Waldbrände auslösen können.

Rahmstorf, der am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) forscht und als einer der profiliertesten Ozeanexperten gilt, hatte zu einer Studie über den Einfluss der Umgebungstemperatur auf Waldbrände per Twitter geäußert: „Zündquellen gibt es (...) immer, es reicht eine weggeworfene Zigarette, eine Glasscherbe in der Sonne oder natürlich ein Blitz“.

Darauf meldete sich Kachelmann zu Wort und schrieb über Rahmstorf: „Er hat einen Holzofen, glaubt, dass Hitze Waldbrände auslösen und auch noch das Märchen mit der Glasscherbe.“ Ein solches Glasstück „reicht nie“, schreibt Kachelmann. Und weiter: „Es fällt sehr schwer anzunehmen, dass er neben all diesen unwissenschaftlichen Potsdämlichkeiten wenigstens sein Kernthema beherrschen möge.“

Reicht eine Glasscherbe als Zündquelle?

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die eine Entzündung des Waldbodens aufgrund einer Scherbe für sehr unwahrscheinlich halten. Freilandversuche in Braunschweig 2006 ergaben, dass die Temperatur zu niedrig bleibt für eine Entzündung. Andere Wissenschaftler halten einen Brennglas-Brand dennoch für vorstellbar.

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Quelle: Martin Schutt/dpa

Kachelmann und Rahmstorf sind einander schon länger in Abneigung verbunden. Im Kern sind sich beide Experten einig, dass die Temperaturen weltweit angestiegen sind. Allerdings vertritt Kachelmann die Auffassung, es gebe keine statistische Häufung von Starkregen und Stürmen in Deutschland sowie Hurrikanen in den USA und der Karibik. Dagegen ist der Potsdamer Forscher davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit von Tropenstürmen sich wegen der Klimaerwärmung „um ein Mehrfaches erhöht“ hat.

2017 warf Kachelmann Rahmstorf deshalb eine „religiöse Überhöhung des eigenen Anliegens“ sowie „heiligen Zorn“ beim Warnen vor den Folgen des Klimawandels vor. Auch das Wort „Klima-Ratzinger“ verwendete der TV-Moderator. Der Klimawandel sei zwar Realität, man dürfe beim Kampf gegen die Folgen aber nicht den Normalbürger mit Schuldgefühlen überlasten, sondern müsse die Politik überzeugen.

Unterstützung für Pik vom Potsdamer OB

Rahmstorf wiederum hatte unter dem Titel „Wo Kachelmann irrt“ einen Talkshow-Auftritt Kachelmanns kritisiert und geschrieben: „Wer die Fakten nicht auf seiner Seite hat oder sie nicht so genau kennt, der kaschiert dies gerne mit markiger Rhetorik, mit allgemeinen statt spezifischen Aussagen oder mit persönlichen Angriffen auf Klimaforscher.“

In den aktuellen Streit mischte sich nun sogar der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ein: „Ihr Streit mit dem renommierten Pik wirkt ein wenig, als wenn ein Hund auf eine Reaktion vom Mond hofft, nur weil er ihn anheult“, schrieb er auf Twitter. „Wenn Sie dabei aber gleich noch einen Stadtnamen verunglimpfen, gehen Sie zu weit.“

Kürzlich hatte Rahmsorf in der MAZ die alarmierenden Klima-Thesen des umstrittenen Videos (“Die Zerstörung der CDU“) des Youtubers Rezo überprüft und die meisten Thesen als zutreffend klassifiziert.

Von Ulrich Wangemann

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