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Brandenburg Jörg Schönbohm wird 80
Brandenburg Jörg Schönbohm wird 80
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07:52 31.08.2017
„Es geht mir ganz gut“ – Jörg Schönbohm hat gesundheitlich schwere Jahre hinter sich. Quelle: Volkmar Krause
Kleinmachnow

Jörg Schönbohm stützt sich auf den niedrigen Eisenzaun und blickt vom Garten seines Kleinmachnower Hauses hinüber zum Buschgraben, wo das Wasser nach den Regenwochen hoch steht. „Schön hier“, sagt er und zieht den gelben Pullover glatt. Die Morgenkühle weicht langsam der Sonne. Gegenüber liegt Berlin-Zehlendorf. Bis 1990 stand am Buschgraben die Mauer. Sie trennte Kleinmachnow von Berlin. Wo jetzt wieder Bäume sind, war ein Viertel Jahrhundert der Grenzstreifen – flach planiert, damit die Soldaten freies Sicht- und Schussfeld hatten. „Wenn man hier steht, wird einem bewusst, welches Glück die deutsche Einheit war“, sagt Schönbohm. Am Sonnabend wird der frühere General und Brandenburger Innenminister 80 Jahre.

Es ist still geworden, um den Mann, für den still sein nie zu den Grundtugenden des Politikers zählte. Gesundheitlich liegt eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter Schönbohm. 2012 hatte er einen Schlaganfall erlitten. Zwei Jahre später musste ein Gehirntumor entfernt werden.

„Es geht mir ganz gut, aber mein Leben hat einen anderen Rhythmus – ohne Terminkalender. Das freut besonders meine Frau, die gesundheitlich auch einiges erleiden musste. Ich gehe spazieren und mache Mittagsschlaf. Hätte nie gedacht, dass ich das mal kann“, sagt Schönbohm und lacht. Das Sprechen fällt ihm schwer, manchmal sucht er nach Worten. „Und ich lese viel.“ Auf Couch und Tisch liegen Zeitungen, daneben ein Buch, eben angefangen – „Underground Railroad“, der Bestseller von Colson Whitehead über die Sklaverei in den USA. Jetzt freut sich Schönbohm erst mal auf die Geburtstagsparty. Er feiert mit 100 Gästen in seinem Berliner Tennisclub Blau-Weiß. „Schade, dass ich nicht mehr spielen kann. Das war meine große Leidenschaft.“

Vermisst er es, nicht mehr als umtriebiger Minister und „knorriger Konservativer“ im Mittelpunkt zu stehen? „Nein, das ist abgeschlossen“, sagt Schönbohm. „Ein guter Freund hat mal gesagt, ich hätte drei Leben gelebt. Er hat recht.“

Im Oktober 1990 war der gebürtige Brandenburger in den Osten zurückgekehrt. Der Generalleutnant übernahm das Bundeswehrkommando Ost in Strausberg. Als 53-Jähriger kam Schönbohm in den Teil Deutschlands zurück, aus dem der Achtjährige mit seiner Familie nach Kriegsende geflohen war. Sein Auftrag: die Auflösung der 90 000 Mann starken Nationalen Volksarmee (NVA). „Das war die spannendste Zeit, ein Spiel mit vielen Unbekannten“, sagt er. Denn noch stand die hochgerüstete Rote Armee im Land.

Zu Schönbohms Job gehörte, mit den Russen über die Auflösung ihrer DDR-Garnisonen zu verhandeln. Das erste Zusammentreffen mit dem Oberkommandierenden, Generaloberst Boris Snetkow, verlief frostig. „Er wollte wissen, warum ich gekommen sei. Ich sagte, dass ich mit ihm den geordneten Abzug seiner Truppen klären wolle. Nach einer Pause in gefühlt tiefster Eiseskälte haben wir dann Wodka getrunken“, erinnert sich Schönbohm an das Gespräch 1990 im russischen Hauptquartier in Wünsdorf bei Zossen.

Im Frühjahr darauf kam es zu einem gefährlichen Zwischenfall. Es gab Hinweise, dass die Russen bei Altengrabow (Sachsen-Anhalt) Atomwaffen lagern. „Ich habe Soldaten zur Aufklärung hingeschickt. Dabei wurde ein NVA-Offizier angeschossen. Eine ernste Sache. Die Kernwaffen gab es tatsächlich.“

Schönbohm, der erst seit 1994 CDU-Mitglied ist, wechselte auf dem Höhepunkt seiner militärischen Karriere in die Politik. „Verrückt nicht? Ich hatte alles erreicht, war inzwischen Inspekteur des Heeres und hatte sogar ein eigenes Flugzeug.“ Ende 1995 wurde ihm das Amt des Berliner Innensenators angeboten. Von der Bonner Beschaulichkeit ins brodelnde Berlin. In der Hauptstadt begründete der Ex-General seinen Ruf als „Law-and-Order“-Politiker. Unter massivem Polizeieinsatz ließ er besetzte Häuser räumen. „Ganz klar, ich habe Recht und Gesetz durchgesetzt.“

Offizier und Minister

Jörg Schönbohm wurde am 2. September 1937 in Neu Golm bei Bad Saarow (heute Oder-Spree-Kreis) geboren.

Er diente als Truppen- und Stabsoffzier, leitete als Generalleutnant den Planungsstab im Bundesverteidigungsministerium, er war Inspekteur des Heeres und Staatssekretär.

Schönbohm ist mit seiner „Sandkastenliebe“ Eveline aus Bad Saarower Kindertagen verheiratet, er hat drei Kinder, neun Enkel und einen Urenkel.

Unter dem Motto „Sicherheitspolitik im Wandel“ lädt die CDU-Fraktion am 6. September in den Landtag ein. Gastredner der Veranstaltung zu Ehren Schönbohms ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Eingeladen sind dazu auch die Ex-SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck sowie der gegenwärtige Regierungschef Dietmar Woidke.

Der Ruf der Brandenburger CDU 1998 kam einem SOS gleich. Der märkische Verband war heillos zerstritten und hatte bis Ende der 90er- Jahre sieben Landesvorsitzende verschlissen. Die Verweildauer von Führungspersonal schwand rapide, jemand mit Autorität musste her. Als Parteichef gelang Schönbohm, was unmöglich schien: Er verschaffte den Christdemokraten die erste stabile Phase seit ihrer Neugründung und führte sie 1999 und 2004 in eine Koalition mit der SPD unter Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). „Mit Stolpe habe ich gern gearbeitet, er ließ mir Luft zum Atmen.“

Zehn Jahre – bis zur Bildung der ersten rot-roten Koalition 2009 unter Matthias Platzeck – war Schönbohm Innenminister, acht davon gleichzeitig Vize-Regierungschef. Legendär sein Talent, brenzlige Situationen zu beherrschen – wie die bei einem Protestaufmarsch von Polizisten in Potsdam, als die Ordnungshüter ihrem Dienstherren den Rücken zuwendeten. Ein böser Fauxpas. „Haarschnitt in Ordnung, Sie können sich rumdrehen!“, schallte Schönbohms Ruf Sekunden später über den Platz. Darauf vielstimmiges Gelächter.

Aber er schoss auch übers Ziel hinaus. So im Zusammenhang mit dem spektakulärsten Fall der märkischen Kriminalgeschichte: Schönbohm führte die Tötung von neun Babys durch deren Mutter auf die „erzwungene Proletarisierung“ in der DDR zurück und löste Stürme der Entrüstung aus. Nicht nur einmal fehlte ihm bei der Einschätzung der Ostdeutschen und ihrer Befindlichkeiten die nötige Sensibilität. „Ich war wohl zu ungeduldig“, sagt er jetzt. Vor 20 Jahren hat Schönbohm das politische Schlagwort von der „deutschen Leitkultur“ in die Debatte gebracht. Dafür ist er oft gescholten worden. „Das ist wieder aktuell. Es geht um Sprache und Integration. Ich habe die Sorge, dass viele Flüchtlinge sich nicht integrieren und in diffusen gesellschaftlichen Verhältnissen leben.“ Mit der AfD will er nichts zu tun haben. Deren Positionen lehnt er ab.

Die Politik von Rot-Rot betrachtet der CDU-Ehrenvorsitzende inzwischen milde. Die Kreisgebietsreform hält er jedoch für einen schweren Fehler. „Im digitalen Zeitalter kann man Verwaltung sparen, ohne zu zentralisieren“, so Schönbohm. Einer Stadt wie Cottbus dürfe man nicht die Kreisfreiheit nehmen. „Eine Reform hat auch emotionale und nicht nur finanzielle Aspekte.“

Von Volkmar Krause

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