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Brandenburg Kampfrede in Cottbus – Höcke heizt den AfD-Fans ein
Brandenburg Kampfrede in Cottbus – Höcke heizt den AfD-Fans ein
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11:53 14.07.2019
Jörg Urban (Sachsen) Andreas Kalbitz (Brandenburg), und Björn Höcke (Thüringen, ganz rechts) beim Wahlkampfauftakt in Cottbus. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Cottbus

Es sind nur zwei Details, aber ein bisschen hat die Stadt Cottbus die Wahlkämpfer und Fans der Brandenburger AfD am Samstagnachmittag schon gepiesackt. Erstens: Wo „Krombacher“ draufsteht (am Getränkestand), ist kein Bier drin, die Partei darf auf dem Platz vor der Stadthalle keinen Alkohol ausschenken. Und an der Hallenfront (Betreiber ist die städtische Congress, Mese und Touristik GmbH) hängt unübersehbar ein Spruchband, das der AfD unmöglich gefallen kann: „Cottbus ist bunt“.

Zum Wahlkampfauftakt mit den Spitzenkandidaten aus Brandenburg, Sachsen (Landtagswahlen jeweils am 1. September) und Thüringen (27. Oktober) sowie dem Sprecher der Bundespartei sind etwa 1000 Menschen in die AfD-Hochburg gekommen – viele schwenken Deutschlandfahnen, wobei eine Zweiländerflagge aus dem Rahmen fällt. Auf der einen Seite ist sie deutsch, auf der anderen italienisch.

Auch Salvini wird gefeiert

Grün, Weiß und Rot: Aus Sicht der AfD-Granden sind das nicht die falschen Farben. Italiens Innenminister Matteo Salvini, obschon nicht anwesend, wird von den Zuhörern fast genauso frenetisch gefeiert wie Thüringens Landeschef Björn Höcke am Ende der Veranstaltung. Salvini taucht als Lichtgestalt, Retter Europas und „mein Freund“ in den Reden von Jörg Meuthen (Bundessprecher und Mitglied des Europaparlaments) und Jörg Urban (Sachsen) auf, während die deutsche Kapitänin Carola Rackete zur Gaudi des Publikums heruntergeputzt wird - als „sogenannte Seenotretterin“ und Angehörige der „Gutmenschen-Schickeria“.

Alle Redner betonen, dass die AfD sich an Verfassungstreue von niemandem übertreffen lasse, „fest auf dem Boden des Grundgesetzes“ stehe (Andreas Kalbitz) und mit Nazis nichts am Hut habe. Man sei der Garant für „konstruktive Sachpolitik“ und mitnichten eine Protestpartei. Plumpe Volksverhetzung im Sinne des Strafrechts ist an diesem Nachmittag nicht zu hören, wohl aber vereinfachende und grotesk überzeichnete vermeintliche Kausalketten: Offene Grenzen, daher mehrere zehntausend ausreisepflichtige Intensivtäter, daher würden Gruppenverwaltigungen zur Normalität (aus Urbans Rede).

Das ist alles nur geklaut

Von der West-CDU (Bundestagswahl 1976, Spitzenkandidat: Helmut Kohl) hat sich die AfD den gut abgehangenen Slogan „Freiheit statt Sozialismus“ geborgt, prominenter auf den Plakaten aber steht die auf ostdeutsche Befindlichkeiten abzielende Parole „Vollende die Wende – 1989 bis 2019“. Immer wieder werden die Redner Sätze damit einleiten, dass man „dafür“ vor 30 Jahren nicht auf die Straße gegangen sei.

„Wir hoffen auf ein Ergebnis von 30 Prozent plus x“, erklärt der Ansager, als er den Brandenburger Landeschef Andreas Kalbitz auf die Bühne bittet und ihn als „unseren angehenden Ministerpräsidenten“ bezeichnet. An dieser Stelle halten sich Applaus und Gelächter die Waage.

Feuer frei: Die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) verkaufte in Cottbus diese grenzwertigen T-Shirts. Quelle: THORSTEN KELLER

Kalbitz ist (wie eigentlich immer) im Angriffs-Modus, attestiert Rot-Rot in Potsdam unter anderem „Siechtum und politischen Verfall“, „Minderheiten-Fetischismus“ und „Gender-Gaga“. SPD und Linke würden die Lausitz als Industrieregion abwickeln, seine Partei stehe als einzige zur Braunkohle. Und zum Diesel. Flüchtlinge (Kalbitz spricht von „sogenannten Asylbewerbern“) würden vom Staat besser umsorgt als fleißige, aber im Herbst ihres Lebens verarmte deutsche Rentner.

Das mit dem „Krieg gegen den Diesel“ und den armen Rentnern wird später auch Björn Höcke behaupten. Der Thüringer, der wegen seiner rhetorischen Wucht und seines reaktionären Geschichtsbilds polarisiert wie kein anderer AfD-Mann, ist kurz vor 17 Uhr als letzter Redner an der Reihe und bekommt den meisten Beifall. Eine Flasche Sekt (Fürst Metternich, nicht Rotkäppchen) reicht Höcke ins Publikum, in der Hoffnung, dass „ein dienstbeflissener Beamter“ vom Landesverfassungsschutz sie mitnimmt für Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD).

„Von Idioten regiert“

Das bleibt aber der einzige Anflug von Humor in einer ansonsten beinharten Kampfrede: Die angebliche Ausplünderung und Abschaffung des deutschen Volkes durch Masseneinwanderung, das ist der rote Faden in Höckes Vortrag. Er mündet in zwei Sätzen, einer Beleidigung und einem Appell. Erstens: „Deutschland wird von Idioten regiert.“ Zweitens: „Holen wir uns unser Land zurück!“

Süffisant: Björn Höcke mit der Sektflasche, die er Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter zugedacht hat. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Die drei ostdeutschen Landtagswahlen im Herbst seien eine historische Chance, dieses Ziel zu erreichen. Das beteuern alle Redner und beschwören die Einigkeit aller in der Partei. Die AfD stehe keineswegs vor der Spaltung, erklärt Jörg Meuthen, „diesen Gefallen tun wir den Kartellparteien nicht“. Heftige innerparteiliche Querelen gab es zuletzt vor allem in den Landesverbänden in Bayern, NRW und Schleswig-Holstein.

Wenige Gegendemonstranten

An der nahen Tram-Haltestelle skandieren etwa 30 AfD-Gegner „Nazis raus“, ihre Sprechchöre sind auf dem Gelände aber nur zu hören, wenn die Redner eine kurze Atempause einlegen. Mit dabei ist Christoph, 19. Während des Höcke-Auftritts hat er sich mit ein paar Freunden unters Publikums gemischt, mit diskretem „Rote Karte für Höcke“-Button am Rucksack. Die Ordner lassen ihn gewähren. „Man muss ja wissen, worüber man sich aufregt“, antwortet der Schüler auf die Frage, warum er sich das freiwillig anhört.

Als die „Nazis raus“-Rufe immer lauter werden, nähern sich ein paar aufgebrachte AfD-Anhänger der Gruppe, beschimpfen sie als arbeitsscheues Pack und würden sie wohl auch gerne verhauen. Polizeibeamte stellen sich rasch dazwischen.

Wenig später wird die für Cottbus zuständige Polizeidirektion Süd melden: Beide Kundgebungen, die der AfD und das Bürgerfest ihrer Gegner im angrenzenden Puschkinpark, sind friedlich verlaufen.   

Von Thorsten Keller

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