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Brandenburg Baerbock gegen Scholz: So stehen sie zu ihrem Wahlkreis 61
Brandenburg

Kanzlerkandidaten Baerbock gegen Scholz: So wollen Sie den Potsdamer Wahlkreis 61 gewinnen

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10:48 20.04.2021
Olaf Scholz und Annalena Baerbock im Interview
Olaf Scholz und Annalena Baerbock im Interview Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Jetzt steht es fest: Mit Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) treten zwei Kanzlerkandidaten als Spitzenkandidaten im gleichen Wahlkreis, dem Wahlkreis 61, gegeneinander an. Die MAZ hat schon vor Monaten mit beiden gesprochen und wollte von ihnen wissen, wie sie diesen Wahlkreis, der Potsdam und Umgebung umfasst, gewinnen wollen.

Annalena Baerbock

Frau Baerbock, warum sollten die Potsdamer Sie wählen und nicht Olaf Scholz?

Annalena Baerbock: Ich stehe dafür, nicht nur den Status quo zu verwalten, sondern mutig die Zukunft zu gestalten. Ich lebe seit vielen Jahren hier in Potsdam, mit meinem Mann und meinen beiden Töchtern. Ich weiß aus unserem Alltag und vielen Begegnungen, wo der Schuh drückt: Wie schwer es in dieser wachsenden Region ist, einen Hautarzttermin oder erst Recht eine bezahlbare Wohnung zu bekommen. Wie sich Pendlerinnen und Pendler morgens in den Regionalzug oder die S-Bahn quetschen. Und ich sehe zugleich, welche großen Potenziale diese Region von Potsdam über Teltow bis Ludwigsfelde hat. Wir sind eine stark innovative Region – auch wenn wir die Agentur für Sprunginnovationen leider nicht bekommen haben. Wenn wir auf Bundesebene endlich die richtigen Weichen stellen, können wir hier zum Vorreiter bei Klimaneutralität, Digitalisierung und Mobilität werden.

Sie stammen aus Hannover, Scholz stammt aus Hamburg. Sie sind also beide Westdeutsche. Spielt das hier in Potsdam noch eine Rolle?

Potsdam ist eine sich ständig wandelnde und bunte Stadt. Es gibt viele Menschen, die hier geboren sind, und viele, die zugezogen sind. Wir alle wollen gemeinsam die Stadt gestalten, das macht die Stärke von Potsdam aus. Gerade bei spezifischen Fragen wie dem Stadtumbau - dem Erhalt von DDR-Gebäuden und der Entwicklung der historischen Innenstadt - gibt es natürlich ganz unterschiedliche, auch biografische Sichtweisen. Sie sollten sich gegenseitig befruchten. Mir, wie vielen anderen Zugezogenen, ist es wichtig, dass Orte wie das Rechenzentrum, ein von Kulturschaffenden eroberter Ort, erhalten bleiben und dass Menschen, die ihr halbes Leben in der Innenstadt gelebt haben, nicht verdrängt werden.

Olaf Scholz

Herr Scholz, Sie bewerben sich um das einzige Bundestagsmandat, das die SPD bei der letzten Bundestagswahl in ganz Ostdeutschland gewonnen hat. Warum sollte das ein Westdeutscher bekommen?

Olaf Scholz: Es geht nicht um die Herkunft, sondern um den Einsatz für den Wahlkreis. Biografisch ist das für mich übrigens ein ganz besonderer Moment. Denn als junger Anwalt für Arbeitsrecht habe ich nach 1990 an vielen Orten im Osten Deutschlands Betriebsräte und Gewerkschaften unterstützt, als es darum ging, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Das ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Ich habe damals konkret mitgekriegt, dass nicht jede Entscheidung unvermeidbar gewesen ist und mancher Betrieb vielleicht noch eine bessere Perspektive gehabt hätte als die, ihn platt zu machen. Heute sind die Herausforderungen andere, aber der Einsatz wird bleiben. Ich wohne nun bald drei Jahren in Potsdam und fühle mich hier heimisch.

In Ihrem Wahlkreis ist ja schon relativ klar, gegen wen Sie antreten werden. Saskia Ludwig (CDU), Linda Teuteberg (FDP), Annalena Baerbock (Grüne) und Norbert Müller (Linke). Wie wollen Sie gegen diese Konkurrenz punkten?

Als Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen bin ich kein politischer Neuling: Ich stehe für gute Politik. Ich möchte das Land zusammenhalten, auch in schwierigen Zeiten wie der aktuellen Corona-Krise. Ich stehe für eine Gesellschaft, die sich mit Respekt begegnet. Ich möchte die nötigen wirtschaftlichen und technologischen Weichenstellungen mitprägen, damit unser Land auch in zehn und 20 Jahren trotz aller Veränderungen erfolgreich sein kann. Ich möchte eine starke und souveräne Europäische Union, damit wir nicht herumgeschubst werden können in der Welt. Und ich bin ein sehr aktiver und engagierter Bundestagsabgeordneter, der seinen Job sehr ernst nimmt.

Von Ildiko Röd, Ulrich Wangmann, Henry Lohmar, Markus Decker