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Brandenburg Vielen Bahnbrücken droht die Sperrung
Brandenburg Vielen Bahnbrücken droht die Sperrung
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21:46 15.07.2014
Passiert zu selten: Neubau einer Eisenbahnbrücke am Oder-Havel-Kanal in Hennigsdorf (Oberhavel) im Jahr 2011. Quelle: Patrick Pleul
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Potsdam

Der Bahnverkehr in Brandenburg steht auf keinem guten Fundament: Jede dritte Brücke der Deutschen Bahn auf märkischem Boden ist marode. An jeder zwölften Bahnüberführung droht in absehbarer Zeit sogar eine Streckensperrung. Der Verfall dieser Bauwerke ist bereits so weit vorangeschritten, dass eine Instandsetzung aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr tragbar ist. Eine Gefährdung der Fahrgäste gehe von den Brücken bislang nicht aus, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums.

Der Bahnbrückenreport ist ein verheerendes Zeugnis, das sich die für Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter DB Netz AG selbst ausgestellt hat. Demnach sind 65 der landesweit 801 Bahnbrücken in einem irreparablen Zustand (Kategorie 4) und müssen innerhalb von etwa zehn Jahren durch Neubauten ersetzt werden. An weiteren 208 Brücken sind die Schäden so umfangreich (Kategorie 3), dass eine Sanierung dringend erforderlich ist, um eine weitere Verschlechterung des Zustands zu verhindern.

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Brandenburg ist ein Hotspot der deutschen Infrastrukturkrise“, warnen die Grünen. Deren Bundestagsfraktion hat den Report bei der Bundesregierung in Auftrag gegeben. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen schneiden die Überführungen noch schlechter ab als in der Mark. „Wir brauchen einen Sanierungsplan“, fordert die grüne Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock von Bahn, Bund und Land. Einer neuen Debatte über die Stilllegung von Strecken erteilt ihre Partei trotz des maroden Netzes eine Absage. „Das ist der falsche Ansatz“, sagt Michael Jungclaus. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag will stattdessen mehr Fahrgäste für den Zug begeistern. „Wir sollten über die vielen reden, die noch nicht drinsitzen.“

Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) sieht in Fragen bröckelnder Brücken den Bund als Eigentümer der Bahn in der Pflicht. Auch für Straßen und Wasserwege fehlt laut Ministersprecher Lothar Wiegand das Geld. „Das Land Brandenburg erwartet zügige und stetige Investitionen in die Infrastruktur.“

Im Frühjahr hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube einen Sanierungsstau von 30 Milliarden Euro angemahnt. Der Bund plant, die jährliche Zuwendung für Bahninfrastruktur von derzeit 2,75 Milliarden Euro ab 2015 aufzustocken, sagte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums der MAZ.

Für 65 Überführungen lohnt sich nur ein Neubau

  • Entlang der Strecke BerlinPotsdam sind zwei Bauwerke in der Kategorie 4 (Neubau mittelfristig erforderlich). Der Abschnitt ist mit täglich 25000 Fahrgästen in Regional- und S-Bahn besonders stark frequentiert.
  • Bei Bernau (Barnim) und Frankfurt (Oder) ist der Sanierungsstau mit 20 Kategorie-4-Brücken am größten. Landesweit sind 65 der 801 Bahnbauten in dieser Klasse. Die meisten der 208 Kategorie-3-Brücken (sanierungsbedürftig) konzentrieren sich um Berlin, etwa in Potsdam-Mittelmark, Dahme-Spreewald und Oberhavel.
  • 100 Jahre ist die durchschnittliche Haltbarkeit von Brücken. Bundesweit haben bereits 9200 der 25.000 Querungen diese Altersgrenze überschritten.

Von Bastian Pauly

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