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Brandenburg Umweltverbände warnen vor „Karate Forst“
Brandenburg Umweltverbände warnen vor „Karate Forst“
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14:32 11.04.2019
Mit dem Hubschrauber soll das Insektizid versprüht werden. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Potsdam

Die Umweltorganisation BUND Brandenburg hat Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD) aufgefordert, den geplanten Einsatz von Insektiziden im Wald zu stoppen. Das Mittel „Karate Forst flüssig“ wirke unspezifisch und schädige daher das Ökosystem Wald insgesamt, sagte Franziska Sperfeld, stellvertretende BUND-Vorsitzende in Brandenburg. Da alle Insekten durch das Kontaktgift getötet werden, würden auch Fledermäuse und Vögel beeinträchtigt.

Per Hubschrauber soll das Insektizid in den kommenden Wochen über den Kiefernwäldern der Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming versprüht werden, um Forstschädlinge wie Nonne, Forleule und Kiefernspinner zu bekämpfen. Der BUND appellierte an die betroffenen Waldbesitzer, den Gifteinsatz in ihren Wäldern abzulehnen.

Der Biologe Axel Müller bezeichnete den Einsatz des Mittels gegenüber der MAZ als „Holzhammer-Methode“, die große Kollateralschäden anrichten könne. Es gebe sanftere Alternativen, sagte er. Der BUND sprach von einer Symptombehandlung, die also den Ursachen der Schädlingsanfälligkeit nicht auf den Grund gehe. Nötig sei ein Umbau der Kiefernmonokulturen in naturnahe Mischwälder.

Landtag debattiert über Artenvielfalt

Im Landtag wurde am Donnerstag über den Erhalt der Artenvielfalt und das Insektensterben diskutiert. Minister Vogelsänger kündigte an, Blüh- und Ackerstreifen künftig zu fördern. 700 Euro stünden dabei pro Hektar bereit für einjährige und mehrjährige Blühstreifen sowie für Ackerrandstreifen, die nach der Aussaat bis zur Ernte nicht bewirtschaftet werden sollen. Die Richtlinie solle mit sechs Millionen Euro für mindestens 8500 Hektar ausgestattet werden.

„Ich bin enttäuscht“, sagte Dieter Dombrowski, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Das ist nur eine kosmetische Maßnahme“, kritisierte auch Benjamin Raschke, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Grüne.

CDU nimmt Landwirte in Schutz

Ende März hatte er zum ersten Brandenburger Insektengipfel mit rund 100 Teilnehmern eingeladen. Jeder könne mit einfachen Mitteln zu einem insektenfreundlichen Umfeld beitragen, hieß es damals.

Die Schuld am Insektensterben ausschließlich Landwirten zuzuschreiben, sei falsch, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Dombrowski. Er warf der rot-roten Landesregierung vor, Jahre verschenkt zu haben. „Insektenschutz muss endlich als gemeinsame Aufgabe von uns allen verstanden werden.“ Die CDU werde den von Landnutzern, Bauern und Imkern geplante Volksinitiative nach vollen Kräften unterstützen.

Die bisherigen Maßnahmen im Naturschutz und in der Agrarförderung hätten nicht ausgereicht, um etwas zu verbessern, sagte Anke Schwarzenberg, agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Konkurrierende Volksinitiativen

Am Mittwoch hatte es in Potsdam ein Spitzentreffen zum Insektenschutz zwischen Verbänden ohne Ergebnis gegeben. Das von den Naturschutzorganisationen geforderte flächendeckende Verbot beispielsweise von Pestiziden könne nicht nachvollzogen werden, sagte Wolfgang Scherfke, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes. Es werde keine Rücksicht auf die Belange der Menschen genommen, deren Lebensgrundlage die nachhaltige Bewirtschaftung der Natur sei. Angekündigt wurde eine zweite Volksinitiative.

Landnutzer wie der Bauernverband, aber auch Jäger, Imker und Waldbesitzer unterstützen eine Volksinitiative des Forums Natur, die am Freitag offiziell vorgestellt werden soll. Darin wird unter anderem eine breitere Forschungsgrundlage zum Insektensterben gefordert und außerdem ein Blühstreifenprogramm für die Landwirtschaft.

Umweltorganisationen fordern weitreichendere Maßnahmen

Weitaus weitreichendere Forderungen verfolgen Umweltverbände wie der BUND und der Nabu, die am kommenden Montag ihre Volksinitiative zum Artenschutz vorstellen wollen. „Man braucht verbindliche Festlegungen, um wirksam gegen das Artensterben vorzugehen“, kritisiere Wilhelm Schäkel, Bio-Landwirt und Mitglied des BUND-Landesvorstands. Der gesellschaftliche Schub durch eine Volksinitiative sei notwendig, um wirksame Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt einzuleiten, sagte Friedhelm Schmitz-Jersch, Landesvorsitzender des NABU. Die Umweltorganisationen fordern etwa ein weitgehendes Insektizidverbot.

Während sich der große Bauernverband an der ersten, weniger weitreichenden Volksinitiative beteiligt, lehnt der kleinere Bauernbund lehnt beide Initiativen strikt ab. Er streitet eine Mitverantwortung der Agrarwirtschaft für das Insektensterben ab und spricht von der größten Agrarlüge seit BSE.

Von Torsten Gellner

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