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Brandenburg Politiker-Ehepaar im Wechselfieber
Brandenburg Politiker-Ehepaar im Wechselfieber
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21:48 02.02.2015
Das CDU-Ehepaar Katherina Reiche und Sven Petke aus Luckenwalde. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Einen leichten Stand hatte Katherina Reiche nie – vor allem nicht in den eigenen Reihen, der Brandenburger CDU. Während die 41-jährige parlamentarische Staatssekretärin auf der Bundesebene in den zurückliegenden 15 Jahren einen erstaunlichen Karrieresprung nach dem anderen hinlegte, schien die heimische Partei mit ihrem einzigen Aushängeschild im Bund irgendwie zu fremdeln. Reiche, die als zielstrebig, diszipliniert und ehrgeizig gilt, musste sich in einigen zermürbenden Kampfkandidaturen um den Potsdamer Kreisvorsitz oder die Bundestagskandidatur bewehren. Diese Abstimmungen gewann sie zwar, doch zurück blieben eben immer auch Verlierer.

Die Skepsis eines Teils in der Partei über Reiche hatte aber auch, meist unausgesprochen, mit ihrem Ehemann Sven Petke zu tun. Der heute 47-Jährige hatte einmal für den Parteivorsitz kandidiert und mit nur zwei Stimmen verloren. Das war 2007. Ab da gab es über viele Jahre zwei polarisierende Lager, die sich sogar bis in die kommunale Ebene ausbreiteten. Viele Verletzungen aus dieser Zeit heilten nur langsam und wirken bis heute nach. Petkes Agieren wird seither in der Partei von vielen kritisch beäugt. Seine Mehrheiten schwanden. Er selbst zog sich, auch aus Unzufriedenheit über die eigenen Leute, in den letzten Jahren peu à peu von Ämtern wie dem Vize-Landes chefposten zurück. Er blieb aber einfacher Abgeordneter.

Nun steht das schillernde Politiker-Ehepaar, das gemeinsam drei Kinder hat und in Luckenwalde wohnt, erneut vor einer Zäsur. Reiche, die sich einen direkten Draht zu Angela Merkel erarbeitet hatte, wechselt die Seiten und steigt aus der Politik aus. Sie überrascht damit ihre Partei: Erst im Herbst 2013 hatte sie für die CDU ein nicht für möglich gehaltenes Direktmandat in der SPD-Hochburg Potsdam errungen. Nun soll sie einen hoch dotierten Posten in der Wirtschaft übernehmen. Der Verband Kommunale Unternehmen (VKU) wählt morgen einen neuen Hauptgeschäftsführer – einzige Kandidatin ist Reiche. Pikant: Ebenfalls morgen besschließt das Berliner Kabinett einen Gesetzentwurf, der regeln soll, wie viel Zeit Politiker zwischen Ende ihres Amts und einer Tätigkeit in der Wirtschaft verstreichen lassen sollten.

Fast zeitgleich wird bekannt, dass Ehemann Petke, der inzwischen beim Bahnhersteller Bombardier eine lukrative Nebentätigkeit übernommen hatte, diesen Job nun an den Nagel hängt. Er bleibt in der Politik. Seit er vor einem halben Jahr bei Bombardier anheuerte, wurde in Potsdam über seinen Ausstieg spekuliert. Nach der Landtagswahl, obgleich die CDU erneut in die Opposition musste, startete Petke offenbar neu durch. Dafür sprach, dass er sich als Chef des sehr zeitintensiven Haushaltsausschusses in die Pflicht nehmen ließ. Bombardier bestätigte am Montag das Ende des Engagements. Das Unternehmen hatte Petke zu einer Entscheidung gedrängt: Entweder ganz Manager oder Politiker.

CDU-Fraktions chef Ingo Senftleben begrüßte den Schritt. „Ich finde es gut, dass er jetzt wieder 100 Prozent Politik machen will.“

Kommentar: Aus freien Stücken

Igor Göldner über den Wechsel von Katherina Reiche

Das war für Brandenburgs CDU ein Paukenschlag: Ihre einzige Vorzeigefrau im Bund, die 41-jährige Katherina Reiche, verlässt die Politik in Richtung Wirtschaft. Die Verbandswahl erfolgt zwar erst am Mittwoch, aber man kann davon ausgehen, dass solche mit heftiger Begleitmusik verbundenen Wechsel gut vorbereitet sind.

Reiche nutzt also die Gunst der Stunde, das Politiker-Dasein an den Nagel zu hängen. 16 Jahre gehörte sie dem Bundestag an, fünf war sie Parlamentarische Staatssekretärin. Weiter hinaus wäre es wohl nicht gegangen. Insofern ist ein neuer Job außerhalb der Politik nichts gänzlich Ungewöhnliches. Man kann solche Wechsel natürlich generell für anrüchig halten, die Qualifikation für den Job in der kommunalen Wirtschaft hat Reiche allemal. Für die Noch-CDU-Politikerin, die es zuletzt in der heimischen Partei nie einfach hatte und mehrfach um das eigene politische Überleben kämpfen musste, ist es wohl wichtig, aus freien Stücken zu gehen. Sie wollte weder abgewählt noch vom Hof gejagt werden, wie es anderen ergangen ist.

Für die brandenburgische CDU ist ihr Ausscheiden ein Verlust. Reiche hatte Einfluss und das Ohr der Kanzlerin. Sie wurde nicht umsonst genannt, wenn im Land neues Personal gesucht wurde. Für die Spitzenkandidatur 2019, für die sie gehandelt wurde, muss sich die CDU nun jemand anderes suchen.

Reiche und Petke kennen sich aus Junge-Union-Zeiten in den 90er-Jahren in Potsdam. Die in Luckenwalde geborene Reiche studierte in Potsdam Chemie. Petke, der aus Guben stammt, ging nach seinem Verwaltungsstudium in Düsseldorf zum Verfassungsschutz in Brandenburg und befasste sich dort mit Spionageabwehr. Mit 25 kandidierte Reiche für den Bundestag. Das war 1998. Petke kam ein Jahr später erstmals in den Landtag.

In Potsdam laufen sich derweil schon Nachfolger für den CDU-Kreisvorsitz warm, wie der Landtagsabgeordnete Steeven Bretz. Wer das Bundestagsmandat erhält, ist indes offen. Nachrückerin wäre Andrea Voßhoff, die aber inzwischen Bundesdatenschutzbeauftragte ist. Würde Voßhoff das Mandat ablehnen, verlöre die CDU wohl diesen Sitz gänzlich. Der Grund: Die Landesliste der CDU hat nur zehn Namen.

Wie sehr die CDU noch immer einer „Schlangengrube“ gleicht, war am Montag zu besichtigen, als der Wechsel Reiches bekannt wurde. Da kritisierte ihre Dauerrivalin Saskia Ludwig, ohne Reiches Namen zu erwähnen, dass der Hauptgeschäftsführer der VKU aus ihrer Sicht zu viel verdiene. Die Ex-Landes- und Fraktionschefin berief sich auf eine Boulevardzeitung, die von 50.000 Euro im Monat berichtet hatte. „Das ist obszön“, tönte Ludwig.

Die Summe wird allerdings von Branchenkennern als übertrieben für einen kommunalen Spitzenverband angesehen. Der Verband machte dazu am Montag keine Angaben. Über Ludwigs Wiederbelebung alter Fehden ist Fraktions chef Senftleben nicht amüsiert. „Ich dachte, wir wären in der CDU schon viel weiter“, sagte er.

Von Igor Göldner

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