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Brandenburg Kind von AfD-Anhängern abgelehnt: Landkreis stellt sich hinter Tagesmütter
Brandenburg Kind von AfD-Anhängern abgelehnt: Landkreis stellt sich hinter Tagesmütter
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20:59 26.11.2019
Jugend-Dezernent Carsten Saß (CDU). Quelle: Foto: Gerlinde Irmscher
Königs Wusterhausen

Die Landkreisverwaltung von Dahme-Spreewald stellt sich im Streit um die Ablehnung eines Kindes von AfD-Sympathisanten hinter die kritisierten Tagesmütter.

Jugenddezernent Carsten Saß (CDU) sagte auf MAZ-Nachfrage, die Tagesmütter aus dem Raum Königs Wusterhausen hätten – wie die rund 80 anderen Tagesmütter im Kreis auch – auf die Ausgewogenheit ihrer Kleingruppen zu achten. Das enge Verhältnis zwischen einer Tagesmutter und sechs Kindern erfordere ein „hohes Maß an Vertrauen zwischen Tagesmutter und den Eltern“, sagte Saß. Die Kreisverwaltung habe „großes Verständnis für die Tagesmütter, wenn sie in den sozialen Netzwerken etwas gesehen haben, das ihnen Bauchschmerzen verursacht“, so der Dezernent. „Eine Tagesmutter muss schauen, ob ihre Kleinstgruppe gut funktioniert“, sagt Saß.

Schriftliche Ablehnung

Wie die MAZ berichtete, hatten in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) Tagesmütter schriftlich einen Aufnahmeantrag zweier Eltern abgelehnt, die nach eigenem Bekunden zwar nicht der AfD angehören, aber sich als deren Anhänger bezeichnen. Sie hatten entsprechende Inhalte in der Vergangenheit in sozialen Medien gepostet.

Deren Inhalt hatten die Tagesmütter zum Anlass genommen, den einjährigen Jungen abzulehnen.

Allerdings haben die Eltern die Beiträge mittlerweile aus dem Netz genommen, so dass der Inhalt nicht bekannt ist.

AfD spricht von „Sippenhaft“

Der Vorgang hatte viele empörte Reaktionen hervorgerufen. Der AfD-Bildungsexperte und Bundestagsabgeordnete Götz Frömming äußerte, Kinder von AfD-Sympathisanten würden „in Sippenhaft genommen“. Die Forderungen in den sozialen Medien reichten bis hin zu einem Berufsverbot für die Tagesmütter.

Solche Überlegungen schließt der Kreis Dahme-Spreewald, der die Tagesmütter zum Teil alimentiert, aus. „Ein Berufsverbot steht für uns derzeit außerhalb jeder Betrachtung“, sagt Dezernent Saß. Man werde die Tagesmütter „weiterhin gut begleiten“.

Eltern haben Betreuungsplatz gefunden

Einen Kritikpunkt hat der Dezernent allerdings: Eine schriftliche Absage sei unbefriedigend. Im persönlichen Gespräch ließen sich viele Missverständnisse beseitigen.

Im Übrigen hätten sich die Eltern des abgelehnten Jungen nicht an den Kreis mit einer Beschwerde gewandt. Sie hätten einen Platz in einer anderen Betreuungseinrichtung gefunden, der stehe ihnen rechtlich auch zu – allerdings nicht zwangsläufig bei einer Tagesmutter.

Die Tagesmütter selbst wollten nichts mehr zu dem Vorgang sagen und verwiesen auf MAZ-Nachfrage auf den Kreis als Ansprechpartner.

Scharfe Kritik übt der Vorsitzende des Kita-Beirats des Landes Brandenburg, Danilo Fischbach – mit Verweis darauf, er äußere eine Privatmeinung. „Ich glaube nicht, dass die Tagesmütter das Kind ablehnen können, nur weil ihnen die politische Gesinnung der Eltern nicht gefällt – zumindest nicht so lange, wie sie staatliche Zuschüsse erhalten“, so Fischbach, der in Schwante. (Oberhavel) lebt. Das Kind könne schließlich nichts für die Einstellung seiner Eltern.

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Von Ulrich Wangemann

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