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Brandenburg So wappnen sich Brandenburgs Kitas für die Impfpflicht
Brandenburg So wappnen sich Brandenburgs Kitas für die Impfpflicht
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09:28 28.02.2020
Die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln werden von mehreren Firmen produziert. Quelle: Foto: Janvier/Adobe stock
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Potsdam

Ab dem 1. März tritt in Deutschland die Impfpflicht in Kraft. Kinder und Erwachsene, die mit anderen in Gemeinschaftsunterkünften zusammenkommen, müssen dann nach einen am 20. Dezember beschlossenen Gesetz eine Masernimpfung nachweisen. Das gilt vor allem für Kinder, die in die Kita gehen. Es gilt aber auch für Pflegekräfte und nicht zuletzt für die Bewohner von Pflegeheimen.

Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, glaubt nicht, dass die in Kraft getretene Impfpflicht einen Ansturm auf die Hausärzte auslösen wird: „Die Kinder in Brandenburg sind schon gut durchimmunisiert“, teilt er auf MAZ-Anfrage mit. „Deshalb rechnen wir mit keinem großen Run.“ Etwas höher werde der Bedarf „hier und da“ aber schon sein.

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Auf die Impfpflicht bereiten sich derzeit zum Beispiel die Kindergärten des Trägers Fröbel vor. Das Unternehmen betreibt Kindergärten in ganz Deutschland. Laut der Sprecherin Beatrice Strübing besuchen an die 4800 Kinder die rund 40 märkischen Kindertageseinrichtungen in Potsdam, Brieselang, Ludwigsfelde, Frankfurt (Oder), Cottbus und Senftenberg.

Impfung ab elf Monaten

„Ab dem ersten März werden wir neue Kinder nur nach Vorlage eines Impfnachweises aufnehmen können“, sagt Strübing. Da die Fluktuation jährlich rund 20 Prozent betreffe, dürfte es sich um etwa 800 Kinder handeln, die neu in die brandenburgischen Fröbel-Kindergärten aufgenommen werden. Legen die Eltern keinen Nachweis vor, dürfen die Kinder nicht in die Kindergärten, es sei denn, sie sind unter einem Jahr alt. Die erste Masernimpfung wird erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat empfohlen.

Bei den Angestellten und den Kindern, die bereits den Kindergarten besuchen gilt eine Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2021. Stellt sich innerhalb dieser Zeit heraus, dass Kinder keinen Nachweis haben, muss das ab dem Stichtag den Gesundheitsämtern gemeldet werden.Fröbel werde diese Maßnahmen selbstverständlich so handhaben wie vom Bundestag beschlossen, sagt Strübing: „Die verbindliche Regelung des Impfschutzes und die Überwachung des Impfstatus durch die Gesundheitsämter bedeutet schließlich insgesamt mehr Sicherheit für die bei uns betreuten Kinder und unsere Beschäftigten.“

Wie die Eltern jetzt auf die neue Pflicht reagierten, sei schwer abzuschätzen. Da aber die meisten Eltern auf einen Kitaplatz angewiesen seien, werde die Impfquote voraussichtlich steigen. Klar sei jetzt schon, dass ein enormer Mehraufwand auf die Kindergärten zukäme: „Wir müssen die Eltern informieren, die Impfnachweise prüfen und Meldungen an die Gesundheitsämter machen.“

Dies sei eine Zusatzbelastung für die Kitaleitungen, die der Gesetzgeber bislang nicht berücksichtigt habe. Diesen Aspekt kritisiert auch Gabi Brüning von der Verwaltung des Waldorfkindergartens in Potsdam:„Es bedeutet für uns einen Mehraufwand“, sagt sie.

Klar sei jedoch, dass auch der Waldorfkindergarten mit seinem reformpädagogischen Konzept sich an die Gesetze halten und die Impfnachweise prüfen werde. Zunächst werde man die Eltern schriftlich informieren. Wie diese die neue Impfpflicht beurteilen, wisse man zur Zeit noch nicht. „Es ist einfach zu frisch“, sagt Brüning. In einem Vierteljahr könne man auch am Waldorfkindergarten mehr über die Haltung der Eltern sagen.

Mehrere Hersteller für Impfstoff

Impfen dürften alle Vertragsärzte. Wahrscheinlich würden die Eltern aber den Hausarzt oder ihren eigenen Kinderarzt in Anspruch nehmen, da diese ja ihre Patienten am besten kennen. Prinzipiell rechnet die Kassenärztliche Vereinigung mit keinen Problemen, ausgeschlossen werden können diese aber nicht: „Lieferengpässe können immer wieder vorkommen, auch bei anderen Kombinationsimpfstoffen gibt es zur Zeit einige Ausfälle“, räumt Wehry ein.

Die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln werden von mehreren Firmen produziert, damit sei dieses Risiko überschaubar. „Wir gehen davon aus, dass genügend Impfstoff zur Verfügung steht, zumal die Durchimpfungsrate derzeit schon recht hoch ist.“ Da in Brandenburg so viele Kinder bereits geimpft seien, würde die Zahl der Nachzügler, die es bis zum 1. März nicht schaffen, wohl überschaubar bleiben.

Pflegeheime und Kitas sind angehalten, die Impfbescheinigungen der Angestellten, Bewohner und Kindergartenkinder streng zu prüfen. „Die Einrichtungen selbst werden durch die Gesundheitsämter – in der Regel vermutlich mit Stichproben – kontrolliert“, teilt Sebastian Gülde vom Bundesgesundheitsministerium mit.

Masernwellen sind auch in der Gegenwart noch ein Problem. Im Sommer 2017 gab es eine Masernwelle, von der auch Brandenburg betroffen war. Dem Robert-Koch-Institut wurden im Juli 2017 gut 800 Masern-Fälle gemeldet. Einen schweren Ausbruch hatte es im Ruhrgebiet gegeben, eine Patientin war verstorben.

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Von Rüdiger Braun

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