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Brandenburg Kleine Kfz-Betriebe haben es schwer
Brandenburg Kleine Kfz-Betriebe haben es schwer
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19:47 18.05.2014
Kleine Kfz-Betriebe haben es derzeit schwer in Brandenburg.
Kleine Kfz-Betriebe haben es derzeit schwer in Brandenburg. Quelle: dpa
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Potsdam

„Wir haben super Gebiete in Potsdam und drumherum, aber weiter weg ist es schwierig“, sagt Hans-Peter Lange, Vorsitzender des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes und Inhaber einer Werkstatt in Vetschau (Oberspreewald-Lausitz).

Bei der Frühjahrskonjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) Potsdam beurteilten nur 28 Prozent der Kfz-Betriebe ihre Geschäftslage als „gut“, 47 Prozent bezeichneten sie als „befriedigend“, 25 Prozent als „schlecht“. Das war zusammengenommen die negativste Einschätzung aller Gewerke. 47 Prozent gaben zudem an, dass die Aufträge zurückgegangen seien – so viele wie in keinem anderen Bereich. Immerhin: „Auch im Kfz-Gewerbe erwarten 34 Prozent einen Umsatzschub, was angesichts der strukturellen Probleme der Branche optimistisch ist“, sagte Jürgen Rose, Präsident der HWK Potsdam.

Schwierigkeiten bereitet insbesondere der demographische Wandel, sagt der Verbandsvorsitzende Hans-Peter Lange. „Wir haben viele ältere Kunden, die nur noch zum Arzt oder zur Apotheke fahren und vielleicht gerade mal auf 1500 Kilometer in zwei Jahren kommen.“ Reparaturen würden da so gut wie nie fällig. „Die kommen nur zur Hauptuntersuchung alle zwei Jahre.“ Zudem seien die modernen Autos so konstruiert, dass nur selten eine neue Kupplung etwa benötigt werde. „Da macht höchstens mal die Elektronik Probleme“, sagt Lange. Angesichts dieser Lage sei die Werkstattdichte zu groß. „Und der Kampf wird teils über den Preis ausgetragen.“

Tatsächlich hat die Zahl der Betriebe im Kammerbezirk Potsdam in den vergangenen zehn Jahren sogar noch zugenommen – von 989 im Jahr 2004 auf 1093 im Jahr 2014. Oft gehören die Werkstätten zu Autohäusern, die zusätzlich durch den Internethandel unter Druck geraten, wie HWK-Präsident Rose sagt. Auch der hohe Anteil von Neuwagen, die zunächst auf Hersteller oder Händler zugelassen und dann zu Kampfpreisen auf den Markt geworfen werden, sei kritisch.

Hinzu kommt die Konkurrenz durch große Werkstattketten, sagt John Christall vom Autoservice Christall in Teltow (Potsdam-Mittelmark). „Die einfachen Aufträge für Bremsen oder Auspuff werden da ganz aggressiv beworben.“ Kleine Betriebe könnten kaum mithalten. Auch die zunehmende Verbreitung von Versicherungsverträgen, die für den Schadensfall eine Werkstattbindung vorsehen, mache vielen zu schaffen, denkt Frank Hintze, Inhaber der gleichnamigen Karrosseriewerkstatt in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). In der Regel werden große Betriebe mit breiter Ausstattung als Vertragswerkstatt gewählt.

Nicht zuletzt gebe es einen Mentalitätswandel bei den Autofahrern: Statt eine Beule zu reparieren, ließen sich heute viele die Versicherungssumme lieber auszahlen, sagt John Christall. Laut Frank Hintze legen zudem junge Leute immer weniger Wert auf einen schicken Wagen. „Urlaub oder Smartphone sind wichtiger.“

Von Angelika Pentsi

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