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Brandenburg Fehlende Kapazitäten: Brandenburg erlebt den Baustau
Brandenburg Fehlende Kapazitäten: Brandenburg erlebt den Baustau
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16:53 04.12.2019
Ein Dachdecker verlegt Biberschwänze in Petershagen. Quelle: Patrick Pleul/zb/dpa
Potsdam

Der Wohnungsbau gerät in Teilen Brandenburgs an seine Grenzen. Die steigende Nachfrage und volle Auftragsbücher haben zu einem „Baustau“ geführt. Das heißt: Es werden deutlich mehr Wohnungen genehmigt als gebaut werden können.

Seit 2009 hat sich dieser Bauüberhang, also die Zahl der genehmigten, aber noch nicht fertig gestellten Wohnungen in der Mark mehr als verdoppelt. 2018 lag der Überhang bei fast 29.000 Wohnungen, 2009 waren es nur gut 14.000 gewesen, wie aus Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervorgeht.

Baubetriebe kommen nicht mehr hinterher

Diese Entwicklung sei ein bundesweites Phänomen, wie Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes am Mittwoch in Berlin erklärte. „Seit 2008 werden in Deutschland wesentlich mehr Wohnungen genehmigt als fertiggestellt“, sagte er.

Bundesweit habe sich der Bauüberhang von 320.000 auf fast 700.000 mehr als verdoppelt. In Ostdeutschland einschließlich Berlin hat er sich sogar verdreifacht. So warten in Berlin 64.000 genehmigte Wohnungen auf ihre Fertigstellung.

„Eine der Ursachen für diesen Baustau: Die Baubetriebe schaffen es offenbar nicht mehr oder immer seltener, Aufträge auch zeitnah abzuarbeiten. Vermutlich gelingt es den Betrieben nicht mehr, das geeignete und notwendige Personal zu gewinnen“, sagte Georg Thiel.

Die hohe Auslastung sei nicht der einzige Grund für den Bauüberhang, sagte Manja Schreiber, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin-Brandenburg, der MAZ. Viele Gründe lägen im Vorfeld. So würden baureife Grundstücke aus Spekulationsgründen nicht gebaut und Genehmigungsverfahren, um etwa eine Baustelle einrichten zu können, dauerten oft zu lange. „Ein Bau ist kein Konsumgeschäft über der Ladentheke. Verlässliche Planung ist essentiell für den Bauablauf.“

Neumieter müssen kräftig draufzahlen

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 und den infolge sinkenden Zinsen haben sich die Bauaufträge verdreifacht. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe ist in diesem Zeitraum aber nur um 25 Prozent gestiegen. Die Branche hinkt dem Auftragsvolumen also hinterher.

Vor allem im Speckgürtel ist der Bauboom ungebrochen. Von Januar bis September wurden landesweit 20 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum, die meisten davon im Landkreis Dahme-Spreewald mit 1700 neuen Wohnungen. In Potsdam und Oberhavel waren es je rund 1000.

Niedrige Zinsen – mehr Wohneigentum

Aufgrund der niedrigen Zinsen investieren mehr Menschen in Wohneigentum. Deswegen nimmt auch in Brandenburg die Zahl derer, die zur Miete wohnen, langsam ab, während es mehr Eigentümer gibt. Auch das ist nach Einschätzung von Jörg Fidorra, Chef des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Folge der Niedrigzinspolitik. 2002 lag die Eigentümerquote in Brandenburg noch bei 39,8 Prozent, 2018 schon bei 47,8 Prozent.

Ob das Baugeschehen ausreichend ist, lasse sich an der Zahl der Wohnungen je Haushalte ablesen, so Fidorra. Hier zeigt sich, dass der Wohnungsmarkt in Berlin deutlich angespannter ist. Auf 1000 Haushaltsgemeinschaften kommen in der Hauptstadt 962 Wohnungen. In Brandenburg kommen dagegen auf 1000 Haushalte 1057 Wohnungen. „Es gab in Brandenburg einen kontinuierlich hohen Wohnungsbau“, sagte Fidorra. Die Mieterhöhungen fielen daher moderat aus, sagte er.

Doch das sieht längst nicht jeder so. „Ich kann die Auffassung nicht teilen, dass in Brandenburg die Mieterhöhungen moderat gewesen seien“, sagte Isabelle Vandre (Linke). Der rasante Bevölkerungszuwachs in Berlin wirke sich entsprechend in Brandenburg aus. „Wir fordern deshalb mehr Tempo beim Neubau von Geschoss-Mietwohnungen und einen Schub bei der Fertigstellung von Sozialwohnungen“, sagte sie.

Berliner zieht es ins Umland

Wer jetzt eine Wohnung in Brandenburg mietet, zahlt pro Quadratmeter Nettokalmiete fast einen Euro (96 Cent) mehr als Bestandsmieter. Im Berliner Umland sind es sogar 1,38 Euro mehr.

Der Trend könnte sich fortsetzen, da vor allem aus Berlin mehr Menschen nach Brandenburg ziehen und damit die Einwohnerzahl der Mark erstmals seit Jahren wieder wächst. 12.000 Berliner sind vergangenes Jahr ins Umland gezogen.

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Von Torsten Gellner

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