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Brandenburg KoDorf in Wiesenburg sucht Hipster mit Hauswunsch
Brandenburg KoDorf in Wiesenburg sucht Hipster mit Hauswunsch
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00:26 15.06.2019
Frederik Fischer (links) und Wittenbergs Bürgermeister Oliver Hermann Quelle: Sternberg / maz
Berlin

Für Frederick Fischer, den Initiator des KoDorfs in Wiesenburg/Mark (Potsdam-Mittelmark), ist die Sache klar: Für sein Projekt will er Menschen einsammeln, „die sich in Berlin kein Eigenheim mehr leisten können“, und die zugleich Wert legen auf Nachhaltigkeit und einen gewissen Baustandard. Die aus der Hauptstadt raus wollen, aufs Land, und die ihre Arbeit am Notebook vom jedem Ort der Welt aus erledigen können – vorausgesetzt, die Internetverbindung ist schnell und stabil.

Etwa 400 Interessenten hätten sich angemeldet zu einem erweiterten Baugruppen- Casting in Wiesenburg am kommenden Samstag, 15. Juni, sagte Fischer am Mittwoch in Berlin. Eröffnet wird der Projekttag von Staatssekretär Thomas Kralinski (SPD), dem Digitalbeauftragten der Landesregierung. „Dann beginnt das Abenteuer Dorfgründung“, freut sich Fischer.

Viel zu sehen gibt es außer dem Computerentwurf des Münchner Architekturbüros AGMM noch nicht, nur das alte Sägewerk aus DDR-Zeiten, in dem schon lange (seit der deutschen Einheit) nichts mehr gesägt wird. Hier sollen die Gemeinschaftsräume des KoDorfs (die Anspielung auf „Kuhdorf“ ist Absicht!) einziehen, etwa eine Küche und die Arbeitsplätze für die großstadtmüden Kreativ- und Digital-Hipster. Aber, das betont, Fischer, sollen die Menschen dauerhaft dort leben. „Wir entwickeln hier kein Feriendorf.“

Aversion gegen das Auto

Auf dem ein Hektar großen Grundstück entstehen 32 Häuser in Holzbauweise, mit einer Wohnfläche zwischen 25 und 80 Quadratmetern. 100.000 Euro müssten die Neudorfbewohner mindestens hinlegen, sagt Frederick Fischer. Organisatorisch ist das Projekt ein Mix aus Baugruppe (die einzelnen Häuser werden in Privatbesitz sein) und Genossenschaft.

Das Grundstück wurde von der Genossenschaft Vielleben für ein Jahr optioniert, bis dahin ist Zeit, um die Baugruppe zusammenzustellen. Viele Noch-Berliner mit ausgeprägter Landlust verzweifelten am Brandenburger Immobilienmarkt, erklärt Fischer. „Die wollen nicht auf 200 Quadratmetern wohnen. Nicht jeder traut sich zu, einen verfallenen Vierseitenhof zu renovieren.“ Das KoDorf mit den kleinen und mittelgroßen Häusern soll diese Angebotslücke schließen.

Die Siedlung wird autofrei sein. „Unsere Zielgruppe hat eine starke Aversion gegen das Auto“, erklärt Fischer, außerdem wäre das Grundstück auch zu klein, um neben jedes Haus eine Garage zu bauen. Der Bahnhof von Wiesendorf ist auch nicht weit. Fast genauso wichtig wie eine flotte Internetverbindung sei für die potenziellen Bewohner eine gute Bahn-Anbindung.

Damit wirbt auch Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann, seine Stadt ist einer von zwei ICE-Haltepunkten an der Strecke HamburgBerlin und von beiden Metropolen nur gut eine Zugstunde entfernt. In Wittenberge startet im Juli das Digitalprojekt „Summer of Pioneers“, eine Art KoDorf mit Rückfahrtticket. 60 Menschen hatten sich auf der Website des Projekts beworben, 20 wurden schließlich ausgewählt.

Arbeiten in der Ölmühle

Sie werden von Juli bis Dezember in Wittenberge vergünstigt wohnen und in einem CoWorking-Space in der alten Ölmühle ihre Notebooks aufklappen und arbeiten. Der Bürgermeister schwärmt bei der Präsentation des Projekts in Berlin von der „wunderbaren Industriearchitektur“ und der grandiosen Lage mit Blick auf die Elbe. Als Zielgruppe nennt der Bürgermeister Digitalarbeiter aus Hamburg und Berlin, die gerne aufs Land umziehen würden, sich ihrer Sache aber nicht ganz sicher sind.

„Wir erwarten uns von den 20 Wittenbergern auf Zeit einen großen Input für die Stadt“, sagt Hermann. Wenn der eine oder die andere über das sechsmonatige Projekt hinaus dableibe, umso besser. Mit einem Zuzug von etwa 50 Menschen im Jahr könnte die Stadt ihre Einwohnerzahl (17.000) stabilisieren, rechnet der Bürgermeister vor.

Staatssekretär Thomas Kralinski sagte, Wittenberge und Wiesenburg stünden stellvertretend für viele Kommunen im Land, „die das ländliche Brandenburg mit Pioniergeist und Experimentierfreude in die digitale Zukunft führen“.

 

Von Thorsten Keller

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