Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Kommen Brandenburger zu "Mutti" zurück?
Brandenburg Kommen Brandenburger zu "Mutti" zurück?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:40 17.02.2015
Ob "Mutti" die weggezogenen Brandenburger zur Rückkehr bewegen kann? Quelle: Peter Geisler
Anzeige
Neuruppin

Wer einmal weg ist, kommt oftmals nicht zurück. In Brandenburg ist das immer wieder die Erfahrung. Aber es gibt auch Ideen, die Abwanderung zu stoppen. In Westbrandenburg kommt seit einigen Wochen "Mutti" ins Spiel, um verlorene Söhne und Töchter in die Heimat zu locken.

Fünf Städte aus den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin haben die Postkarten-Aktion "Mach Mutti glücklich. Komm zurück" kreiert. Sie versteht sich als Anstupser für schon Wankelmütige. Job, Wohnung, Freunde und Familie wären da. "Fehlst nur noch du", wird der Kandidat umschmeichelt. Rund 62.000 Postkarten wurden bereits über das Wochenblatt "Wochenspiegel" an die Haushalte verteilt. "Wir machen auf ein drängendes Problem aufmerksam", sagt Uta Nebert, amtierende Amtsdirektorin Meyenburg (Ostprignitz-Ruppin). Sie sei optimistisch, dass der eine oder andere wieder Lust auf die Heimat habe.

Anzeige

"Ex-Brandenburger sollen einfach mal nachdenken. Wo ist es nun schöner, in der neuen oder der alten Heimat?", sagt Peter Wagner, einer der Initiatoren von der Wirtschaftsfördergesellschaft Inkom GmbH der Stadt Neuruppin. Auf dem Postkarten-Foto reißt die resolute ältere Dame vor Freude schon mal die Hände hoch. Die Begeisterung, dass Kinder oder Enkel bald wieder in der Nähe wohnen, soll spürbar sein.

Drei von vier Ostdeutschen wollen zurück in die Heimat

Nach Untersuchungen des Leibniz Instituts für Länderkunde wollen drei von vier abgewanderten Ostdeutschen wieder zurück, und 43 Prozent von denen haben wiederum schon konkrete Pläne. Nach groben Schätzungen leben etwa 1,5 Millionen Ostdeutsche, die nach der Wende abgewandert sind, im Westen. Ein Anreiz waren Jobs, bessere Verdienstmöglichkeiten oder auch die Liebe. Anfangs gab es sogar noch Wegzugsprämien von 5000 Mark bar auf die Hand für jeden, der sein Glück anderswo suchte.

"Die Zeiten sind lange vorbei", sagt Wagner. "Wir sind von der Attraktivität unserer Region überzeugt." Auf die zum Jahreswechsel an die Haushalte ausgegebenen und dann weiter gereichten Postkarten haben sich nach seinen Angaben bereits mehr als 25 Personen gemeldet.

Rückkehrer nehmen auch schlechteren Job in Kauf

"Einen Teil kenne ich schon persönlich", erzählt der Werber. Die Gründe, warum es die Interessenten nach Hause ziehe, seien ganz unterschiedlich. "Manchmal geht es um das von der Oma ererbte Häuschen, das bewohnt werden soll. Dann werden die Familie und Freunde vermisst", erzählt er. Oder die eigenen Kinder sollen im ländlichen Raum aufwachsen. Manch einer leide an der Anonymität der Großstadt und wolle den persönlichen Kontakt zum Nachbarn.

Nach Angaben des Leipziger Leibniz Instituts nehmen Rückkehrer mittlerweile auch finanzielle Einbußen oder einen schlechteren Job in Kauf. Um den Preis jedoch, wieder der Familie und den eigenen Wurzeln nahe zu sein. "Für jeden Fall müssen wir eine maßgeschneiderte Lösung finden", sagt Wagner. Er führt gerne das Beispiel der 60-jährigen Ingrid Wuschke aus Pritzwalk an. Der Sohn zog im Jahr 2000 nach Hamburg, ist verheiratet und hat zwei Kinder. "Die Oma hätte gern die Enkel in der Nähe", sagt er. Ob es in ihrem Fall klappt, wird sich zeigen.

Von Gudrun Janicke

Zurück zu Mutti? Aber bitte in den eigenen 4 Wänden: MAZimmo.de

Brandenburg MAZ-Spezial: Pro und Contra von Brandenburger Bundestagsabgeordneten - Soll Autobahnausbau privat finanziert werden?
16.02.2015
Brandenburg MAZ-Kommentar zur erstarkten FDP - FDP hat Runderneuerung nötig
16.02.2015
Brandenburg Liberale wittern Morgenluft und wollen optimistischer daherkommen - Brandenburger FDP frohlockt nach Hamburg-Wahl
16.02.2015