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Brandenburg Für manche Taten kann es keine Gerechtigkeit geben
Brandenburg Für manche Taten kann es keine Gerechtigkeit geben
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18:03 28.06.2019
Ein Justizbeamter steht in einem Verhandlungssaal des Landgerichtes Potsdam. Quelle: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/d
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Potsdam

Es ist ungewöhnlich, dass ein Richter einer Urteilsverkündung persönliche Worte voranstellt. Aber der Fall der beiden getöteten Kinder Mohamed und Elias war auch kein gewöhnlicher Fall. Wie geht man mit einem solchen Täter um? Wie kann man heute darüber entscheiden, ob der Täter in 15 oder 20 Jahren noch gefährlich ist? Die Abwägung solcher Fragen entspricht im Ergebnis nicht immer dem, das die Öffentlichkeit erwartet. Gerade im Fall von Kindermördern wird das immer wieder deutlich. Da werden mitunter auch Lynchfantasien an das Gericht herangetragen.

Deswegen hat sich Richter Klaus Feldmann auch die Zeit genommen, die Entscheidung, die auf einem schwierigen Abwägeprozess beruhte, zu erklären. Im Kern tendiert das Gericht dazu, dass von Silvio S. eine dauerhafte Gefahr ausgeht. Aber anhand von Sachverständigengutachten ließ sich das in den zurückliegenden Wochen nicht mit hinreichender Sicherheit sagen, so dass die Entscheidung darüber, ob der Täter nach Verbüßung seiner Haft verschoben wurde. Es spricht einiges dafür, dass der ehemalige Wachschützer nicht mehr auf freien Fuß kommt.

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Für Taten, wie sie Silvio S. verübt hat, kann es keine Gerechtigkeit geben. Die Kinder sind tot. Dennoch muss auch in solchen Fällen Recht gesprochen werden. Das Potsdamer Landgericht hat es sich damit erkennbar nicht leicht gemacht.

Von Torsten Gellner