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Brandenburg Munter weiterspritzen ist auch keine Lösung
Brandenburg Munter weiterspritzen ist auch keine Lösung
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14:29 26.11.2019
Die Trecker auf den Weg nach Berlin. Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
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Potsdam

Die Bauern haben die Schnauze voll. Sie gehen auf die Straße. Und der Protest ist eindrucksvoll, mancher denkt schon daran, dass hier eine deutsche Gelbwestenbewegung im Entstehen ist. Der Eindruck aber täuscht. In Frankreich ging ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Frust und Enttäuschung über eine elitäre Politik auf die Straße. In Deutschland geht eine Branche auf die Straße, die gegen politische Beschlüsse demonstriert, die aber von der Mehrheit der Bevölkerung eingefordert werden. Denn es gibt ja nicht nur die Bauernproteste, sondern auch jene für eine Agrarwende. Auch hierfür gehen die Leute zu Tausenden auf die Straße.

Die Bauernproteste deuten vielmehr darauf hin, dass es zu einer Spaltung zwischen städtischem und ländlichem Leben gekommen ist. Zu einer Kluft mit einer vielleicht etwas verklärten Vorstellung von Nahrungsmittelproduktion auf der einen und knallharten wirtschaftlichen Zwängen auf der anderen Seite.

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Mit einer Sternfahrt auf ihren Traktoren wollen die aus ganz Deutschland angereisten Landwirte am Dienstag (26. November 201) ein Zeichen gegen die Agrarpolitik setzen.

Naiv und voller Doppelmoral

Viele Deutsche hätten nämlich gerne eine Landwirtschaft, die auf Glyphosat verzichtet, bunte Blümchen für die Bienen pflanzt, die Tiere in geräumigen Ställen aufzieht und am besten streichelt und mit klassischer Musik beschallt. Diese Produkte sollen dann aber bitteschön zum Discountpreis im Supermarkt stehen. Das geht natürlich nicht. Diese Vorstellung ist naiv und voller Doppelmoral.

Aber die Bauern können die Uhren auch nicht zurückdrehen. Munter weiterspritzen, weil die Mittel so gut funktionieren und man das schon immer so gemacht hat, das ist auf Dauer auch keine Lösung. Keine Branche aber kann auf Dauer gegen die Interessen der Kunden produzieren. Schon gar nicht, wenn so viele Subventionen im Spiel sind wie im Agrarsektor.

Ein Umdenken in der Landwirtschaft ist nötig. Dann muss aber auch die Rolle des Handels hinterfragt werden, der die Preise diktiert. Und die Verbraucher müssen bereit sein, nicht nur dann für nachhaltige Landwirtschaft zu sein, wenn wieder einmal eine Petition zur Unterschrift ansteht. Sie müssen dann auch entsprechend einkaufen.

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