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Brandenburg Bei Gerd Neumann wird der „Dorfkrug“ zum Wahllokal
Brandenburg Bei Gerd Neumann wird der „Dorfkrug“ zum Wahllokal
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11:46 20.05.2019
Gerd Neumann ist Gastwirt, Koch und Wahlhelfer. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
Bagenz

Wenn Gastwirt Gerd Neumann am kommenden Sonntag (26.5.) im „Dorfkrug“ von Bagenz (Spree-Neiße) von seiner Frau Silke Kaffee und Bier ausschenken lässt, wird nebenan im Saal schon einiges los sein. Der zweite Raum seines Gasthauses im kleinen südbrandenburgischen Ort ist pünktlich zu den Kommunal- und Europawahlen zur Stimmabgabe umgeräumt worden. In Bagenz werden die Kandidaten für den Kreistag, der Ortsvorsteher und die Gemeindevertreter gewählt und für die Europawahl abgestimmt.

Neumann macht das wie in jedem Wahljahr: ein langer Tisch mit sieben Stühlen steht rechts im Raum für den Wahlvorstand bereit, die zwei Wahlurnen mit Kabine werden am Freitag vorher gebracht. „Ich rechne eigentlich mit etwa 70 Prozent Wahlbeteiligung“, schätzt Neumann, der wieder Wahlvorsteher ist.

Schon vor der Wende Wahlen begleitet

Schon vor dem Mauerfall hatte Neumann Wahlen begleitet. Zu DDR-Zeiten sei man aber noch ermahnt worden, wenn man nicht zur Wahl ging, erinnert er sich. Teilweise seien die Helfer mit den Wahlurnen zu den Leuten nach Hause gekommen. Erst 1990 fanden die ersten freien Wahlen in der DDR statt.

Auch nach der Wende, seit 1994, ist der Kneipier fast durchgängig Wahlhelfer - und zwar für jede Wahl, ob Kommunal- Europa- oder Landtagswahl. In dieser langen Zeit hat Neumann Ministerpräsidenten, Bürgermeister und Ortsvorsteher kommen, amtieren und gehen sehen. „Die sind alle wieder weg und ich bin als Wahlhelfer immer noch hier“, sagt er schmunzelnd.

Der „Dorfkrug“ wird am kommenden Sonntag zum Wahllokal. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Den Wahlvorstand aus Alteingesessenen des Ortes zusammenzubekommen war bis vor wenigen Jahren nicht einfach, erzählt Neumann. „Meist waren es Zugezogene wie ich, die in den Wahlvorstand gingen.“ Das habe sich mittlerweile etwas geändert. In diesem Jahr seien es mehr Ur-Bagenzer, beobachtet er. Der Chef der Feuerwehr und seine Frau beispielsweise und eine Pflegehelferin hätten sich für den Wahlvorstand gemeldet.

Themen liegen auf der Straße

Ob es auch daran liege, dass die Einheimischen sich mehr für ihre Belange einsetzen wollten, kann der Gastwirt nicht so genau ausmachen. Die Straße im Ort solle seit Jahren erneuert werden, der Lkw-Verkehr über die Dörfer habe zugenommen. „Das sind Themen, die hier interessieren“, weiß Neumann. Vielleicht wollten die Bagenzer aber auch sicher gehen, dass es bei der Wahl keine Fälschungen gebe, mutmaßt er.

Nach Auskunft der Landeswahlleitung in Potsdam gibt es weniger Versuche, Wahlergebnisse zu fälschen. Vielmehr würde die subjektive Beeinflussung wie etwa Falschinformationen über soziale Medien eine Rolle spielen, sagte die Sprecherin des Landeswahlleiters, Bettina Cain. Sie spricht von Anstrengungen ihrer Behörde, falsche Informationen aufzudecken.

Seit 25 Jahren in Bagenz

Gastwirt Neumann sieht sich nicht als Vertrauensperson, nur weil am Sonntag bei ihm gewählt wird oder der Gang zur Urne für ihn selbstverständlich ist. Deshalb würden auch nicht mehr Leute zur Wahl kommen, schätzt er. Er habe ein gutes Verhältnis zu den Einwohnern, ihm fehle aber ein „entscheidendes Gen“. Der Cottbuser Kneipier ist ein Zugezogener. Zwar leben und arbeiten Gerd Neumann und seine Frau Silke seit 25 Jahren in Bagenz und sind anerkannt im Ort. „Wir werden aber nie richtig dazugehören, wir sind hier nicht geboren“. Das mache auf dem Land tatsächlich einen Unterschied.

In Brandenburg werden in diesem Jahr 27 000 Wahlhelfer eingesetzt. Die Situation sei schon mal schlechter gewesen, schätzt Bettina Cain, Sprecherin der Landeswahlleitung ein. Und sie berichtet von einer weiteren Beobachtung. Die Wahlbeteiligung sei stark von Kombinationen abhängig. An einer alleinigen Europawahl haben in Brandenburg ihren Angaben zufolge in den vergangenen Jahrzehnten etwa 30 Prozent teilgenommen.

In Kombination mit Kommunalwahlen waren es dann schon knapp 50 Prozent. Sind Kommunalwahl und Bundestagswahl an einem Tag wie zum Beispiel im Jahr 1998, steigt ihrer Erfahrung nach die Zahl der Wähler sogar bis auf 80 Prozent. Sicher könne man aber bei solchen Erfahrungswerten nie sein, resümiert sie. „Die Leute ordnen das für sich selber ein, welche Wahl für sie persönlich wichtig ist.“

Von Silke Nauschütz

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