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Brandenburg Brandenburg sucht Käufer für letzte Liegenschaften der Roten Armee
Brandenburg Brandenburg sucht Käufer für letzte Liegenschaften der Roten Armee
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15:39 05.06.2019
Wisente ziehen in der Döberitzer Heide durch Sielmanns Naturlandschaften. Hier war früher ein großer Truppenübungsplatz der sowjetischen Streitkräfte. Quelle: Bernd Settnik/dpa
Rathenow

Den 31. August 1994 wird er nie vergessen, sagt Lothar de Maizère. An diesem Tag endet der Abzug der sowjetischen Truppen (Abkürzung WGT) vom Territorium der ehemaligen DDR mit einer offiziellen Zeremonie am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin. In de Maizières Erinnerung bieten die letzten Soldaten der UdSSR auf deutschem Boden ein „jammervolles Bild“, sagt der CDU-Politiker bei der Eröffnung des Konversions-Sommers 2019 in Rathenow (Havelland) „Der Anblick dieser geschlagenen Sieger verfolgt mich bis heute.“

Noch ein weiteres historisches Datum jährt sich im Sommer zum 25. Mal: Am 20. Juni 1994 gehen fast alle von den WGT freigeräumten Liegenschaften auf Brandenburger Gebiet in den Besitz des Landes über, zusammen genommen gut 100.000 Hektar, Truppenübungsplätze, Flugplätze, Kasernen, Bunker und vieles mehr. Die landeseigene Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG) vermarktet seither die Flächen.

Brandenburg hat die Chance genutzt“,

Lothar de Maiziere Quelle: Bernd Gartenschläger/MAZ

sagt Finanzminister Christian Görke (Linke) am Mittwoch in Rathenow und spricht von einem Erfolgsmodell. „Rund 90 Prozent der übernommenen Flächen wurden einer zivilen Nutzung zugeführt“, so Görke und nennt weitere Zahlen: 1350 abgeschlossene Kaufverträge und Investitionszusagen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. 220.000 Tonnen Erdreich wurden von Altlasten saniert und 2,5 Millionen Liter Kerosin aus dem Grundwasser abgesaugt.

Eine anschauliche Erfolgsgeschichte ist Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide, die seit 2004 auf dem gleichnamigen Truppenübungsplatz entstanden ist. Wo früher Panzer rollten und Soldaten den Ernstfall probten, grasen heute Wisente. Mehr als 800 geschützte Tierarten leben in dem 3500 Hektar großen Areal.

110 ehemalige WGT-Liegenschaften mit einer Fläche von knapp 10.000 Hektar haben sich bislang als unverkäuflich erwiesen, darunter auch die Kraftfahrer-Kaserne in Rathenow-Nord, der Veranstaltungsort vom Mittwoch. Er gehört zu den Sorgenkindern im Brandenburger Konversions-Portfolio. Zum Einen sind die Gebäude nach Dekaden des Leerstands in einem schlechten Zustand, zum anderen stehen das zentrale Wirtschaftsgebäude und die Mannschaftsunterkünfte seit 2011 unter Denkmalschutz – ein Umstand, der potenzielle Investoren häufig auf Abstand hält.

Minister sieht „neue Dynamik“

Doch die Vermarktung durch die BBG bleibe eine wichtige Aufgabe, betont Christian Görke, und auch in Rathenow will das Land nichts unversucht lassen. Noch in diesem Jahr soll das Verkaufsverfahren für die Kaserne starten. Der Minister spricht von erhöhter Nachfrage und einer „neuen Dynamik“ angesichts der grassierenden Grund- und Bodenknappheit.

2018 schlug das Land 29 Liegenschaften mit einer Gesamtfläche von 280 Hektar los. Der größte Einzelposten war der frühere Flugplatz in Rangsdorf (93 Hektar). Der Investor will auf dem Areal ein neues Wohngebiet erschließen, das eigentliche Flugfeld darf wegen Denkmalschutz-Auflagen nicht bebaut werden.

Zur finanziellen Bilanz von 25 Jahren Konversion in Brandenburg gibt sich eher zugeknöpft. Einnahmen in Höhen von 300 Millionen Euro stünden Aufwendungen, insbesondere für Rückbau und Altlastensanierung der mit Munition und Schadstoffen teils hochbelasteten Flächen, gegenüber, hieß es auf MAZ-Nachfrage. „Unter Einbeziehung der Aufwendungen ergibt sich für das Land ein negatives Finanzergebnis.“

Lothar de Maizière, inzwischen 79 Jahre alt und der Tagespolitik entrückt, schlägt in seiner Rede in Rathenow lieber einen größeren historischen Bogen. „Wenn ein Weltreich untergeht, hinterlässt es eine gewisse Unordnung“, sagt er mit Blick auf die UdSSR. „Deutschland hat Glück gehabt, dass es ohne größere Erschütterungen abging.“ Den Abzug von 550.000 Menschen und drei Millionen Tonnen Gepäck und Ausrüstung nannte er die „größte militärische Aktion zu Friedenszeiten“.

Von Thorsten Keller

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