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Brandenburg Kranich-Rekord im Storchenort Linum
Brandenburg Kranich-Rekord im Storchenort Linum
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14:24 29.10.2014
Kraniche suchen sich alljährlich im Herbst geeignete Plätze zur Rast und zur Futteraufnahme, bevor sie zum Flug in den Süden starten.
Kraniche suchen sich alljährlich im Herbst geeignete Plätze zur Rast und zur Futteraufnahme, bevor sie zum Flug in den Süden starten. Quelle: dpa
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Linum

Es wird kühl und die Sonne verschwindet im Zeitlupentempo hinter der Kirche. Nebel legt sich über die Wiesen und Felder. Noch Kilometer entfernt, und dennoch sind sie bereits zu hören. Die kalte Luft ist voll von ihren Schreien. Und dann sind die schwarzen Silhouetten in der Dämmerung zu sehen. Sie fliegen in V-Formation über die Straßen und Häuser hinweg, hin zu ihren Schlafplätzen. Heute sind es mehr als 123.000, die sich an den Linumer Teichen versammeln, um dort – mit den Füßen im flachen Wasser – gemeinsam zu schlafen. Diese Zahl ist ein neuer Rekord.

Der kleine Ort Linum im Landkreis Ostprignitz-Ruppin mit seinen geschützten Teichen und Naturlandschaften ist vielen als Storchendorf bekannt. In den vergangenen Jahren hat er sich zu einem der größten Kranichschlafplätze Europas entwickelt. Sie machen hier auf ihrem Flug von Schweden in den Süden jedes Jahr im Frühling und im Herbst Halt. Es gibt genug Nahrung, um die Fettreserven wieder aufzufüllen, und geschützte Gebiete für die Nacht. So fliegen die bis zu sieben Kilogramm schweren Vögel, die eine Flügelspannweite von rund 2,20 Meter haben, auch jetzt wieder zu Tausenden in und rund um Linum ein. 2008 war die Zahl der rastenden Kraniche besonders hoch: An einem Tag wurden 79.980 Kraniche gezählt.

Der Kranich macht es den Naturliebhabern nicht leicht

Vom Boden aus wird dieses Schauspiel derzeit von vielen Naturliebhabern beobachtet. Allerdings macht es der Kranich den Beobachtern alles andere als leicht – gilt er doch nicht umsonst als Symbol der Wachsamkeit und der Vorsicht. Mit einer Fluchtdistanz von 300 Metern brauchen die Beobachter sehr gute Augen oder ein gutes Fernglas. Und als Fotomotiv ist der scheue Vogel auch wenig geeignet, wenn der Fotograf nicht über ein sündhaft teures lichtstarkes Zoom-Objektiv verfügt. Sonst ist das Ergebnis eher ein Suchfoto, das den Betrachtern mit den Worten beschrieben wird: „Da hinten, diese hellen schemenhaften Flecken – das sind sie, glaube ich.“

Und dennoch ist das Schauspiel ein ganz Besonderes, das sich auch ohne teure Kamera lohnt. Die Geräuschkulisse der kreischenden Kraniche, das „Klülü“ der Blessgänse, das „Kajak“ der Saatgänse und das „Ang-Ang“ der Graugänse erschallt aus allen Richtungen, und Tausende zu den Linumer Feldern und Teichen fliegende Vögel am Himmel sind ein Naturschauspiel, das Gänsehaut erzeugt. Sie zu beobachten, zaubert den Naturfreunden ein Lächeln ins Gesicht. Der Kranich gilt nicht zufällig als „Vogel des Glücks“ und wird in der Dichtung symbolisch für etwas „Erhabenes“ verwendet.

Alljährlich im Herbst bietet sich Naturfreunden im Rhin-Havelluch ein einzigartiges Naturschauspiel: Dann machen Zehntausende Kraniche aus den skandinavischen und den baltischen Ländern, aus Polen und der Ukraine in der Umgebung von Linum (Ostprignitz-Ruppin) Rast. Der bekannte Storchenort gilt als einer der größten Kranichschlafplätze Europas. In diesen Tagen wurden sogar 123.000 Exemplare gezählt, die dort Zwischenstation machen, ehe sie zu den Überwinterungsgebieten weiterfliegen. Quelle: dpa Brandenburg

Sie fliegen im Schnitt 70 Stundenkilometer schnell

Man kann die Kraniche gut von den fliegenden Gänsen unterscheiden. Während Gänse Füße und Beine wie das Fahrwerk eines Flugzeugs unter dem Körper „einfahren“, fliegen Kraniche mit gestreckten Beinen – es sei denn, es wird ihnen zu kalt an den Füßen.

„Es sind wirklich faszinierende Tiere, die im Schnitt 70 Stundenkilometer schnell fliegen, ihr Tempo auf kurze Distanzen sogar bis auf 130 Km/h erhöhen können“, erklärt Marion Szindlowski, Leiterin des Naturschutzzentrums des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Linum, die Führungen für die Besucher zum abendlichen Kranicheinflug durchführt. Sie erzählt auch, dass die Schreitvögel, deren Markenzeichen die schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung und die federlose rote Kopfplatte sind, zwischen drei Tagen und drei Wochen hier verweilen. „Das hängt davon ab, wie gut sie sich hier ausruhen können und wie viel Nahrung sie finden, um für den Weiterflug nach Frankreich und Spanien fit zu sein“, fügt die Kranichexpertin hinzu.

Abgeernteten Mais-Äcker bieten Futter

300 Gramm Futter braucht ein Kranich pro Tag. Das findet er hier auf abgeernteten Mais-Äckern. Die Tiere suchen tagsüber in der Umgebung nach Futter und begeben sich zur Dämmerung wieder an ihren bewährten Schlafplatz. Hier hat der Mensch durch den Torfabstich in der Vergangenheit eine Grundstruktur für eine einzigartige Naturlandschaft geschaffen – perfekt für Kraniche, die im flachen Wasser schlafen.

Wer Nahaufnahmen der Kraniche sehen möchte, sollte sich den Vortrag von Dieter Damschen nicht entgehen lassen. Der Fotograf ist seit rund zehn Jahren „mit den Kranichen unterwegs“ und auf „fotografischer Reise quer durch Europa“. Dabei präsentiert er den Zyklus eines Jahres: Mit beeindruckenden Bildern vom „Sommerquartier“ der großen Vögel in Schweden über ihre Schlafplätze in den Linumer Teichen bis hin zum „Winterdomizil“ in Spanien.

Der Naturschutzbund bietet im Herbst spezielle Führungen zum abendlichen Kranicheinflug an, die an der Storchenschmiede Linum beginnen. Die Storchenschmiede ist in der „Kranich-Zeit“ in eine Kranich-Info-Ausstellung verwandelt. Dort erfahren die Besucher viele interessante Details über die „Vögel des Glücks“.

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