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Brandenburg Brandenburg senkt Niveau der Lehrerausbildung
Brandenburg Brandenburg senkt Niveau der Lehrerausbildung
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05:18 25.01.2019
Lehrer werden dringend gesucht. Senkt das Land deswegen die Einstellungskriterien? Quelle: dpa/Julian Stratenschulte
Potsdam

Im Kampf gegen den Lehrermangel lockert das Land Brandenburg die Anforderungen an die künftigen Pädagogen und setzt auf eine Turbo-Ausbildung. Trotz vielfacher Warnungen der Berufsverbände tritt im Februar die bereits vor Jahren beschlossene Verkürzung des Referendariats in Kraft: Der praktische Vorbereitungsdienst dauert künftig nur noch 12 statt 18 Monate.

Ziel ist es, möglichst viele Absolventen der Universität Potsdam schnell ins System zu bringen. Brandenburg ist damit das einzige Bundesland, das seine neuen Lehrer in so kurzer Zeit ausbildet. Lediglich in Sachsen war das Referendariat vorübergehend auf 12 Monate verkürzt worden. Nach Kritik wurde es wieder auf 18 Monate verlängert.

Einfachere Prüfung als Mittel gegen Lehrermangel?

Parallel dazu senkt das Bildungsministerium die Prüfungsanforderungen an die Referendare, wie die neu gegründete Interessengemeinschaft Brandenburgischer Lehrerfachverbände (IBL) kritisiert. So fällt die bisher zwingende schriftliche Hausarbeit für das zweite Staatsexamen weg, dafür werden die zwei Probe-Unterrichtsstunden deutlich stärker gewichtet als vorher. Die Lehrerverbände warnen vor einem deutlichen Niveauverlust.

„Wir sind besorgt darüber, dass dies zu einer deutlich höheren Bestehensquote führen könnte und darüber hinaus ein Verlust der Unterrichtsqualität bei diesen Abschlüssen zu befürchten wäre“, sagte Karin Salzberg-Ludwig, Sprecherin der IBL. Ihr Verdacht: „Die Regelung erweckt den Anschein, dass mit dieser höheren Bestehensquote dem Lehrermangel in Brandenburger Schulen begegnet werden soll.“

Lehrerverbände ziehen an einem Strang

In der Interessengemeinschaft IBL sind alle sieben Lehrerfachverbände des Landes vertreten, darunter der Grundschulverband, der Philologenverband sowie der Verband Sonderpädagogik. Es ist das erste Mal, dass die Fachverbände so eng zusammenarbeiten. Es sei gerade im Wahljahr wichtig, bei übergreifenden Themen wie Inklusion oder Nachwuchsgewinnung mit einer Stimme zu sprechen, so Salzberg-Ludwig.

Mit der Verkürzung des Referendariats sinke der Praxisanteil erheblich. Denn tatsächlich würden die angehenden Lehrer gar keine zwölf Monate unterrichten, sondern nach Abzug von Ferien und Projektwochen eher nur sieben oder acht Monate, erklärte Karen Pölk, Leiterin der Voltaireschule in Potsdam und Vorsitzende der Gesellschaft der Gesamtschulen Brandenburg. „Weder die 24-monatige noch die 18-monatige Ausbildung der Referendare wurden jemals vom Ministerium evaluiert“, kritisierte sie.

12.000 neue Lehrer werden gebraucht

Brandenburg sucht, wie alle anderen Bundesländer auch, derzeit händeringend nach neuen Lehrkräften. In den kommenden zehn Jahren muss das Land rund 12000 Pädagogen einstellen. Dazu setzt die Landesregierung zunehmend auf Seiteneinsteiger. Von den rund 1100 Lehrkräften, die zum Beginn des aktuellen Schuljahres eingestellt wurden, hatten 270 keine klassische Lehrerausbildung.

Wenn künftig statt auf Qualität fast nur noch auf Quantität geachtet werde, habe dies langfristig Auswirkungen auf das Unterrichtsniveau. „Ausbaden müssen das dann die Lehrkräfte und Schulleitungen sowie letztendlich die Schülerinnen und Schüler“, so Salzberg-Ludwig. Die Verkürzung des Referendariats müsse trotz langer Diskussionen auf den Prüfstand, forderte sie.

In den meisten Bundesländern dauert der schulische Vorbereitungsdienst 18 Monate, in Bayern müssen angehende Pädagogen 24 Monate Praxiserfahrung sammeln. Allerdings ist an der Universität Potsdam, wo Brandenburgs Lehrer ausgebildet werden, der Praxisanteil während des Studiums größer als in anderen Bundesländern.

Von Torsten Gellner

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