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Brandenburg Baufirma lehnt muslimischen Azubi ab – Steinbach schockiert
Brandenburg

Landkreis Spree-Neiße Baufirma aus Kolkwitz lehnt muslimischen Azubi ab

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18:24 13.10.2020
Arbeiter in einer Baustelle auf der Autobahn 7 in Niedersachsen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Potsdam

Eine märkische Baufirma hat einem jungem Mann, den sie nach einem Vorstellungsgespräch nicht als Azubi einstellen wollte, eine schriftliche Absage geschickt, die mit rassistischen und islamfeindlichen Sätzen gespickt ist. Das berichtet der RBB.

Ausgangspunkt der Berichterstattung war ein bei Twitter veröffentlichter Screenshot der Absage. Demnach beteuert die Asphalt Straßenbau Gesellschaft mbH aus Kolkwitz (Spree-Neiße) zunächst, sie habe "besser geeignete Kandidaten" für die zwei vakante Ausbildungsplätze gefunden. Danach schreibt Geschäftsführer Frank Pilzecker: "Desweiteren ist die Mitarbeit in unserem Unternehmen als praktizierender Moslem unerwünscht.“ Der Islam sei „nicht mit der Verfassung der BRD in Einklang zu bringen". Ob es sich bei dem Twitter-User @Der Turkistaner um den abgelehnten Azubi handelt, war zunächst nicht klar.

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Die Absage endet mit der Floskel „Alles Gute für die Zukunft“ – garniert mit dem Wunsch, „dass Sie den Weg in Ihre Heimat finden und dort nach ihren Grundsätzen leben könnten“.

Unruhen wegen der Leberwurst?

Geschäftsführer Pilzecker bestätigte auf RRB-Anfrage seine Abneigung gegenüber Moslems. Er könne sie in seinem Betrieb „nicht beschäftigen, weil es Unruhe geben würde". Die Arbeit im Straßenbau sei außerdem körperlich anspruchsvoll und daher nicht kompatibel mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan. "Die Kollegen kippen dann einfach um", sagte Pilzecker wörtlich.

Der Geschäftsführer unterstellt auch Spannungen abseits der eigentlichen Arbeit: „Wenn der Deutsche seine Leberwurst isst, setzt sich ein Moslem in einen anderen Raum. Da haben wir uns entschlossen sowas nicht einzustellen."

Lesen Sie: Das Leberwurstkomplott – wenn der Azubi nicht Moslem sein darf

„Wenn die Vorwürfe zutreffen, bin ich von der Haltung des Unternehmens schockiert“, sagte Bradenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) dem Evangelischen Pressedienst. „Ein solches Vorgehen widerspricht unseren Prinzipien eines weltoffenen Brandenburg. Die Freiheit der Religionsausübung ist in Deutschland ein Grundrecht.“

Die brandenburgische Integrationsbeauftragte Doris Lemmermeier sagte, sie sei „schockiert, dass ein Brandenburger Unternehmen so islamophob und rassistisch auftritt“. Die Handwerkskammer Cottbus erklärte, sie distanziere sich „von Rassismus in jeglicher Form“. Die Kammer betonte, im südbrandenburgischen Handwerk würden derzeit 38 Flüchtlinge ausgebildet. Hinzu kämen 99 Lehrlinge mit ausländischem Hintergrund.

Von tk/epd