Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg AfD wirbt in Brandenburg mit Willy Brandt – SPD empört
Brandenburg AfD wirbt in Brandenburg mit Willy Brandt – SPD empört
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:33 08.08.2019
Wahlplakat der AfD für die Landtagswahl in Brandenburg.
Wahlplakat der AfD für die Landtagswahl in Brandenburg. Quelle: imago/Martin Müller
Anzeige
Potsdam

Neue Aufregung um Wahlwerbung der AfD: Ein Plakat der Partei in Brandenburg mit dem Konterfei des früheren sozialdemokratischen Kanzlers Willy Brandt (1913-1992) sorgt für Empörung.

„Grober Missbrauch und obszön“

„Die Berufung auf Willy Brandt ist ein grober Missbrauch und schlicht obszön“, sagte der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse dem „Tagesspiegel“. Die AfD-Aktion mit 400 Wahlplakaten laufe nur im Landkreis Potsdam-Mittelmark, sagte Landesgeschäftsführer Lars Hünich. Er ist auch Spitzenkandidat seiner Partei für den Wahlkreis 16. Zu sehen ist ein Foto Brandts und ein berühmter Ausspruch aus seiner ersten Regierungserklärung („Mehr Demokratie wagen“).

Brandt war von 1969 bis 1974 Regierungschef einer sozialliberalen Koalition aus SPD und FDP. Er war mehr als zwanzig Jahre SPD-Parteichef.

>> Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Das hat Brandt nicht verdient!

Lesen Sie mehr zum Thema

In Feuerwehr-Uniform auf dem Wahlplakat: AfD-Kandidat erntet Kritik

Fremdenfeindliche Wahlwerbung am Luckenwalder Bahnhof – AfD will nichts davon wissen

AfD fordert auf Plakat zur Selbstbefriedigung auf

Die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig bezeichnete die AfD-Kampagne auf Twitter als schäbig. „Es ist unsäglich, dass die #AfD das Erbe von #Willy Brandt benutzt und beschmutzt“, schrieb die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.

Der Generalsekretär der Brandenburger Sozialdemokraten, Erik Stohn, forderte die AfD auf, „diesen Missbrauch der Person Willy Brandts zu beenden“. Brandt würde sich heute „aktiv gegen die AfD engagieren“, so Stohn weiter.

Maas kritisiert Vorgehen der AFD

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) rügte die AfD scharf. „Willy Brandt hätte für Rechtspopulisten nur eines übrig gehabt: abgrundtiefe Verachtung“, schrieb Maas auf Twitter. „Wenn Spalter und Hetzer ihn heute missbrauchen, ist das einfach widerlich.“ Willy Brandt sei und bleibe Versöhner und Friedensstifter. Seine größte Geste bleibe unvergessen.

Damit meinte Maas die Versöhnungsgeste Brandts zwischen Deutschen und Polen am 7. Dezember 1970. Der damalige Bundeskanzler am Denkmal für die Opfer des jüdischen Warschauer Ghettos nieder, um aller Opfer der Nazi-Herrschaft zu gedenken. Das berühmte historische Foto hängte Maas an seinen Tweet an.

Neben Brandenburg wird auch in Sachsen am 1. September gewählt, in Thüringen am 27. Oktober.

Bei Twitter kursierten bereits Parodien, wie dieser Tweet zeigt.

Von RND/dpa