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Brandenburg Woidke: „Es ist nach wie vor die SPD, der die Menschen vertrauen“
Brandenburg Woidke: „Es ist nach wie vor die SPD, der die Menschen vertrauen“
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22:09 01.09.2019
Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, küsst seine Frau Susanne. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Potsdam

Bei der SPD in Potsdam bricht lauter Jubel aus, als die erste Prognose eingeblendet wird: Die Partei von Ministerpräsident Dietmar Woidke liegt weit vor der AfD – und das nach einem Wahlkampf, in dem die Rechtspopulisten in Vorhersagen zeitweise mehrere Prozent vor den Sozialdemokraten gelegen hatten.

Dietmar Woidke betritt den Saal im vierten Stock der Stadtbibliothek in Potsdam die Luft dort ist zum Schneiden. Der Wahlsieger, im weißen Hemd, wird von Kameras umringt – es haben sich wegen der Bedeutung der Wahl viel mehr Teams als gewöhnlich angemeldet.

Besorgnis über AfD-Ergebnis

Er freue sich, dass „das Gesicht Brandenburgs auch in Zukunft ein freundliches sein wird“, sagt der Parteichef. Dann steigt er auf die Bühne, die wegen der niedrigen Decke ganz flach ausfallen musste – und weil Woidke 1,96 Meter groß ist.

„Es ist nach wie vor die SPD, der die Menschen vertrauen“, sagt der Ministerpräsident, dessen Partei zwar im Vergleich zu 2014 einige Prozentpunkte verliert, aber immer noch gut zehn Prozent über dem derzeitigen Umfragewert der Bundes-SPD liegt. Die AfD hat Woidke mit seiner Partei deutlich hinter sich gelassen, dennoch mache ihm deren Ergebnis Sorgen, sagt Woidke. Er wolle „auf die Menschen zugehen in den kommenden Jahren“.

Seinen Sieger-Blumenstrauß vermacht Woidke seiner Frau Susanne, die eher selten in der Öffentlichkeit steht. Sie bahnt sich den Weg aus dem Dunkel ins grelle Scheinwerferlicht – ihr Mann küsst sie im Überschwang. „Hinter jedem einigermaßen vernünftigen Mann steht eine starke Frau“, sagt Woidke.

Zugeständnisse für die Kernwähler

Innenminister Karl-Heinz Schröter beschäftigt sich derweil mit ganz anderen Partnerschaftserwägungen. Mit Verweis auf mögliche Koalitionen äußert er, bei der nächsten Kombination müsse möglichst viel für die Kernwähler seiner Partei herausspringen: „Das sind die Kassiererin an der Ladenkasse und der Bauarbeiter – die Leute, die morgens aufstehen und fleißig arbeiten gehen“, so Schröter.

Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Kohleausstieg vor 2038 im Interesse dieser Menschen sei, wenn der Strukturwandel noch gar nicht weit genug gediehen sei. Forderungen wie die generelle Ablehnung von Abschiebungen und die Schwächung des Verfassungsschutzes seien ebenfalls schlechte Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten – beides Positionen des bisherigen Koalitionspartners Die Linke. Mit der hatte Hardliner Schröter gegen Ende der Regierungszeit offen über Kreuz gelegen.

Jann Jakobs prophezeit schwierige Verhandlungen

SPD-Fraktions-Chef Mike Bischoff kündigt an, die Partei werde das Wahlergebnis „mit Freude und Demut“ aufnehmen. „Wir sehen ein starkes Ergebnis für eine Hass- und Hetze-Partei“, sagt Bischoff. Potsdams Ex-Oberbürgermeister Jann Jakobs prophezeit schwierige Verhandlungen, denn die beiiden potenziellen Koalitionspartner Linke und CDU seien gleichermaßen geschwächt aus der Wahl hervorgegangen. Das Ergebnis beinhalte einen klaren Auftrag an Woidke, Ministerpräsident zu werden und eine Regierung zu bilden.

Ein ganz neuen Promi-Duo hat sich schon früh im Saal eingefunden: Die Landtagsabgeordnete Klara Geywitz und Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Sie bewerben sich gemeinsam um den Vorsitz der Bundes-SPD. „Wir lassen uns nicht entmutigen, wenn der Wind von vorn kommt“, sagt Geywitz – und könnte das auch gut auf die darbende Bundes-SPD gemünzt haben. Die liegt derzeit in Umfragen bei rund 15 Prozent.

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Von Ulrich Wangemann

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