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Brandenburg Leerstellen im Fahrplan
Brandenburg Leerstellen im Fahrplan
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18:03 08.12.2016
Um Kosten zu sparen, ist das Liniennetz der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft ausgedünnt worden. Quelle: Cindy Mutschler
Potsdam/Lychen

„Es ist unverantwortlich, eine Urlaubsregion vom öffentlichen Nahverkehr abzukoppeln“, empört sich Brigitte Kreis. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag wird der Busverkehr in der Uckermark erheblich gekürzt. Von 74 Linien im flächenmäßig größten Landkreis Brandenburgs wurden zwei komplett gestrichen, 44 haben teils beträchtlich längere Taktzeiten. 340 000 Netzkilometer entfallen. 700 000 Euro will die kreiseigene Uckermärkische Verkehrsgesellschaft (UVG) damit einsparen.

Auch die Linie 517, auf der Brigitte Kreis regelmäßig pendelt, ist betroffen. Die Berliner Rentnerin hat ein Wochenendhäuschen in Lychen, fährt regelmäßig mit dem Zug nach Fürstenberg (Oberhavel) und von da – Lychen hat keine Bahnanbindung – mit dem Bus weiter. Aber es gibt künftig weniger Verbindungen, an Wochenenden ist das Angebot sogar halbiert worden. Vom Rotstift betroffen ist auch die vor drei Jahren eingerichtete Buslinie durch den Naturpark Uckermärkische Seen. „Für Lychen mit seinen vielen Tagestouristen aus Berlin ist das katastrophal. Ich treffe Leute, die fragen, ob die Tour sich noch lohnt, wenn die Bahn Verspätung hat und der nächste Bus erst in vier Stunden kommt?“, sagt Brigitte Kreis.

Die Flößerstadt ist Verkehrsknotenpunkt. Publikumsziele wie der Weihnachtsort Himmelpfort (Oberhavel), das Thermalbad Templin oder der mecklenburgische Kneipp-Kurort Feldberg sind beliebt bei Ausflüglern. Auch im Osten der Uckermark, im Unteren Odertal, ist eine populäre Verbindung betroffen. Die Nationalparklinie verliert pro Woche 20 Fahrten.

Lychens Bürgermeisterin, Karola Gundlach (parteilos), fürchtet, dass Gäste ihre Stadt künftig meiden. Gastronomen, Hoteliers oder Bootsverleiher seien besorgt. „Die Einschränkungen im Busverkehr treffen uns ins Mark.“ Betroffen seien nicht nur Touristen, sondern auch viele Berufspendler. Zudem gebe es Fachärzte nur in 20 bis 80 Kilometer Entfernung. „Die Fahrt in die Kreisstadt Prenzlau und zurück ist schon jetzt eine Tagesreise, sehr beschwerlich vor allem für die Älteren. Wir werden die Kürzungen nicht hinnehmen“, sagt Gundlach.

Bundesmittel für den Nahverkehr

Die Länder finanzieren mit Regionalisierungsmitteln des Bundes ihren Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und sichern den Einsatz von Bussen und Straßenbahnen (Öffentlicher Personennahverkehr, ÖPNV).

Im Sommer hatten die Länder mehr Geld gefordert. Ergebnis: Der Bund stellt nun jährlich 8,2 Milliarden Euro bereit, Brandenburg reicht davon für den ÖPNV rund 75 Millionen Euro an die Kreise weiter.

Bis 2018 stellt das Land zudem neun Millionen Euro bereit, jedoch nicht für den Bus- und Straßenbahnbetrieb, sondern für Investitionen in die Barrierefreiheit der Fahrzeuge.

Wie Gundlach laufen auch die Bürgermeister vom Templin, Schwedt, Angermünde und Prenzlau gegen die Einschnitte Sturm. „Ein falsches Signal, das den Kreis unattraktiver macht“, kritisiert Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos). Henryk Wichmann, Landtagsabgeordneter und Fraktionschef der CDU im Kreistag, ist überzeugt: „Der Imageschaden wird größer sein als die Einsparungen.“ Er fordert, Busse lokaler zu planen und ihre Auslastung genauer zu untersuchen. „Ich will auch nicht, dass große Busse leer herumfahren.“ Der CDU-Politiker wirft der rot-roten Landesregierung vor, die gut 3000 Quadratkilometer große Uckermark mit ihren Nahverkehrsproblemen allein zu lassen. „Brandenburg ist das einzige Land, dass lediglich die Regionalisierungsmittel des Bundes an die Kreise weiterleitet. Es legt keinen Cent aus eigener Kasse für strukturschwache oder bevölkerungsarme Gegenden oben drauf.“ Peter Vida von den Freien Wählern will das Thema nächste Woche in den Landtag bringen. Es sei blamabel für das Land, dass angesichts einer schlechten Schienenanbindung ans polnische Stettin nun auch noch der Bus dorthin geopfert werde.

Aus Sicht der Kreisverwaltung der Uckermark gibt es keine Alternative zu den Linienstreichungen: Die Verkehrsgesellschaft habe ein Defizit, das durch zu geringe Fahrkartenerlöse nicht ausgeglichen werden könne. Die Geschäftsführung verweist auf höhere Kosten und ausbleibende Landeszuschüsse. Um Kassenlöcher bei der chronisch unterfinanzierten UVG zu stopfen, hatte der Kreistag bereits für das laufende Jahr eine Finanzspritze von 900 000 Euro bewilligt. 3,9 Millionen Euro stehen insgesamt bereit. Mehr Geld gibt es nicht. Kreissprecherin Ramona Fischer versichert, dass der Busbedarf weiterhin überprüft werde. „Der Tourismus soll nicht leiden. Betroffen sind Parallelverbindungen zur Bahn oder kaum genutzte Linien.“

Von Bedingungen wie im Berliner Umland können die Uckermärker auch weiterhin nur träumen. Im Dreieck Potsdam-Brandenburg/Havel-Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) startet zu Jahresbeginn wegen hoher Nachfrage eine vierte PlusBus-Linie und auch Teupitz und Motzen (Dahme-Spreewald) werden ab Sonntag per PlusBus an den S-Bahnhof Königs Wusterhausen angeschlossen. PlusBusse müssen werktags zwischen 6 und 18 Uhr stündlich verkehren und einen zeitnahen Umstieg auf die Bahn auch an den Wochenenden garantieren.

Von Volkmar Krause

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