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Brandenburg Nach Fußball-Urteil: Cottbus und Babelsberg sind fassungslos
Brandenburg Nach Fußball-Urteil: Cottbus und Babelsberg sind fassungslos
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00:23 01.04.2019
Die Begegnungen zwischen Babelsberg 03 und Energie Cottbus gelten bei Sicherheitsbehörden als „störanfällig“. Quelle: dpa
Leipzig

Nach dem Gerichtsurteil zu den Kosten von Hochrisiko-Spielen warnen Brandenburgs Fußballvereine vor finanziellen Risiken. Für Energie Cottbus wäre eine Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen ein Schlag ins Kontor. „Das wäre eine finanzielle Belastung für den Verein, die sehr, sehr schwer zu stemmen wäre“, sagt Vereinssprecher Stefan Scharfenberg-Hecht der MAZ.

Auch beim Regionalligisten Babelsberg 03 sorgt das Urteil für Unruhe. „Das wäre für Vereine wie uns existenzbedrohend und nicht machbar. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe des Staates, für Recht und Sicherheit zu sorgen“, sagte Geschäftsstellenleiter Björn Laars. Vereine würden durch viele ehrenamtliche Tätigkeiten im sozialen Bereich schließlich auch Aufgaben des Staates übernehmen, so etwa durch die Kinder- und Jugendarbeit, so Laars.

Niederlage für DFL

Das Bundesverwaltungsgericht hat am Freitag entschieden, dass Fußball-Vereine von den Bundesländern grundsätzlich für die Kosten bei Hochrisiko-Spielen zur Kasse gebeten werden können. Damit erlitt die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine schwere Niederlage.

In dem lang währenden Streitfall um einen Gebührenbescheid der Hansestadt Bremen stellten die Richter in Leipzig fest: „Für den besonderen Polizeiaufwand aus Anlass einer kommerziellen Hochrisiko-Veranstaltung darf grundsätzlich eine Gebühr erhoben werden.“

Der konkrete Fall wurde wegen der Klärung von Detailfragen zwar wieder an das Oberverwaltungsgericht Bremen zurückverwiesen. Die DFL-Delegation räumte aber eine Niederlage ein: „Es ist eine Entscheidung, die sicherlich anders ausgefallen ist, als wir uns gedacht haben“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Das Urteil könnte sich nicht nur auf Vereine der ersten und zweiten Bundesliga auswirken, da es grundsätzlichen Charakter hat.

Brandenburg will Entscheidung prüfen

Mehrere Bundesländer kündigten nach der Entscheidung an, dass sie ihre Vereine nicht zur Kasse bitten wollen. Brandenburg hielt sich jedoch zurück und verwies auf die Innenministerkonferenz, wo das Thema eine Rolle spielen soll. „Die Entscheidung muss sorgfältig geprüft werden.Wir werden hier nichts übers Knie brechen“, sagte der Sprecher des Innenministeriums Ingo Decker. Brandenburg strebe eine bundeseinheitliche Lösung an. „Auf einem Flickenteppich unterschiedlichster Regelungen würde wohl wenig föderaler Segen liegen“, heiß es.

Skeptisch ist der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Schuster. „Wir halten die Entscheidung für problematisch, weil sie ein Tor aufstößt: Werden die Veranstalter des Baumblütenfests in Werder/Havel oder der Internationalen Luftfahrtmesse ILA künftig auch zur Kasse gebeten?“, fragte er. Parteiveranstaltungen seien manchmal angesichts von Gegendemonstrationen auch Hoch-Risiko-Ereignisse.

Hertha sieht Staat in der Pflicht

Bundesligist Hertha BSC und Zweitligist Union Berlin wollen zunächst ein rechtskräftiges Urteil zum Gebührenbescheid gegen Werder Bremen abwarten. „Grundsätzlich ist die öffentliche Sicherheit und Ordnung Aufgabe des Staates. Somit auch die Kosten für die Polizeieinsätze hierfür“, sagt Hertha-Sprecher Max Jung.

Allerdings können die Berliner Clubs die weitere Entwicklung entspannt abwarten. Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hatte bereits vor dem Urteil verkündet, die Vereine nicht zur Kasse bitten zu wollen.

20 Risikospiele in Brandenburg

In der vergangenen Saison war die Brandenburger Polizei bei rund 20 Risikospielen im Einsatz. Die Sicherheitsbehörden sprechen von „störanfälligen Partien“. Darunter waren sechs Spiele von Energie Cottbus, vier Spiele von Babelsberg 03, fünf Partien von Union Fürstenwalde sowie fünf Begegnungen des FSV 63 Luckenwalde.

Von Ronny Müller, Torsten Gellner, Mirko Jablonowski und Ulrich Wangemann

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