Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Wie Besinnung gelingt in einer rasend schnellen Welt
Brandenburg Wie Besinnung gelingt in einer rasend schnellen Welt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 24.12.2019
Auch im vertrauten Kreis der Familie kann es Differenzen geben. Diese auszuhalten, will gelernt sein. Quelle: Martin Schutt/dpa
Potsdam

Und wieder ist Weihnachten. Ein Jahr vorbei. Sind wir nicht gerade noch losgelaufen in dieses 2019, mit dem festen Vorsatz, uns nicht kirre machen zu lassen von der rasend schnellen Welt?

Der fromme Wunsch nach Ruhe

Leicht gesagt. So viel Neues, so viel Unerwartetes ist passiert, dass der Wunsch nach Besinnlichkeit und Ruhe, in diesen Tagen unzählige Male ausgesprochen, mehr als fromm erscheint. Das Tempo der Umwälzungen wird – nicht nur gefühlt – immer höher. Klimawandel, Brexit, Handelskriege: Ein Thema jagt das nächste. Hinzu kommt ein neuer, schriller Ton im öffentlichen Diskurs, der kaum noch Zwischentöne zulässt, dafür das Polarisierende fördert und im Extremfall sogar die Lüge zur Wahrheit verklärt. Verstärkt durch die Filterblasen der sozialen Medien droht eine Spaltung der Gesellschaft, eine neue Unversöhnlichkeit. Wo bleibt da die Hoffnung?

Ein Ja zum Leben

Man muss kein Christ sein, um an dieser Stelle Trost in der Weihnachtsgeschichte zu finden. Denn diese uralte Geschichte ist eine vom Neuanfang unter widrigen Umständen, von Zuversicht und ja: vom Frieden auf Erden. Das gemeinsame Staunen über das Kind in der Krippe vereint die Menschen, Differenzen geraten in den Hintergrund, das Versöhnende gewinnt. Dieser Kern der Geschichte lebt auch dort fort, wo die Religion keine Rolle mehr spielt. Denn die Botschaft ist universell: Ein Ja zum Leben.

Besinnung auf das Wesentliche

Und so wird heute Abend wieder etwas Wunderbares passieren: ein Zeiten-Wandel, wenn auch vorübergehend. Für einige Tage unterbrechen wir die Hektik des Alltags und gönnen uns eine stille, eine langsame Zeit. Zeit für Erholung, gewiss. Aber auch für Besinnung auf das Wesentliche. Auf die Familie, auf uns selbst.

Auch mal andere Positionen zulassen

Gelingen wird das nicht von allein. Denn auch im vertrauten Kreis kann es Differenzen geben, Meinungsverschiedenheiten, die in Streit ausarten, Bemerkungen, die provozieren. Insofern ist diese Zeit der Besinnung auch ein Wagnis. Man muss sich schon aufeinander einlassen, sich zuhören, auch andere Positionen mal zulassen und die eigene infrage stellen, um Gemeinschaft zu erleben. Das kann schwierig werden, auch nervenaufreibend zuweilen, aber es lohnt die Anstrengung.

Rituale können helfen

Rituale sind durchaus hilfreich dabei – und da hat das Weihnachtsfest einiges zu bieten. Der geschmückte Baum, die festliche Tafel, der Kirchgang, auch die Geschenke – Traditionen und Bräuche geben Halt und dienen der Selbstvergewisserung. Vor allem aber kommt es auf die Bereitschaft an, sich zu verständigen. Klingt ganz einfach. Und ist doch eine Herausforderung. Nehmen wir sie an. Wenn wir das im Kleinen schaffen, dann gelingt es auch im Großen. Frohe Weihnachten!

Lesen Sie auch:

MAZ-Spendenaktion zu Weihnachten – Um diese Projekte geht es

Weihnachtsmärkte in Brandenburg: Alle Infos, Termine und Orte

Von Henry Lohmar

Weihnachten geht es viel um Geschenke. Dabei freuen sich die meisten Menschen vor allem über Dinge, die man nicht kaufen kann: Zeit mit der Familie und Gesundheit zum Beispiel. An dieser Stelle können sie Danke sagen für das, was ihnen in diesem Jahr am wichtigsten war.

24.12.2019

Hat die große Koalition im Bund auch 2020 Bestand? Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Woidke geht davon aus, dass sie durchhält und sagt warum.

24.12.2019

Wenn die Rente nicht reicht, um die Pflege zu finanzieren, bleibt vielen Menschen nur noch der Gang aufs Sozialamt. Pflege wird damit immer stärker zum Armutsrisiko, denn die Eigenanteile werden steigen. Es wird Zeit für eine Reform. Ein Kommentar.

23.12.2019