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Brandenburg Viele Brandenburger kennen die Spitzenkandidaten nicht
Brandenburg Viele Brandenburger kennen die Spitzenkandidaten nicht
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19:04 09.08.2019
Legte bei der Bekanntheit leicht zu: Ingo Senftleben, Spitzenkandidat der CDU. Quelle: Annette Riedl/dpa
Potsdam

Wie ist die politische Stimmung in Brandenburg, drei Wochen vor der Landtagswahl? Sie scheint nicht von großer Begeisterung geprägt. Obwohl die heiße Phase des Wahlkampfs längst eingeläutet ist, fällt die Mobilisierung der Wähler offenbar schwer. Das spiegelt sich in den Zahlen des Brandenburgs-Barometers wider, das das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der MAZ erstellt hat.

In der Sonntagsfrage liegt die AfD in Führung, gefolgt von CDU, SPD, Grünen und Linken. Doch wenn man die aktuellen Stimmungswerte auf die Basis aller wahlberechtigten Bürger in Brandenburg hochrechnet, dann zeigt sich ein durchaus erschreckender Befund: Die „Partei der Nichtwähler“, die sich für keine der genannten Parteien entscheiden würden, liegt bei 43 Prozent. Ihr Anteil ist damit höher als der von SPD, CDU und Grünen zusammen und auch viermal größer als der Anteil der AfD an den Wahlberechtigten.

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Zudem zeigt sich: Obwohl die Spitzenkandidaten schon seit mehreren Wochen durchs Land ziehen und ihre Gesichter von unzähligen Wahlplakaten blicken, müssen sie sich noch etwas bekannter machen. Mit einer Ausnahme: Den SPD-Spitzenkandidaten, Ministerpräsident Dietmar Woidke, kennen so gut wie alle Brandenburger. Doch schon mit dem Namen seines Herausforderers Ingo Senftleben (CDU) können viele Brandenburger nichts anfangen. Immerhin konnte Senftleben aber im Vergleich zum letzten Brandenburg-Barometer vom Anfang des Jahres seinen Bekanntheitsgrad von 54 auf 58 Prozent steigern.

Deutlicher Sprung für Andreas Kalbitz

Einen deutlicheren Sprung in Sachen Bekanntheit machte AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz, während Ursula Nonnemacher und Kathrin Dannenberg (Linke) in dieser Frage kaum zulegen konnten. Sie sind selbst bei den eigenen Partei-Anhängern nur einer Minderheit bekannt.

Hinter dem sich abzeichnenden Wahlerfolg der AfD steht offenbar ein großes Protestwählerpotenzial. Das zeigt sich, wenn man die Brandenburger danach fragt, wem sie das Amt des Ministerpräsidenten zutrauen würden. Könnten sie den Regierungschef direkt wählen, würden sich 38 Prozent für Dietmar Woidke, 16 Prozent für Ingo Senftleben und sechs Prozent für Andreas Kalbitz entscheiden. Selbst unter den AfD-Anhängern würden nur 36 Prozent Kalbitz die Regierungsgeschäfte übertragen wollen. Auf die Frage, welche Partei die nächste Koalition anführen soll – wie auch immer diese aussieht – antworten nur 10 Prozent: AfD.

Die meisten Märker (28 Prozent) sprachen sich dafür aus, dass die nächste Koalition wieder von der SPD geführt wird, das sind mehr als der SPD selbst ihre Stimme geben würden. Fast genauso viele Wähler (27 Prozent) hätten gerne eine CDU-geführte Landesregierung. Immerhin 18 Prozent könnten sich die Grünen an der Spitze der nächsten Regierung vorstellen, aber nur 9 Prozent die Linke.

Wenn sie sich ihre nächste Regierungskoalition aussuchen könnten, würden 38 Prozent der Wähler ein rot-rot-grünes Bündnis bevorzugen. Die von Ingo Senftleben ins Spiel gebrachte erstmalige Zusammenarbeit der CDU mit der Linken auf Landesebene stößt dagegen auf wenig Gegenliebe: nur 5 Prozent können sich eine Koalition aus CDU, Linke und Grünen vorstellen.

Zur Methodik

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Märkischen Allgemeinen Zeitung erneut eine repräsentative Befragung der Brandenburger durchgeführt.

Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 1009 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte wahlberechtigte Brandenburger befragt.

Die Erhebung fand zwischen dem 25. Juli und 5. August 2019 mithilfe computergestützter Telefoninterviews statt.

Da das Bewerberfeld äußerst dicht zusammenliegt und der Anteil möglicher Nichtwähler mit 43 Prozent sehr hoch ist, kann das Wahlergebnis in drei Wochen von den Umfrageergebnissen stark abweichen. Wie bei allen Stichprobenerhebungen kommt es bei der Übertragung auf die Gesamtheit der Wahlberechtigten Fehlertoleranzen von plus/minus drei Prozentpunkte.

Von Torsten Gellner

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