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Brandenburg Märkischer Imker kippt Honig vor dem Agrarministerium aus
Brandenburg Märkischer Imker kippt Honig vor dem Agrarministerium aus
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14:32 15.01.2020
Protest vor dem Agrar-Ministerium: Imker Sebastian Seusing schüttet Honig aus, den er nicht mehr verkaufen kann. Quelle: Fabian Melber
Potsdam

Ein Brandenburger Imkerpaar aus Bernau (Barnim) hat am Mittwoch 100 Eimer mit unverkäuflichem Honig vor dem Bundesagrarministerium in Berlin abgeladen – und zum Teil auf die Treppenstufen geschüttet. Es ist der zweite Protest dieser Art – im Mai 2019 hatten sich Camille und Sebastian Seusing noch darauf beschränkt, Honiggläser mit Totenkopf-Etikett vor das Ministerium zu stellen.

Insgesamt vier Tonnen Honig dürfen die Seusings nicht mehr verkaufen, weil die Glyphosat-Belastung deutlich über dem zulässigen Grenzwert liegt. Ende April 2019 hatte der Imker bemerkt, dass auf einem angrenzenden Acker ein glyphosathaltiges Herbizid aus dem Hause Monsanto („Durano TF“) ausgebracht worden war. Die etwa 70 Hektar große Fläche war zu diesem Zeitpunkt mit blühendem Löwenzahn bewachsen – im Prinzip eine ideale Futterquelle für Seusings Bienen. Ein Drittel seiner Jahresernte wurde so zu klebrigem Sondermüll.

60.000 Euro Verlust

Den entgangenen Umsatz bezifferte Sebastian Seusing am Mittwoch auf 60.000 Euro – sein Betrieb stehe dadurch vor dem Aus. „Ich habe diese insektenfeindliche Agrarpolitik satt!“, erklärte der Imker. Dem Agrarministerium seien „die Interessen von Bayer und BASF wichtiger als der Schutz der Insekten und der Erhalt unserer Familienbetriebe“. Seusing kritisierte, Julia Klöckner unternehme nichts dagegen, „dass Glyphosat auf blühende Pflanzen gespritzt wird.“ Annette Seehaus-Arnold, Vize-Präsidentin der Deutschen Berufsimker, präzisierte: „2019 sind die Zulassungen von über 100 Pestiziden verlängert worden, weil das Agrarministerium die Prüffristen nicht eingehalten hat.“

Dass Camille und Sebastian Seusing den Protest nun eskalieren, liegt nach ihren Angaben daran, dass ihre Bitte um eine Stellungnahme Klöckners seit Mitte Mai 2019 unbeantwortet geblieben sei. Erst kurz vor Beginn der Berliner Ernährungsmesse „Grüne Woche“ meldete sich das Ministerium zu Wort. Bei den Brandenburger Fällen, in denen der Glyphosatgehalt im Honig den EU-Grenzwert überschreitet, handele es sich um Einzelfälle. „Der betroffene Honig ist nachweislich nicht verkehrsfähig. Als Ministerium bedauern wir das sehr.“ Die Frage, ob der Bauer für die Glyphosat-Verunreinigung des Honigs haftbar gemacht werden könne, müssten die Behörden vor Ort klären.

Der Unkrautvernichter Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Mit dem Glyphosateinsatz soll am 31. Dezember 2023 Schluss sein, dann läuft die Zulassung in der EU aus.

Von Thorsten Keller

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