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Brandenburg Es ist etwas faul in der Bildungsrepublik
Brandenburg Es ist etwas faul in der Bildungsrepublik
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08:09 04.03.2015
MAZ-Redakteurin Maion Kaufmann. Quelle: MAZ
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Potsdam

Es ist etwas faul in der Bildungsrepublik Deutschland. Nach dem Pisa-Schock vor 15 Jahren ist viel passiert in den deutschen Klassenzimmern – aber offenbar nicht das Richtige, um das Bildungssystem nachhaltig auf Vordermann zu bringen. Die Politik reagierte mit chronischer Testeritis auf das blamable Abschneiden des Landes der Dichter, Denker und Ingenieure. Was folgte, waren mehr Leistungstests, Prüfungen und das Fest legen bundesweiter Standards im vom Föde ralismus zerklüfteten Bildungssystem.

Lehrer werden immer stärker belastet

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Für alle Rankingfixierten hat sich der Einsatz gelohnt. Deutschland ist in den vergangenen Jahren Stück für Stück nach oben geklettert. Aber: Test- und Projektwut wurden auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen. Anstatt in das Personal zu investieren und vorausschauend Lehrer auszubilden und die bereits vorhandenen zu entlasten, wurde den Pädagogen landauf, landab immer mehr ins Aufgabenheft geschrieben. Paradebeispiel: Inklusion, der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf. Bundesweit gehen die Lehrer nun auf die Straße und kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Am Dienstag protestierten die Berliner Lehrer. In Brandenburg kommt es nur deshalb nicht zum großen Schulstreik, weil es kaum noch angestellte Lehrer gibt. Das Land hat mittlerweile etwa 80 Prozent seiner Pädagogen verbeamtet. Und Beamte dürfen nicht streiken. Doch auch für Brandenburg kündigt die GEW für kommende Woche einen Protesttag an.

Die Buschprämie

Lesen Sie hier, wie Brandenburg Lehrerstellen auf dem Land attraktiver machen will.

Brandenburg hat es versäumt mit Voraussicht neue Lehrer einzustellen

Der neuerliche Aufstand der Lehrerzeigt: Es ist noch immer etwas faul in der Bildungsrepublik. Brandenburg bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil. Auch die Mark hat es lange versäumt, sich um seine Lehrer zu kümmern und mit Voraussicht einzustellen. Dass in den kommenden Jahren zahlreiche Pädagogen in den Ruhestand gehen werden, ist seit Jahren bekannt. Doch anstatt frühzeitig die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen und vorsorglich über den Bedarf einzustellen, wurde ein kostengünstiges „Augen zu und weiter so“ praktiziert. Das rächt sich jetzt.

Der Wettbewerb um Lehrer ist bundesweit entbrannt. Mit einer Buschzulage und der Aussicht auf günstiges Bauland, Kitaplätze und frische Luft will Bildungsminister Günter Baaske (SPD) nun Lehrer aus anderen Ländern in die Prignitz oder die Uckermark locken. Ob das gelingt, ist fraglich. Das hausgemachte märkische Dilemma: Es gibt genügend angehende Junglehrer, die gerne in Brandenburg blieben, aber nicht einmal Referendariatsstellen bekommen, weil diese nach einem kaum erklärlichen Schlüssel vergeben werden. Es zählt zunächst die Note und nicht der tatsächliche Bedarf an Fachrichtungen. Um die Lücken zu schließen, müssen dann wieder Seiteneinsteiger einspringen, die mittlerweile fünf Prozent der Lehrerschaft stellen. Eine Unwucht im System, die sich eher durch Bürokratieabbau und neue rechtliche Rahmen bedingungen und weniger durch eine Buschprämie lösen ließe. Brandenburg

Von Marion Kaufmann

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