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Brandenburg Marode Schleusen machen dem Wasser-Tourismus zu schaffen
Brandenburg Marode Schleusen machen dem Wasser-Tourismus zu schaffen
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00:22 29.04.2019
Die Baustelle der Schleuse Zaaren Quelle: Lisa Ducret/dpa
Zehdenick/Templin

Ralph Weil vom Yachtzentrum Prerauer Stich in Zehdenick hatte sich das anders vorgestellt. Er baute im vergangenen Winter eine neue Marina neben das Yachtzentrum und investierte, wie er sagt, „einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag“. Zu diesem Zeitpunkt wusste der Unternehmer noch nicht, dass ihm „im Prinzip die gesamte Saison 2019 flöten geht“.

Der Prerauer Stich und die beiden Häfen im Ziegeleipark Mildenberg (Oberhavel) sind derzeit Endstation für Bootstouristen auf dem Weg von den Berliner Gewässern zur Mecklenburger Seenplatte. Etwas weiter nördlich liegt die Schleuse Zaaren, deren Sanierung durch das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde viel mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant.

Mitte März war bekannt geworden, dass Zaaren frühestens am 1. August wieder öffnet. In einer normalen Saison (Mai bis September) passieren etwa 10.000 Yachten und Hausboote die Schleuse. Die Route Richtung Süden sind für Freizeitkapitäne weniger attraktiv, weil der größte Teil dieser Gewässer nur mit Sportbootführerschein befahren werden darf.

Ralph Weil erzählt von Kunden, die mit ihren eigenen Booten nicht aus dem Winterlager wegkommen, und von seinen Yachten, die unvermietet bleiben. Auch treffe es den Hafen hart, wenn die Tagesgäste ausbleiben, und die Boots-Werkstatt der Marina keine Aufträge bekommt. Von verärgerten Stammgästen, die ihren Bootsurlaub storniert haben, berichtet André Presch, der in Mildenberg eine Floote von 17 Stahlyachten vorhält und verchartert. „Ob diese Gäste 2020 wiederkommen, steht in den Sternen.“

André Presch betreibt zwei Marinas im Ziegeleipark in Zehdenick. Quelle: Thorsten Keller

Es gebe große internationale Konkurrenz, so Presch. „Auch in England, Frankreich und in den Niederlanden können sie wunderbar Binnenschiff-Urlaub machen.“ Auch Presch investierte im Winter, baute 55 neue Liegeplätze. Die zu erwartenden Verluste für diese Saison beziffert er mit 100.000 bis 150.000 Euro. Für ein kleines Unternehmen mit 15 Angestellten sei das existenzbedrohend. Eine weitere Katastrophen-Saison könne er sich nicht erlauben.

Das Geschäft verhagelt

Bei Julia Pollok von der Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg hatten sich bis Ostern 23 Unternehmen gemeldet, denen die Schleusensperrung in diesem Jahr das Geschäft verhagelt – ihre Verluste summieren sich auf 2,13 Millionen Euro. Mittelbar betroffene gastronomische Betriebe seien da noch gar nicht mitgezählt.

Der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen (CDU) machte den Wassertouristik-Unternehmen bei einer Baustellenbesichtigung wenig Hoffnung, dass die Schleuse vor dem 1. August wieder ans Netz geht. „Es wäre zwar wünschenswert, dass man Schichtsysteme installiert, aber die Baufirmen arbeiten auch am Limit. Ich bin daher skeptisch, dass es zu einer wesentlichen Beschleunigung kommt.“ An der 3,5 Millionen Euro teuren Sanierung in Zaaren arbeiten insgesamt zehn Baufirmen mit. In diesen Tagen wird der Boden der Schleusenbecken betoniert.

Immerhin scheint eine abermalige Verzögerung ausgeschlossen. Das versicherte Sebastian Dosch, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde. Im August und September wird die Schleuse zunächst von WSA-Personal händisch bedient. Die Steuerungstechnik für den automatisierten Betrieb der Schleuse werde erst nach der Saison installiert, um im Zeitplan zu bleiben, so Dosch.

Außer Betrieb: Hinweisschild an der Schleuse Zaaren Quelle: Thorsten Keller

Er verteidigte seine Behörde gegen den Vorwurf konfuser Planung. Die Bauverzögerung sei den unerwartet umfangreichen Kampfmittelfunden an der Schleuse geschuldet, sagte er. Für künftige Schleusensanierungen versprach er eine bessere Koordination – Bauwerke und Wasserstraßen würden dann vorsorglich mit einem Jahr Vorlauf auf Bomben und Munition abgesucht, damit sich ein Debakel wie in Zaaren nicht wiederholt.

Dass weiter saniert werden muss, steht außer Frage. Sehr viele Schleusen in Deutschland sind zwischen 80 und 100 Jahre alt und entsprechend baufällig. Dosch rechnet in den kommenden Jahren mit mindestens einer Sanierung pro Jahr. Die nächste Riesenbaustelle wird laut WSA die Schleuse Steinhavel in der Nähe von Fürstenberg/Havel. „Wir an der Havel“, ein im März gegründetes Bündnis der Brandenburger Wassertourismus-Anbieter, fordert eine „langfristige Gesamtstrategie für die Instandsetzung“ – und vor allem einen verlässlichen Terminplan, wann wo wie lange gebaut werden muss.

Der See als Sackgasse

Ein abschreckendes Beispiel ist die Schleuse Kannenburg, die in der Vergangenheit von etwa 7000 Booten im Jahr genutzt wurde. Hier dauert die Sperrung schon 17 Monate, ohne dass dort irgendein Bauarbeiter gesichtet worden wäre. Im Dezember 2017 hatte das WSA die Schleuse kurzfristig stillgelegt, weil die maroden Holzspundwände zusammenzubrechen drohten. Eine Sanierung ist in Kannenburg nicht möglich, ein Neubau muss her. Die Stadt Templin hofft auf eine Wiedereröffnung bis Ende 2020. Die hinter der Schleuse liegenden Templiner Gewässer sind infolge der Sperrung zum Sackgassensee geworden, ein Bootsverleiher musste bereits Insolvenz anmelden.

Oder-Havel-Kanal: Ende der Vollsperrung in Sicht

Der wegen Bombenverdachts gesperrte Oder-Havel-Kanal in Oranienburg soll voraussichtlich ab Ende kommender Woche wieder eingeschränkt passierbar sein. 70 Container sollen als Splitterschutz für die vorbeifahrenden Schiffe auf der Böschung aufgetürmt werden, wie die Stadt Oranienburg mitteilte.

Damit die Suche nach den Weltkriegsbomben weitergehen könne, müsse die Wasserstraße jedoch von jeweils von Montag bis Donnerstag tagsüber zwischen 7 und 17 Uhr gesperrt bleiben. Durchgängig freie Fahrt sollen die Schiffe jeweils am Freitag und am Wochenende haben. Dies gilt jedoch nur, solange noch nicht mit der Bergung der Bomben begonnen wurde. Sobald die Bomben freigelegt werden, wird der Schifffahrtsverkehr wieder gestoppt.

Seit dem 5. April ist die Havel in Oranienburg wegen des möglichen Funds zweier Zehn-Zentner Weltkriegsbomben gesperrt. Ursprünglich war von einer Vollsperrung bis Ende Mai die Rede gewesen. Weiter nördlich ist die Obere Havel wegen Verzögerungen bei Bauarbeiten an der Schleuse Zaaren mindestens bis zum 1. August blockiert. Damit ist Freizeitskippern aus dem Berliner Raum der Weg zur Mecklenburgischen Seenplatte abgeschnitten.

Auf finanzielle Hilfen vom Bund können die betroffenen Unternehmen nicht hoffen. Das stellte die zuständige Referatsleiterin im Verkehrsministerium, Gesa Schwoon, bei der Baustellenbesichtigung klar. Die Havel ist an dieser Stelle nur als „Nebenwasserstraße“ eingestuft, weil keine Berufsschiffer unterwegs sind. Im Gegensatz dazu muss der Bund die wichtigeren „Bundeswasserstraßen“ in Ordnung halten und die Schiffbarkeit garantieren. Als Bundeswasserstraße gilt ein Fluss oder Kanal, auf dem „allgemeiner Verkehr“ stattfindet, womit Gütertransporte mit einer entsprechenden Tonnage gemeint sind. „Das entsprechende Gesetz stammt aus dem Jahr 1921“, sagte Gesa Schwoon, „und passt überhaupt nicht mehr in die heutige Zeit.“

Von Thorsten Keller

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