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Brandenburg Maskenmann-Fall bringt Feuring in Bedrängnis
Brandenburg Maskenmann-Fall bringt Feuring in Bedrängnis
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09:31 16.05.2014
Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring soll die Ermittlungen im Maskenmann-Fall behindert haben.
Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring soll die Ermittlungen im Maskenmann-Fall behindert haben. Quelle: dpa
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Potsdam

Im Maskenmann-Fall gerät Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring unter Druck und agiert zunehmend nervös. Der 50-Jährige hatte sich nach Einschätzung von Beamten nicht nur persönlich derart in den Fall eingeschaltet, dass die Ermittlungen erschwert wurden; offenbar hält er auch die Hand schützend über den intern scharf kritisierten Leiter der Sonderkommision „Imker“, Falk Küchler.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Entführer Mario K. wurde am Donnerstag bekannt, dass Feuring Soko-Beamten vor ihrer Zeugenaussage vor Gericht schriftlich einen „Maulkorb“ verpasst hatte. Eine Kommissarin der Soko, die die Überfälle auf zwei Unternehmerfamilien aufklären sollte, zitierte am Donnerstag im Landgericht Frankfurt (Oder) ein Schreiben Feurings, in dem sie angehalten wird, über die „Zweckmäßigkeit von Ermittlungsansätzen“ nichts auszusagen. Alles andere wäre ein Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht und damit ein Dienstvergehen. Dass Beamte im Zeugenstand vom obersten Dienstherren derart bevormundet werden, ist ungewöhnlich.

Wie berichtet, erheben Mitglieder der 60-köpfigen Soko schwere Vorwürfe gegen den Polizeiführer. Ihnen sei unter Androhung von Konsequenzen verboten worden, Widersprüchen in den Aussagen des Entführungsopfers nachzugehen. „Es wird nur einseitig ermittelt“, klagt ein Beamter, der deshalb Anzeige erstattet hat.

Feuring wies die Vorwürfe gestern zurück. Er selbst habe zu keiner Zeit persönlich Einfluss auf die Ausrichtung der Ermittlungen genommen, sagte er der MAZ. Er habe am 8. Oktober mit dem Opfer telefoniert, aber nur, um mit ihm „Betreuungsmaßnahmen“ wie Personenschutz abzusprechen und ihn über eine geplante Pressekonferenz in Kenntnis zu setzen. Tatsächlich sahen Beamte die Ermittlungen beeinträchtigt, weil Feuring das Opfer kurz nach der Entführung in den Urlaub fliegen ließ, während der Täter frei herumlief. Die „ersten Vernehmungen“ seien zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen gewesen, rechtfertigt sich Feuring und sagt: „Die Gesamtleistung der Soko wird derzeit durch einige wenige meiner Mitarbeiter diskreditiert. Ich bin davon überzeugt, dass durch die Soko eine sehr professionelle Arbeit geleistet und dass der richtige Verdächtige gefasst wurde.“

Wenig professionell scheint aber jener Vorfall: Bei einer Tatortrekonstruktion am Storkower See soll Chefermittler Küchler in Anwesenheit mehrerer Beamter und des Entführungsopfers alkoholisiert gewesen sein. Zu jener Zeit befand sich der Banker Stefan T., dem nach eigenen Aussagen die Flucht gelungen war, noch unter Telefonüberwachung. Am Telefon soll er nach dem Ortstermin erzählt haben, dass Küchler in angetrunkenem Zustand mit ihm gesprochen habe. Er werde das an gegebener Stelle zur Sprache bringen. Das mitgehörte Gespräch wurde von Beamten protokolliert. Küchler soll von der Polizeispitze eine Missbilligung bekommen haben – was einige Beamte für eine auffällig milde Reaktion halten. Eine Missbilligung ist eine Art „Tadel“, sie kommt nicht in die Personalakte. Feuring und Küchler kennen sich aus der Zeit, als Feuring Polizeipräsident an der Oder war.

Aus Datenschutzgründen könne man sich zu Personalmaßnahmen nicht äußern, hieß es am Donnerstag vom Polizeipräsidium auf die Frage nach der Missbilligung. Mit dem Datenschutz nicht so genau nahm man es indes noch in der vergangenen Woche: Ungefragt teilte eine Polizeisprecherin der MAZ mit, ein im Prozessbericht zitierter Ex-Polizist, der als Zuschauer Kritik an den Ermittlungen äußerte, sei „psychisch krank“.

Andreas Schuster, Landes chef der Gewerkschaft der Polizei, sagte gestern, ihm sei von oberster Stelle vorgeworfen worden, die Arbeit der Polizei zu diskreditieren. Schuster hatte die Querelen in der Soko öffentlich angeprangert.

Von Marion Kaufmann

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