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Brandenburg "Maskenmann"-Ermittler übt heftige Kritik
Brandenburg "Maskenmann"-Ermittler übt heftige Kritik
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00:27 19.01.2015
Der Angeklagte Mario K. (l) verdeckt mit einem Hefter sein Gesicht im Verhandlungssaal am Landgericht in Frankfurt (Oder).
Der Angeklagte Mario K. (l) verdeckt mit einem Hefter sein Gesicht im Verhandlungssaal am Landgericht in Frankfurt (Oder). Quelle: Patrick Pleul (Archiv)
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Frankfurt (Oder)

Im Maskenmann-Prozess gerät der ehemalige Polizeipräsident und heutige Innenstaatssekretär Arne Feuring immer stärker unter Druck. Erstmals wurde er am Freitag durch ein Führungsmitglied der Soko „Imker“ belastet. Feuring habe Kenntnis von Ermittlungsakten in dem brisanten Entführungsfall gehabt, die selbst führenden Ermittlern nicht vorgelegen hätten, sagte der stellvertretende Soko-Leiter Mathias Schäle (52) am Freitag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) aus.

„Das habe ich so noch nicht erlebt", sagte Schäle. Feuring habe die Fallanalyse einer Kriminologin gekannt, die in ihrem Gutachten massive Zweifel an der vom Opfer Stefan T. geschilderten Entführungsgeschichte darlegte. Die Analyse verschwand im Panzerschrank des ebenfalls in der Kritik stehenden Leiters der Mordkommission Frankfurt, Falk Küchler.

Feuring war in dem spektakulären Kriminalfall bereits in Erklärungsnot geraten, weil er Beamten vor ihrer Zeugenaussage im Prozess schriftlich eine Art Maulkorb verpasst haben soll.

Laut Schäle ist Feuring drei Monate nach der Entführung vom Oktober 2012 zu einem Treffen mit der  Führungsgruppe der Soko „Imker" gekommen, um sich über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Dabei habe er die von Küchler in Auftrag gegebene Analyse zur Glaubwürdigkeit des Opfers zur Sprache gebracht – von deren Existenz er als Vize-Soko-Chef gar nichts gewusst habe, sagte Schäle. Diese Analyse habe „nicht den Erfordernissen entsprochen", soll Feuring in der Runde gesagt haben.

Im Laufe des seit Mai 2014 laufenden Prozesses gegen den mutmaßlichen Entführer Mario K. hatten schon andere Beamte beklagt, dass die Analyse, die ihre Zweifel an der Opfergeschichte stützte, unter Verschluss gehalten wurde. Schäle bestätigte am Freitag auch, dass eine sofortige rechtsmedizinische Untersuchung des Opfers nach dessen Flucht aus den Fängen des Entführers versäumt wurde. „Obwohl das Standard ist.” Das Opfer, das nach eigener Aussage gefesselt über einen kalten See auf eine Schilfinsel verschleppt worden war, sei „körperlich gut drauf und sehr euphorisch“ gewesen.
Auch seinen Chef, den Soko-Leiter Siegbert Klapsch, belastete Schäle. Dieser habe ihm gleich nach der Entführung verboten, dem Opfer kritische Fragen zu stellen. „In Richtung Vortäuschung wird nicht ermittelt", habe Klapsch angewiesen.

Die Kriminalbeamtin Kerstin B., die der Soko angehört hatte, erhärtete am Freitag den Verdacht der Manipulation von Ermittlungsakten. Sie sagte aus, eine Kollegin habe erzählt, sie habe ineinem Bericht Fakten, die den Angeklagten  K. entlastet hätten, auf Anweisung von Klapsch weglassen müssen. „Sie hat den Bericht nicht unterschrieben”, sagte die 52-Jährige über ihre Kollegin. Kerstin B. absolviert derzeit auf eigenen Wunsch ein Praktikum als Revierpolizistin. Sie hatte bereits im Herbst vor Gericht kritisiert, dass sie dem Opfer T. keine kritischen Fragen stellen durfte. Auf die Frage von K.s Verteidiger Axel Weimann, ob es Reaktionen auf diese Zeugenaussage gegeben habe, schweigt die Beamtin lange. Soko-Chef Klapsch habe mit ihr gesprochen, sagt sie dann zögernd. „Er fand das nicht gut." Ein Prozessbeobachter der Polizei habe einen Bericht über ihre Aussage gefertigt und wohl Klapsch vorgelegt. „Es hat offenbar Einflussnahmen gegeben auf die Ermittlungsarbeit", sagt Weimann nach dem Prozess. Dass Feuring die umstrittene Analyse gekannt habe, wichtige Ermittler aber nicht, sei „sehr ungewöhnlich."

Jakob Danckert, Anwalt der ebenfalls vom Maskenmann überfallenen Unternehmerin Petra T., äußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der kritischen Beamten. „Es ist ein Lügenmärchen, dass hier etwas unterschlagen wurde."

Von Marion Kaufmann

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