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Brandenburg Dietmar Woidke verteidigt Massentierhaltung
Brandenburg Dietmar Woidke verteidigt Massentierhaltung
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19:27 30.05.2014
Die Debatte um die Massentierhaltung in Brandenburg ist nach Ansicht von Ministerpräsident Dietmar Woidke auf dem "Irrweg".
Die Debatte um die Massentierhaltung in Brandenburg ist nach Ansicht von Ministerpräsident Dietmar Woidke auf dem "Irrweg". Quelle: Ingo Wagner/ dpa
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Paaren im Glien

„Das Tierwohl liegt jedem vernünftigen Bauern am Herzen, und das trifft auf die überwiegende Zahl der Betriebe in Brandenburg zu“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Freitag auf der Landesbauernversammlung, die sich auf der Landwirtschaftsschau Brala in Paaren im Glien (Havelland) traf. Die Debatte um Massentierhaltung sei schädlich und ein „Irrweg“, so Woidke: „Das ist eine Diskussion, die die Landwirtschaft insgesamt in ein schlechtes Licht rückt.“

„Brandenburg braucht keine Agrarwende“, ergänzte Bauernminister Jörg Vogelsänger (SPD) mit Blick auf das „Aktionsbündnis Agrarwende“, zu dem sich Ökobauern, Naturschutzverbände und lokale Bürgerinitiativen zusammengeschlossen haben. Das Bündnis sammelt seit Mitte März Unterschriften. Es will unter anderem die staatliche Förderung industrieller Mastbetriebe verbieten lassen.

Doch laut Vogelsänger ist der Fleischhunger der Märker zu groß, um auf die Riesenställe zu verzichten. „13 Kilo Rind, 52 Kilo Schwein, ein Kilo Schaf, 18 Kilo Huhn – so viel isst jeder Brandenburger im Jahr. Das muss alles produziert werden und am besten, es wird in Brandenburg produziert“, sagte er unter dem Beifall der mehreren Hundert Mitglieder des Bauernverbands. Vogelsänger betonte, dass künftig auch die ökologische Landwirtschaft stärker gefördert werde. Bis 2020 würden 178 Millionen Euro Ökoprämie gezahlt statt wie in der vorigen EU-Förderperiode 116 Millionen Euro.

Verbandspräsident Udo Folgart, selbst SPD-Mitglied, sprach sich für eine Ausweitung der Tierställe im Land aus. „Wir brauchen in Brandenburg mehr Tierhaltung in der Fläche“, sagte er. Mit Ackerbau allein könne die Landwirtschaft nicht überleben.

Willkommen in Brandenburg, willkommen im Land der tausend Möglichkeiten – mit diesen Worten waren die Besucher am Donnerstag im MAFZ-Erlebnispark begrüßt worden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke eröffnete am Donnerstag die 24. Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (Brala) in Paaren im Glien.

Die Volksinitiative wird im Landtag bislang nur von den Grünen ausdrücklich unterstützt. Fraktions chef Axel Vogel warnte vor anonymen, industriellen Großbetrieben ausländischer Investoren, die derzeit vielerorts im Land entstehen. „Die Wertschöpfung bleibt nicht im Land, die Gewinne fließen in die Niederlande“, sagte er. Er erinnerte an die Mastkombinate, die es zu DDR-Zeiten gab. „Sie sind aufgelöst worden und kehren heute im neuen Gewand zurück“, sagte er.

CDU-Agrarexperte Dieter Dombrowski hielt dagegen, dass artgerechte Tierhaltung in Brandenburg eine Selbstverständlichkeit sei und die Tierschutzstandards sehr hoch seien: „Die Bauern wissen: Nur gut gehaltene Tiere können gute Erträge abwerfen.“

Kopfzerbrechen bereitet den Bauern das sogenannte Greening, eine Auflage der EU, die Direktzahlungen aus Brüssel an ökologische Leistungen koppelt. Auf ihren Äckern müssen Bauern künftig auch Hecken, Sträucher, Wildblumen, Bäume oder Tümpel kultivieren – für die Artenvielfalt und als Schutzraum für Tiere. „Wir müssen auf fünf Prozent unserer Flächen auf Einnahmen verzichten“, klagte Landesbauernpräsident Folgart. Einen Ersatz für die Einnahmeausfälle gebe es aber nicht. Außerdem sei die Umsetzung kompliziert und bürokratisch. „Keiner weiß derzeit, welche Einheiten anrechenbar sind und welche nicht.“

Auch Agrarminister Jörg Vogelsänger ließ erkennen, dass er bürokratische Probleme bei der Pflicht zum Ackergrün sieht: „Greening muss kontrollierbar und praktikabel sein“, betonte er.

Von Torsten Gellner

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