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Brandenburg Medizinische Hochschule Brandenburg will jährlich rund 13 Millionen vom Land
Brandenburg Medizinische Hochschule Brandenburg will jährlich rund 13 Millionen vom Land
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15:43 06.09.2019
Praxisnahe Ausbildung: Medizinstudenten der MHB „versorgen“ einen künstlichen Patienten im Schockraum. Quelle: Peter Geisler
Potsdam

Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) Theodor Fontane mit Sitz in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) will die Zahl der Medizinstudienplätze von derzeit jährlich 46 auf 96 ab kommendem Jahr erhöhen und gleichzeitig stärker in die Forschung einsteigen. Die von Kliniken, Landkreisen und Kommunen getragene private Hochschule fordert dafür vom Land eine jährliche institutionelle Förderung von 12,98 Millionen Euro.

Medizinerausbildung braucht Forschung

Der Landrat von Ostprignitz-Neuruppin, Ralf Reinhardt (SPD), erklärte als beteiligter Träger, dass die MHB wie jede medizinische Hochschule eine wissenschaftsbasierte Ausbildung anbieten müsse. „Es muss eine Forschungskapazität existieren.“ Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wissenschaftsministerin Martina Münch (beide SPD) hätten die Hochschule als Partner bei der Bewältigung des Ärztemangels bezeichnet. „Die Zusagen der Landesregierung haben wir jetzt detailliert untersetzt und mit 12,98 Millionen Euro einen klaren Kostenrahmen für Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Sachmittel und Forschungsinfrastruktur erarbeitet“, sagte Reinhardt. Die tragenden Kliniken, Kreise und Kommunen könnten diese Mittel nicht stemmen. Das strukturschwache Ostprignitz-Ruppin zum Beispiel habe „nicht unbedingt Millionenbeträge zur Verfügung“.

Ein Landkreis hat nicht unbedingt Millionen zur Verfügung: Ralf Reinhardt, Landrat von Ostprignitz-Ruppin. Quelle: Andreas Vogel

Mit dem Geld sollen unter anderem drei Forschungszentren mit dem gemeinsamen Thema „Medizin des Alterns“ aufgebaut werden. „Es geht dabei um die Entwicklungen im Laufe des Alterns“, erläutert der Dekan der MHB, Markus Deckert. Vor allem soll die medizinische Versorgung an diese Veränderungen angepasst werden. Die Hochschule strebt dazu Forschungen im Bereich psychische Gesundheit, Herz-Kreis-Lauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen an. Zum Beispiel gebe es in Brandenburg eine deutlich höhere Todesrate nach Herzinfarkten als in anderen Bundesländern, obwohl die Rettungswege nicht länger seien.

Eine staatliche Förderung wäre möglich

In der staatlichen Förderung der Forschung einer eigentlich privaten Hochschule sieht Reinhardt kein Problem. „Die Forschung ist ein separierter Bereich“, sagt er. Dafür könne es auch eine institutionalisierte Förderung durch das Land geben. Eine solche bekämen auch andere gemeinnützige Einrichtungen wie etwa Kultureinrichtungen. „Wichtig ist nur, dass der Landeshaushalt einen eigenen Titel vorsieht.“

Dass die MHB sich in finanzieller Konkurrenz zu einer vom Land geplanten staatlichen medizinischen Fakultät in Cottbus befinde, stritt Hochschulpräsident Edmund Neugebauer entschieden ab. Es gebe großen Bedarf an Medizinern, das Land vertrage daher zwei Standorte, sagte er. 2025 werden 867 Hausärzte und 1073 Fachärzte im Land ausscheiden. 2020 werde die MHB, die 2014 gegründet wurde, die Zahl der Studienplätze auf knapp 100 verdoppeln.

Land will nun doch teure Medizinfakultät

Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte im Juni die Einrichtung eines staatlichen Medizinstudiums ab 2023 in der Lausitz angekündigt. Es soll ein Beitrag zum Strukturwandel sein. Die Kosten für den Aufbau in den darauf folgenden zehn Jahren wurden auf 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Früher hatte das Land mit dem Verweis auf Berlin die Notwendigkeit einer eigenen Medizinerausbildung stets abgestritten.

„Wir haben eine Notsituation“, erklärte Neugebauer. „Wir haben alle gelobt, dass Gelder in die Medizinerausbildung fließen.“ Cottbus sei eine notwendige Ergänzung zur Ausbildung an der MHB, die sich auch an deren Aufbau beteiligen wolle. Im Netzwerk Gesundheitscampus Brandenburg werde man mit der Einrichtung zusammenarbeiten. Mit den Bundesmitteln für den Kohleausstieg stünde dem Land auch genügend Geld für die Einrichtung einer solchen Fakultät zur Verfügung.

Es gibt keine Konkurrenz zur staatlich geplanten Medizinfakultät in Cottbus: MHB-Präsident Edmund Neugebauer. Quelle: Peter Geisler

Konkurrenz gebe es auch deshalb nicht, weil der Modellstudiengang der MHB einzigartig sei. In kleinen Gruppen würden die Studenten direkt an Fällen aus der Praxis ausgebildet und müssten am Patienten orientiert Lösungen finden. Seit der Gründung 2014 seien nur sieben Studierende ausgestiegen. Das entspreche einer Abbrecherquote von 2,9 Prozent.

„Wir begrüßen es, dass die MHB konkrete Vorstellungen für ihre weitere Entwicklung vorgelegt hat“, sagt zum Beispiel der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Stephan Breiding. Im Laufe der kommenden Koalitionsverhandlungen werde die Entwicklung der MHB sicher auch ein Thema sein. Dass die private Hochschule mit einer Forschungsförderung in der genannten Höhe rechnen könne, wollte Breiding zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht in Aussicht stellen. „Das wird in den kommenden Wochen geklärt.“

Von Rüdiger Braun

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