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Brandenburg Medizinpromotion in Brandenburg ab 2019 möglich
Brandenburg Medizinpromotion in Brandenburg ab 2019 möglich
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01:15 28.06.2018
Schon jetzt studieren junge Menschen an der Medizinische Hochschule Brandenburg.
Schon jetzt studieren junge Menschen an der Medizinische Hochschule Brandenburg. Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Mit der Gründung einer gemeinsamen Fakultät für Gesundheitswissenschaften in Brandenburg am Montag gibt es auch erstmals im Land die Möglichkeit, im Fach Medizin zu promovieren, also den Titel eines Dr. med. zu erwerben. Das war bisher nur im Nachbarland Berlin möglich.

Beteiligt an der Gründung der Fakultät sind die Universität Potsdam, die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) Theodor Fontane mit Sitz in Neuruppin und die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Die Fakultät soll ab 2019 jährlich 6,6 Millionen erhalten. 2,8 Millionen Euro bekommt die Uni Potsdam, zwei Millionen Euro die BTU und 1,6 Millionen Euro die MHB. Das Dekanat wird mit 200000 Euro ausgestattet. Mit diesen Mitteln können die drei Hochschulen unter anderem 16 neue Professuren schaffen. Spezialisieren wird sich die Fakultät auf Versorgungsforschung und Forschung zur Medizin im Alter.

Medizinische Versorgung des Flächenlandes

„Die Fakultät bildet den Kern des Gesundheitscampus Brandenburg“, so Wissenschaftsministerin Münch. Letztere ist ein Forschungsverbund, an dem auch außeruniversitäre Einrichtungen wie das Golmer Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie beteiligt sind. Die zu diesem Campus gehörenden Einrichtungen würden unter anderem an Krankheiten forschen, die im Alter gehäuft auftreten. „Zudem wollen wir Modelle entwickeln, die es kranken Menschen ermöglichen, möglichst lange zu Hause zu leben und gut versorgt zu werden“, so Münch. Der Campus soll nach dem Willen der Landesregierung auch die medizinische und pflegerische Versorgung im Flächenland Brandenburg sichern.

Als wichtigste Aufgabe für den Aufbau der neuen Fakultät für Gesundheitswissenschaften bezeichnete Gründungsdekan Joachim Dudenhausen die Ausschreibung und Berufung der neuen Professuren. An der Universität Potsdam sollen sieben neue Professuren, an der BTU Cottbus-Senftenberg fünf und an der MHB vier neue Professuren entstehen. Das werde aber dauern, betonte der Mediziner Dudenhausen. „Wir hoffen aber, dass wir schon in der zweiten Hälfte von 2019 neue Studiengänge anbieten können.“ Rein medizinische Ausbildung werde an der privaten MHB stattfinden. Dort werde es vermutlich auch die meisten Promotionen geben, weil die Professoren dort Mediziner seien. Das sei aber nicht zwingend. Der Inhaber der Professur für Sportmedizin und Sportorthopädie an der Universität Potsdam sei zum Beispiel auch Mediziner.

Promotion am Gesundheitscampus

„Wir gehen davon aus, dass die ersten Promotionen ab dem kommenden Jahr möglich sind“, sagt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Stephan Breiding. Wichtigste Bedingung für die Promotion sei das Vorlegen einer eigenen Promotionsordnung für die medizinische Promotion. Die Promotion als „Dr. med.“ werde keine einzelnen Hochschule sondern dem Gesundheitscampus zugeordnet.

Mit diesem rücke Brandenburg praktisch gesehen nahe an die Eröffnung einer medizinischen Fakultät heran, räumte Breiding ein. „Der Unterschied zu einer medizinischen Fakultät ist, dass das grundständige Medizinstudium weiterhin nur an der privaten MHB möglich ist, die Promotion nur an der gemeinsamen Fakultät.“ Letztere sei eine besondere Konstruktion und nicht mit medizinischen Fakultäten an anderen Universitäten zu vergleichen.

Die BTU Cottbus-Senftenberg teilt mit, sie könne sich mit ihren Gesundheitswissenschaften und der Biotechnologie auch an der medizinischen Ausbildung beteiligen – allerdings mit Einschränkungen. Pflege sei zum Beispiel nicht notwendig mit Krankheit, sondern zunächst nur mit der Unterstützung Hilfsbedürftiger verbunden. „Es gibt aber durchaus Schnittbereiche mit der eigentlichen Medizin“, so eine BTU-Sprecherin. „Auf lange Sicht könnten sich die Medizinstudenten oder Promovenden hier Spezialwissen aneignen.“ So beschäftigen sich BTU-Biotechnologen mit den Eigenheiten von Leberkrebszellen. Aus Forschungen wie diesen könnten sich Synergieeffekte mit den anderen am Gesundheitscampus beteiligten Einrichtungen ergeben.

Von Rüdiger Braun

25.06.2018
28.06.2018