Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Mieten im Berliner Speckgürtel explodieren
Brandenburg Mieten im Berliner Speckgürtel explodieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:31 12.11.2019
Die Schere öfffnet sich: Während der Wohnungsbau in Brandenburg boomt, brechen die Zahlen in Berlin ein. Quelle: Maurer/dpa
Anzeige
Potsdam

Der Immobilienmarkt in Brandenburgs Speckgürtelgemeinden boomt, während auf dem jahrelang von heftigen Preissteigerungen heimgesuchten Berliner Wohnungsmarkt etwas Ruhe einkehrt. Das geht aus mehreren aktuellen Studien hervor. So sind laut dem Maklerportal Immowelt in den ersten neun Monaten des Jahres die Angebotsmieten in Potsdam um 13 Prozent, im Havelland sogar um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

Der größte Hype in Berlin ist vorbei

Dagegen hat Berlin offenbar den größten Hype zunächst hinter sich. Um drei Prozent erhöhten sich laut Immowelt die Nettokaltmieten dort auf 11,30 Euro pro Quadratmeter – im Vorjahr waren sie noch um zehn Prozent in die Höhe geschossen. Das Portal hat alle Wohnungsangebote zwischen 40 und 120 Quadratmetern ausgewertet.

Damit kostet eine neu vermieteteWohnung in der Landeshauptstadt im Schnitt 10,50 Euro pro Quadratmeter. Im Barnim boten die Vermieter ihre Immobilien für neun Prozent mehr auf der Plattform an, in Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Märkisch-Oderland verlangten die Vermieter immerhin sieben Prozent Aufschlag im Jahresvergleich.

Umland nähert sich der Bundeshauptstadt an

„Aktuell zeigt sich eine leichte Entspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt“, sagt Immowelt-Chef Cai-Niclas Ziegler. „In den Umlandgemeinden sieht es ganz anders aus: Die Preise nähern sich langsam sogar dem Niveau der Hauptstadt an.“ Im Umland bekämen Mieter „fürs gleiche Budget eine größere Wohnung mit Balkon oder Garten, die noch dazu im Grünen oder in der Nähe der vielen Seen liegt.“

Beim Baugeschehen tut sich zwischen Berlin und Umland neuerdings eine Lücke auf. Während die Zahl der Baugenehmigungen für Neubauten in Berlin in den ersten drei Quartalen um zehn Prozent einbrach, verzeichneten die Brandenburger Behörden ein Plus von 19,1 Prozent. Damit wurden Baugenehmigungen für 11.244 Wohnungen erteilt, wie das Landesamt für Statistik ermittelt hat. Die regionalen Unterschiede sind beim Baugeschehen offensichtlich: Während in Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Havelland, Dahme-Spreewald, Oberhavel und Oberspreewald-Lausitz binnen neun Monaten jeweils mehr als 1000 Wohnungen genehmigt wurden, meldet Frankfurt (Oder) 209 genehmigte Bauvorhaben, die Prignitz nur 102.

Bauverband: „Mietendeckel würgt Wohnungsbau ab“

Kritiker werten dasAuseinanderklaffen der Entwicklung zwischen Berlin und Umland in Teilen als Reaktion auf die Politik. „Der Mietendeckel ist dabei, den Wohnungsbau in Berlin und damit die regionale Bauwirtschaft abzuwürgen“, sagt Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau für Berlin und Brandenburg. Dabei sei das Gesetz noch nicht einmal in Kraft – die Debatte zeige schon ihre Wirkung. Bei einer Umfrage im Oktober hätten 20 Prozent der befragten Bauunternehmen angegeben, bereits jetzt die Auswirkungen des kommenden Mietendeckels zu spüren, so Schreiner.

„Wohnungsbau und Wachstum werden ins Umland abgedrängt“, sagt Maren Kern, Vorstandschefin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. „Ein Mietendeckel baut keine neuen Wohnungen.“

Kapitalanleger verkaufen Wohnungen im Berliner Zentrum

Kapitalanleger reagieren ebenfalls auf dieEntscheidung des Berliner Senats, Mietobergrenzen für fünf Jahre festzuschreiben – und zwar rückwirkend zum 18. Juni 2019. Laut dem Maklerportal McMakler bieten Eigentümer in auffälliger Weise vermehrt große Wohnungen in attraktiven Berliner Lagen zum Verkauf an man beobachte einen Anstieg der Inserate um 50 Prozent. „Vermietung in Berlin rechnet sich mit Mietendeckel nicht mehr“, sagt Lukas Pieczonka, Gründer und Geschäftsführer von McMakler. „Besonders große Wohnungen ab 100 Quadratmetern, die bisher hochpreisig vermietet werden konnten und kaum auf den Markt kamen, sind jetzt verstärkt dabei“, so der McMakler-Chef.

Brandenburgs künftige Kenia-Koalition will laut ihrem Regierungsprogramm in Abstimmung mit Berlin „eine Wohnraumoffensive beginnen“. In dem Vertrag heißt es weiter: „Alle Maßnahmen in der Wohnraumförderung müssen darauf abzielen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“

Großstadtmieten erhöhen sich nur noch langsam

Die Berliner Mietpreisentwicklung passt ins deutschlandweite Bild: Die Mieten in Großstädten steigen – wenn überhaupt – nur noch langsam. In Cottbus etwa wurden laut Immowelt Mietwohnungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 um drei Prozent billiger – verglichen mit dem Vorjahr. Die Entwicklung sei „eher noch nicht als Reaktion auf die Diskussion um den Berliner Mietendeckel zu verstehen“, sagt Immowelt-Marktforscher Jan-Carl Mehles.

Der Immobilienexperte wünscht sich angesichts der immer noch schwierigen Lage am Hauptstadt-Markt staatliche Wohnungsbauprogramme: „Dringend benötigter günstiger Wohnraum wird nur durch einen geförderten sozialen Wohnungsbau zu erreichen sein“, sagt Mehles. Die freie Wirtschaft könne „aufgrund hoher Grundstücks- und Baukosten sowie steigender Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden nicht im selben Maße günstigen Wohnraum schaffen wie der Staat.

Von Ulrich Wangemann

Brandenburg Kommentar zur AfD in Brandenburg Riskanter Kirchenkampf

Jetzt legt sich auch die Brandenburger AfD mit den Kirchen an – in anderen Bundesländern wäre das deutlich gewagter als im mehrheitlich atheistischen Osten. Ein Kommentar von Ulrich Wangemann

12.11.2019

Die Partei will in Brandenburg staatliche Zahlungen infrage stellen – der Ton ist aber schon länger rau: Es geht um Flüchtlinge, Schwule und Klimapolitik.

12.11.2019

Weil die AfD in Brandenburg keinen Bürgermeister stellt, muss sie sich externe Kandidaten für Posten im neuen Präsidium des Städte- und Gemeindebunds suchen. Die Wahl fiel auf Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos). Doch ein weiterer Platz bleibt vorerst leer.

12.11.2019