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Brandenburg Millionen für die Kitas, aber die Erzieher fehlen
Brandenburg Millionen für die Kitas, aber die Erzieher fehlen
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17:38 17.12.2018
Für viele Kitas ist es schwer, Personal zu gewinnen
Für viele Kitas ist es schwer, Personal zu gewinnen Quelle: Kahnert/dpa
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Potsdam

Eltern, Gewerkschaften und Kita-Träger fordern mehr Anstrengungen, um die Ausbildung für den Erzieherberuf attraktiver zu machen. Die von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in Aussicht gestellten 300 Millionen Euro zur Fachkräftesicherung seien nur ein Strohfeuer, sagte Günther Fuchs, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW in Brandenburg. „Wir müssen mehr investieren. Die Ausbildung muss grundsätzlich vergütet werden“, sagte er. Andernfalls drohe sich der Erziehermangel trotz Milliardenhilfen des Bundes weiter zu verschärfen.

300 Millionen für Fachkräfteoffensive

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will den Ländern neben den zugesagten 5,5 Milliarden Euro aus dem Kita-Gesetz noch rund 300 Millionen Euro für eine Fachkräfteoffensive geben. Die Ministerin will das Konzept, über den die Funke Mediengruppe vorab berichtet hatte, am Dienstag vorstellen. „Wenn wir die Qualität in den Kitas nachhaltig verbessern und den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen sicherstellen wollen, dann brauchen wir dringend auch mehr gut qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher“, sagte sie.

Die Länder sollen das Geld laut Giffey dafür verwenden, angehende Erzieher während der Ausbildung zu vergüten. Bisher werden die ersten beiden Ausbildungsjahre an einer Fachschule nicht bezahlt. Wer eine Schule eines privaten Trägers besucht, muss sogar noch Schulgeld zahlen. In Brandenburg werden dafür zwischen 55 und 102 Euro im Monat fällig.

Für die Ausbildung noch Geld mitbringen

Das schrecke viele Bewerber ab, obwohl der Beruf so interessant sei, sagte Andreas Kaczynski, Vorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtspflege Brandenburg, deren Mitglieder 32.000 Kitaplätze im Land stellen. „Das Interesse an der Ausbildung ist hoch. Es bleibt aber die Belastung, dass man keine Vergütung erhält, sondern im Gegenteil noch Geld mitbringen müssen“, sagte er. „Wenn man während der Ausbildung ein vernünftiges Lehrlingsgehalt bekäme, würden sicher mehr sagen: Das mache ich.“

Auch die Elternvertretung macht sich für eine Aufwertung des Berufs stark. „Das wird eine unserer Forderungen im Landtagswahlkampf sein“, sagte Danilo Fischbach, Bundeselternsprecher aus Oberhavel. „Das Schulgeld muss abgeschafft und eine Ausbildungsvergütung eingeführt werden. Wie soll man sonst junge Menschen für den Beruf begeistern?“, sagte er.

9000 Erzieher fehlen

Die Personalsituation ist vielerorts angespannt. Einige Gemeinden gehen neue Wege. Die Stadt Werder (Potsdam-Mittelmark) will etwa testweise Quereinsteigern die Erzieherausbildung bezahlen. Ähnlich macht es Teltow, das ebenfalls die Ausbildungskosten übernehmen will. Der Landkreis Dahme-Spreewald erwägt derzeit, ob er auch die Ausbildung einsteigt. Laut Eriehergewerkschaft GEW fehlen 9000 Fachkräfte, um in Sachen Personalausstattung je Kita auf Bundesniveau zu kommen.

Eine Prognos-Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums kommt zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2025 in deutschen Kitas 191.000 Fachkräfte fehlen. Durch die Einführung einer Ausbildungsvergütung könnten etwa 50.000 zusätzliche Schulabgänger gewonnen werden. 49 000 Fachkräfte bekäme man dazu, wenn mehr junge Leute mit Migrationshintergrund in den Kitas Arbeit fänden, knapp 30 000 Fachkräfte könnte es bringen, wenn man den Männer-Anteil beim Kita-Personal erhöhen könnte.

„Tropfen auf den heißen Stein“

Giffeys Vorschlag sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, meint Grünen-Chefin Annalena Baerbock. „Wenn 191 000 Fachkräfte fehlen und mit dem Geld nur 50 000 zusätzliche Schulabgänger für eine Erzieherausbildung gewonnen werden können, dann reicht das bei weitem nicht aus.“ Die Arbeit von Erziehern sei belastend, viele fühlten sich ausgebrannt. Deshalb müssten Bund und Länder dringend langfristig für bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas sorgen.

Von Torsten Gellner