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Brandenburg Mit Botox gegen Migräne?
Brandenburg Mit Botox gegen Migräne?
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18:30 16.09.2015
Bis zu 72 Stunden können Migräneattacken anhalten. Doch die Volkskrankheit  kann inzwischen   gut behandelt werden.
Bis zu 72 Stunden können Migräneattacken anhalten. Doch die Volkskrankheit kann inzwischen gut behandelt werden. Quelle: FOTO: DPA
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Potsdam

Am Donnerstagabend treffen sich Deutschlands Migräne-Experten in Potsdam zu einem Symposium. Über das Volksleiden und seine Linderung spricht der Chefarzt für Neurologie am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann, Professor Walter Christe.

MAZ: Es sollen acht Millionen Deutsche unter Migräne leiden. Kann die Medizin diesen Menschen Besserung versprechen?

Walter Christe: Ja, man kann durch eine konsequente Therapie etwa 60 bis 80 Prozent der Betroffenen so gut behandeln, dass sie ihr berufliches und soziales Leben weitgehend bewältigen können.

Die Schmerzen verschwinden dann?

Christe: Die Schmerzen werden nicht immer vollständig verschwinden, aber die Häufigkeit und die Intensität der Migräneattacken gehen so weit zurück, dass sie das Leben nicht mehr so stark beeinträchtigen.

Professor Walter Christe, Neurologe aus Potsdam. Quelle: Klinikum Ernst von Bergmann

Was macht eigentlich den Unterschied zwischen Kopfschmerzen und richtiger Migräne aus?

Christe: Fast jeder hatte sicher schon mal Kopfschmerzen. Es gibt über 200 Kopfschmerzformen. Migräne ist einer der häufigsten. Aber Migräne ist eine klar definierte Erkrankung. Man versteht darunter einen starken Kopfschmerz, der kommt und geht, meist zwischen vier und 72 Stunden lang anhält. Es kann dabei zu Übelkeit und Erbrechen, auch zu Licht- und Geräuschempfindlichkeit kommen. Migräne ist, um es volksnah zu sagen, etwas, das man seinem ärgsten Feind nicht wünscht.

Der Selbsthilfeverband Migräneliga wirbt auf seinem Symposium mit dem Slogan: Migräne im Griff. Stimmt das so?

Christe: Nun ja, immer noch befinden sich viele Patienten im Griff der Migräne und haben ihre Migräne nicht im Griff. Aber wir haben schon Fortschritte erzielt. Wir haben uns Gedanken zu den Ursachen der Migräne gemacht. Wir können sie inzwischen klar abgrenzen von Spannungskopfschmerzen oder von Kopfschmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Das erlaubte es uns auch, uns auf geeignete Behandlungsmethoden zu konzentrieren – zum Beispiel mit Medikamenten.

Welche hat man da heute?

Christe: Es gibt wirksame Medikamente zur Behandlung der akuten Migräneattacke. Das sind sogenannte Triptane, die fast ausschließlich nur bei Migränekopfschmerz wirken. Bei vielen Patienten klingen die Schmerzen dadurch schon nach ein bis zwei Stunden ab. Wir haben auch Fortschritte bei der Prophylaxe erzielt. Sie verhindert, dass es zu einer Migräneattacke kommt. Es gibt Medikamente, die eigentlich gegen Epilepsie entwickelt wurden, die sich aber auch bei der Migränebehandlung mehr und mehr durchsetzen. Es gibt auch Methoden der Nervenstimulationen, die vermehrt getestet wurden, und bei der seltenen chronischen Migräne kann sogar Botulinumtoxin – also Botox – zum Einsatz kommen.

Dürfen wir auf das perfekte Migränemedikament hoffen?

Christe: Das perfekte Migränemedikament wird es für die vielen unterschiedlichen Formen der Migräne sicher nicht so schnell geben. Aber wir können noch mehr über die einzelnen Auslöser der Migräne und deren Stellenwert herausfinden. Es gibt auch Forschungsbedarf über das Entstehen  einer Migräneattacke und wie sie sich innerhalb des Gehirns entwickelt. Erkenntnisse in dieser Grundlagenforschung können zu neuen Therapiemethoden führen.

Von Rüdiger Braun

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