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Brandenburg Grüne und AfD gewinnen, Linke sackt ab
Brandenburg Grüne und AfD gewinnen, Linke sackt ab
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18:45 08.12.2019
Plakate zur Landtagswahl am Nauener Tor in Potsdam. Quelle: Christoph Soeder/dpa
Potsdam

Das Jahr 2019 mit seinen drei Wahlen hat den Brandenburger Parteien unterm Strich einen Mitgliederzuwachs beschert. Allerdings profitierten vor allem die Grünen und die AfD sowie kleinere Parteien. Die Regierungspartei SPD verliert leicht, heftiger noch ihr ehemaliger Koalitionspartner „Die Linke“.

Grünen sind die Überflieger des Jahres 2019

Größte Gewinner des Jahres 2019 ist Bündnis 90/Die Grünen. Zählte die Partei Mitte November 2018 noch 1302 Mitglieder in Brandenburg, waren es ein Jahr später 1977. Binnen nur eines Jahres legte die Partei, die seit 1994 erstmals wieder an einer Regierung beteiligt ist, um 65 Prozent zu.

Nach der Landtagswahl allein traten 80 Brandenburger in die Partei ein. Bemerkenswert ist auch der hohe Frauenanteil von 41 Prozent. Die Partei, die lange Zeit auf städtische Räume beschränkt war, befindet sich auch in der Fläche des Landes auf Expansionskurs. Zuletzt gründeten die Grünen in Märkisch-Oderland die Ortsverbände Petershagen-Eggersdorf, Wriezen, Müncheberg und die Regionalgruppe Märkische-Schweiz.

Der Landesverband Brandenburg hat auch über das Bundesland hinaus Gewicht: So kommen die Bundesvorsitzende Annalena Baerbock und die Fraktionsvorsitzende im Europaparlament, Ska Keller, aus Brandenburg.

AfD legt deutlich zu – trotz Turbulenzen

Erheblich hinzugewonnen hat die AfD, die mittlerweile 1630 Mitglieder zählt und damit an der FDP vorbei gezogen ist. Ende 2018 hatten die Rechtspopulisten nach Angaben von Landesgeschäftsführer Lars Hünich noch bei 1495 gelegen. „Wir haben mehr dazu gewonnen, als ich erwartet habe“, sagt Hünich. Die Wahlkämpfe hätten viele Menschen politisiert. Allerdings habe es Anfang des Jahres auch einige Austritte gegeben – in der Folge der Landeslistenwahl, die viele überraschende Platzierungen mit sich brachte, so Hünich.

Freie Wähler profitieren von Kommunalwahl

Einen spürbaren Zuwachs können auch die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen/Freien Wähler verbuchen. Im Wahljahr 2019 stieg ihre Mitgliederzahl von 745 auf 801 an. Laut Fraktions-Chef Péter Vida hängt der Zuwachs maßgeblich mit der Kommunalwahl im Mai zusammen, in deren Umfeld sich viele Kandidaten für Kommunalmandate eingetragen hätten. Ein weiterer Teil sei „im Sympathieschatten der Wahlen“ hinzugestoßen.

Über 51 Beitritte freut sich FDP-Landesgeschäftsführer Sergej Matis. Seine Partei verbucht mittlerweile landesweit 1324 (Vorjahr: 1273 – also plus vier Prozent) eingetragene Mitglieder. Dieses Wachstum liege im Bundestrend, sagt Matis. Etliche Menschen, die sich zwischenzeitlich in anderen Parteien engagiert hätten, fänden zurück zu den Liberalen, so der Geschäftsführer. Die FDP hatte im September knapp den Wiedereinzug in den Landtag verpasst. 

SPD verliert leicht – trotz Wahlsieg

Die SPD kann zahlenmäßig nicht von ihrem Sieg bei der Landtagswahl im September profitieren. Vielmehr schrumpfen die Sozialdemokraten von 6340 auf 6257 Parteibuch-Inhaber. Damit bleibt die SPD mitgliederstärkste Partei im Land. Auffallend viele Mitglieder traten nach dem Abgang der Bundesvorsitzenden Andrea Nahles im Sommer aus. Allerdings scheint die langwierige Kandidatenkür im Herbst einige Neu-Mitglieder angezogen zu haben.

„Wir haben immer noch dreieinhalbmal so viele Mitglieder wie die Grünen – und das mit einer guten Struktur landesweit“, sagt SPD-Generalsekretär und Fraktions-Chef Erik Stohn. Die Partei werde künftig vermehrt ihre Mitglieder qualifizieren, damit diese genaue Kenntnisse vermittelt bekämen, wie man etwa Anträge für kommunale Gremien schreibt und dergleichen.

Linke schrumpfen – auch wegen hohen Durchschnittsalters

Die Linken, Ex-Koalitionspartner der SPD, sind weiter geschrumpft. Binnen eines Jahres verlor die Partei rund 250 Mitglieder und liegt jetzt bei 5500 und damit an dritter Stelle in der Brandenburger Parteienlandschaft. Laut Landesgeschäftsführer Stefan Wollenberg handelt es sich vor allem um „altersbedingte Austritte und Todesfälle“. Die Partei hat landesweit die älteste Mitgliedschaft. Die Zahl der Neueintritte sei aber hoch, sagt Wollenberg – er rechnet bis Jahresende mit 200 Neu-Linken. Das Ergebnis der Landtagswahl habe offenbar „eher einen mobilisierenden Effekt“.

Die CDU stagniert, will aber angreifen

Mit 5822 Mitgliedern ist die CDU derzeit zweitstärkste Partei – nun deutlich vor der Linken. 27 Prozent der Christdemokraten sind Frauen. Allerdings stagniert die Mitgliedschaft – Ende Oktober 2018 waren es fast auf den Kopf genau ebenso viele wie jetzt. Erklärtes Ziel des neuen CDU-Generalsekretärs Gordon Hoffmann ist es, „wieder mehr Mitglieder zu gewinnen“. Seine Partei sei „nach zehn Jahren Opposition wieder in der Verantwortung. Das wollen wir nutzen“, so Hoffmann. Der neue Chefstratege hat die Devise ausgegeben: „Wieder mehr raus zu den Menschen!“ Seine Partei müsse nun „am Kabinettstisch und am Stammtisch liefern“.

Von Ulrich Wangemann

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