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Brandenburg Mohameds Tod im Land der Zuflucht
Brandenburg Mohameds Tod im Land der Zuflucht
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08:40 15.06.2016
Mohameds Mutter Aldiana J.
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Potsdam

Die Situation ist an Traurigkeit nicht zu überbieten: Eine bosnische Roma-Familie sucht ihr Glück in Deutschland – doch dort entführt ein Wildfremder eines der Kinder, tötet den Jungen, versteckt seine Leiche unter Katzenstreu. Es ist der vier Jahre alte Mohamed. Im Polizeiverhör soll der Angeklagte Silvio S. gestanden haben: Der mehrfach sexuell misshandelte Junge habe sich gewehrt, geschrien. Da habe er ihn mit einem Gürtel erdrosselt, so der 33-Jährige – im eigenen Elternhaus, einer grauen Doppelhaushälfte in Kaltenborn (Teltow-Fläming).

Liveticker vom ersten Prozesstag zum Nachlesen

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Es wird viel um Familie gehen in diesem Prozess. Die von Mohamed müsste Deutschland eigentlich verlassen – Bosnien-Herzegowina gilt als „sicherer Herkunftsstaat“. Doch aus humanitären Gründen darf Aldiana J. mit ihren beiden Kindern – der Junge ist 14 Monate alt, das Mädchen neun Jahre – in Deutschland bleiben. Zur Begründung teilte der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) mit: „Die Mutter soll am Grab ihres Sohnes trauern können.“ Es handele sich um einen „extremen Härtefall“.

Begräbnis nach islamischem Ritus

In einem kleinen, von vielen Händen in die Höhe gereckten Sarg, bedeckt von einem grünen Tuch mit Koranversen wurde der Junge auf dem Landschaftsfriedhof Berlin-Gatow zu Grabe getragen. In einer Wohnung in Reinickendorf ist die Familie von Mohamed mittlerweile untergekommen. Die Mutter ist alleinerziehend, hat einen Lebensgefährten, die Tochter geht in eine Willkommensklasse und der Sohn ist immer noch ein Kleinkind. Er war gerade erst geboren, als sein älterer Bruder am Lageso in Berlin verschleppt wurde. Nach MAZ-Informationen besteht kein Kontakt zum leiblichen Vater der Kinder.

Lageso-Chaos – gab es Behördenversagen?

Ob Behörden versagt haben im notorischen Lageso-Chaos zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise – auch darum wird es in dem Prozess gehen. Was die Mutter dem mutmaßlichen Täter wünscht – man kann es nicht drucken. Schmerzensgeld könnte die Familie erhalten. Nach MAZ-Informationen gehört ein Teil der Doppelhaushälfte bei Jüterbog, in der Silvio S. wohnte, dem mutmaßlichen Täter. Er soll auch über Ersparnisse verfügen. Dann ist da noch die Sache mit der Belohnung, die ein Anonymer ausgelobt hatte. Es war die Mutter des mutmaßlichen Täters, von der die Polizei den Anruf bekam, sie kennen den Mann von dem Fahndungsfoto in der MAZ: Es sei ihr Sohn. Die Prämie könnte sich die Mutter von Silvio S. auszahlen lassen und den Opferfamilien geben. Aber was ist Geld schon gegen ein Kinderleben?

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Von Ulrich Wangemann

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