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Brandenburg Corona-Verdacht bei einem Schöffen: Oberlin-Prozess wird unterbrochen
Brandenburg

Mordprozess um Potsdamer Oberlinhaus wird unterbrochen

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18:24 01.11.2021
Die Angeklagte am ersten Prozesstag.
Die Angeklagte am ersten Prozesstag. Quelle: Carsten Koall/DPA
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Potsdam

Der Mordprozess gegen eine langjährige Mitarbeiterin des evangelischen Oberlinhauses wird unterbrochen. Wie das Landgericht Potsdam am Montag mitteilte, sind die nächsten vorgesehenen drei Verhandlungstage kurzfristig gestrichen worden. Die Verhandlung hätte am Dienstag mit der Vernehmung von Polizeibeamten fortgesetzt werden sollen.

Auch die Verhandlungstermine am 4. und am 9. November fallen demnach aus. Eine Gerichtssprecherin erklärte auf Nachfrage, dass es bei einem Schöffen einen „Corona-Verdacht“ gebe.

Auch der Anwalt der Angeklagten, Henry Timm, weiß nicht viel mehr über die Absage. Ihm sei mitgeteilt worden, dass es einen Corona-Verdacht unter den Prozessbeteiligten gebe. Seiner Mandantin Ines R. wird vorgeworfen, Ende April vier schwerstbehinderte Menschen getötet und eine weitere Frau schwer verletzt zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Mord und weitere Straftaten vor und geht zugleich von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit aus. Die 52-Jährige war noch in der Tatnacht vom 28. auf den 29. April festgenommen und am Folgetag in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. (AZ: 21 Ks 6/21)

Angeklagte brach ihr Schweigen

Beim ersten Verhandlungstag am Dienstag voriger Woche (26. Oktober) hatte die zweifache Mutter ihr Schweigen gebrochen und ausführlich über ihr bisheriges Leben ausgesagt. Zur Tat selbst hat sie sich jedoch nicht geäußert.

Stattdessen gab sie Einblicke in ein von Krankheiten und Ängsten zerrüttetes Leben. Seit der Kindheit hat Ines R. psychische Probleme. Sie unternahm als Jugendliche mehrere Selbstmordversuche. An der Berliner Charité wurden an ihr offenbar Psychopharmaka ausprobiert.

Polizisten als Zeugen erwartet

Als nächstes sollen Zeugen des Tatortes befragt werden, unter anderem Polizeibeamte. Ihnen muss sich am Abend des 28. April ein Bild des Schreckens geboten haben. Den Opfern – allesamt langjährige Bewohner des Heimes – waren die Kehlen durchgeschnitten worden.

Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt und 43 Zeugen geladen. Die Angehörigen eines Todesopfers treten als Nebenkläger auf. Mehrere Sachverständige auf dem Gebiet der Rechtsmedizin sowie der Psychiatrie begleiten den Prozess. Ein Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Ines R. zum Tatzeitpunkt eingeschränkt schuldfähig war.

Von MAZ-Online