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Brandenburg „Querdenken“: Polizei ermittelt nach Angriff auf Gewerkschafts-Chef Reichel
Brandenburg

Nach Querdenken-Demo in Berlin: Polizei ermittelt nach Angriff auf DJU-Chef Reichel

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16:55 02.08.2021
Bei der „Querdenken“-Demo in Berlin ist DJU-Landesgeschäftsführer Jörg Reichel von Demonstranten geschlagen und getreten worden.
Bei der „Querdenken“-Demo in Berlin ist DJU-Landesgeschäftsführer Jörg Reichel von Demonstranten geschlagen und getreten worden. Quelle: Rolf Zoellner via www.imago-images.de
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Berlin

Nach einem Angriff aus der „Querdenken“-Szene auf den dju-Landesgeschäftsführer für Berlin-Brandenburg, Jörg Reichel, hat die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ermittelt werde wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und versuchten Diebstahls, sagte eine Polizeisprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Montag in Berlin. Der Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in der Gewerkschaft ver.di war am Sonntag laut Berliner „Tagesspiegel“ aus einer „Querdenken“-Demonstration heraus vom Fahrrad gezerrt, getreten und geschlagen worden und musste danach im Krankenhaus behandelt werden.

Reichel konnte das Krankenhaus wieder verlassen

Laut „Tagesspiegel“ ließen die Täter nur durch das Eingreifen von Passanten von Reichel ab. Der Gewerkschafter habe Verletzungen an Schulter und Beinen erlitten, hieß es. Nach epd-Informationen hat Reichel das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Körperlich gehe es ihm den Umständen entsprechend gut, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin Monique Hofmann dem epd in Berlin. Er sei jedoch traumatisiert und stehe für Anfragen derzeit nicht zur Verfügung.

Die dju verurteilte den Angriff scharf. „Wir sind zutiefst bestürzt und stehen solidarisch an der Seite unseres Kollegen, der seit dem vergangenen Jahr unter großem persönlichem Einsatz die Kundgebungen der sogenannten Querdenker beobachtet und dort für die Medienschaffenden und die Pressefreiheit eintritt“, erklärte Hofmann. Nach Angaben der Gewerkschaft wurde Reichel bereits seit Monaten von Personen aus der „Querdenken“-Szene diffamiert und bedroht. Sein Name und ein Foto von ihm hätten in einschlägigen Telegram-Kanälen kursiert. Reichel habe sich jedoch nicht einschüchtern lassen und die Demonstrationen weiter beobachtet sowie Journalistinnen und Journalisten unterstützt und sich für deren ungehinderte Arbeit eingesetzt.

Fast 600 Festnahmen bis zum Sonntagabend

In Berlin hatten sich am vergangenen Wochenende mehrere tausend Menschen über die Verbote von Demonstrationen der „Querdenken“-Szene gegen die Corona-Schutzmaßnahmen hinweggesetzt. Die Polizei sprach von rund 5.000 Beteiligten in verschiedenen Teilen der Stadt. Es sei über den Tag hinweg gelungen, größere Menschenansammlungen immer wieder zu zerstreuen, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz am Sonntag in der RBB-„Abendschau“. Bis zum Abend habe es fast 600 Festnahmen gegeben.

Ein 49-jähriger Mann starb nach Polizeiangaben im Krankenhaus, nachdem er bei einer Identitätsfeststellung am Sonntagnachmittag über Kribbeln in Arm und Brust geklagt hatte. Es seien sofort Erstmaßnahmen eingeleitet worden, bis sich ein alarmierter Rettungswagen der Versorgung angenommen und den Mann ins Krankenhaus gebracht habe.

Von epd