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Brandenburg Flüchtlinge fordern Schließung des Heims in Hohenleipisch
Brandenburg Flüchtlinge fordern Schließung des Heims in Hohenleipisch
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15:41 23.07.2019
Die getötete Kenjanerin Rita O. Quelle: Polizei Brandenburg
Potsdam

Nach dem Tod der kenianischen Asylbewerberin Rita O. in Hohenleipisch (Elbe-Elster) erhebt der Brandenburger Flüchtlingsrat Kritik an der Unterbringung der Flüchtlinge. Nach Angaben des Vereins fordern inzwischen viele Bewohner den Auszug aus dem abgelegenen Heim, weil dort desolate Bedingungen herrschen würden.

In einem im Internet veröffentlichten Offen Brief, der von den Heimbewohnern stammen soll, heißt es: „Unser Heim befindet sich direkt im Wald, d.h. wir sind von der Zivilisation abgeschnitten. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren werktags nur bis 17.30, am Wochenende fahren sie gar nicht und wir müssen im Wald bleiben.“

Deutsch lernen ohne Kontakt zu Deutschen?

Wenn jemand den letzten Bus verpasst hat, müsse er zu Fuß entlang der Landstraße laufen, weil es keine Bürgersteige gebe. Damit werde es den Bewohnern erschwert, eine Arbeit aufzunehmen, und die Kinder wären von Freizeitaktivitäten abgeschlossen: „Die Kinder würden gerne in einem Sportverein mitmachen oder an Freizeitaktivitäten teilnehmen, aber wegen der schlechten Verkehrsanbindung ist das unmöglich“, heißt es in dem Brief. „Wie kann man Deutsch lernen, wenn wir keine Deutschen zu Gesicht bekommen und nicht hören, wie sie sprechen?“, fragen die Bewohner laut dem Brief.

Der Flüchtlingsrat und die Organisation Women in Exile forderten die unverzügliche Schließung des Heims. Die Kenianerin Rita O. hatte in dem Heim gewohnt. Anfang April war sie als vermisst gemeldet worden. Erst Ende Juni war bei einer Durchsuchungsaktion in der Nähe der Unterkunft die Leiche der zweifachen Mutter gefunden worden.

Kritik an der Ermittlungsarbeit

Der Flüchtlingsrat hatte die Ermittlungsarbeit der Polizei scharf kritisiert und ihr mangelnden Aufklärungswillen vorgeworfen. So seien Aussagen eines Kindes nicht ernst genommen worden, das beobachtet haben soll, wie die Mutter von einem anderen Heimbewohner geschlagen und verschleppt worden sei. Der Mann soll der Frau schon seit längerem nachgestellt haben. Die Bewohner würden seither in Angst leben, hieß es. Es sei schließlich nicht auszuschließen, dass der Mörder noch in dem Heim wohne.

Die Unterkunft hätte längst geschlossen werden müssen, sagte Mara Hasejürgen vom Flüchtlingsrat. „Es zeugt von Zynismus und Unbelehrbarkeit, dass der Landkreis auch jetzt noch an dieser Unterkunft im Nirgendwo festhält“ sagte sie.

Von Torsten Gellner

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