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Brandenburg Nach der Welle
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18:20 30.12.2018
Die Sprinter-Produktion von Mercedes Benz in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Quelle: MB
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Potsdam

Seit fast zehn Jahren surfen Brandenburgs Betriebe auf einer Erfolgswelle – seit Ende der weltweiten Finanzkrise. Nun mehren sich die Zeichen, dass es nicht ewig so weitergehen könnte. Was steht auf dem Spiel? Ein Zurück in die allgemeine Depression, wie sie die 90er-Jahre kennzeichnete, wird es wohl nicht geben. Der Strukturwandel ist, mit Ausnahme des Sonderfalls Braunkohle, weitgehend bewältigt. Was an Industriebetrieben noch in Betrieb ist, wurde auf Effizienz getrimmt. Das Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde konkurriert heute mit Fabriken europaweit, BASF und Rolls-Royce produzieren für den Weltmarkt.

Allerdings besteht die märkische Wirtschaft – stärker als in den meisten Bundesländern – aus kleinen und mittleren Betrieben. Die sind nicht in Konzernstrukturen eingebunden, müssen allein klarkommen. Sie haben es ungleich schwerer, Nachwuchs zu rekrutieren. Allzu viele Aufstiegsmöglichkeiten bietet ein Vier-Mann-Betrieb nicht – denn so groß ist das durchschnittliche Handwerksunternehmen im Land. In vielen Betrieben wird altersbedingt sogar der Chefposten frei, ohne dass ein Nachfolger in Sicht wäre. Den Sprung in die digitalisierte Produktion müssen kleine Firmen ebenfalls ohne Hilfe einer Konzernmutter meistern. Dass sie auf diesem Weg nicht scheitern, muss oberstes Ziel der Wirtschaftspolitik sein. Fortbildungen, unbürokratische Genehmigungen, Hilfe bei der Vermarktung und ein Netzwerk zum Austausch von Wissen und Personal – das können staatliche Stellen leisten. Wann die nächste Welle kommt, das jedoch weiß nur der Markt.

Von Ulrich Wangemann