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Brandenburg Milchverarbeiter organisieren Käsestraße
Brandenburg Milchverarbeiter organisieren Käsestraße
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19:57 29.10.2014
Karolinenhof-Herrin Gela Angermann tischt auf: Gut 20 verschiedene Sorten hat die Ziegenkäserei in Flatow im Angebot.
Karolinenhof-Herrin Gela Angermann tischt auf: Gut 20 verschiedene Sorten hat die Ziegenkäserei in Flatow im Angebot. Quelle: Julius Stähl
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Flatow

Wilder Wein rankt sich in der Herbstsonne um das rot gestrichene Bauernhaus, in dessen Innern ein wärmendes Feuer lodert. Gela Angermann hat noch einen Holzscheit nachgelegt. Draußen wartet Kundschaft. Unermüdlich verirren sich Ausflügler auf den schmalen Straßen zum Karolinenhof in Flatow. In dem kleinen Örtchen bei Kremmen (Oberhavel) hat sich die 45-Jährige mit ihrer Ziegenkäserei einen Lebenstraum erfüllt.

Mit Zwölf hatte sie sich das erste Mal in dem Handwerk versucht, als sie von den Eltern, einem Koch und einer Lehrerin, eine Ziege geschenkt bekam. Mittlerweile nennt Angermann mehr als 100 davon ihr eigen. Seit 1993 verarbeitet die Exil-Bayerin in Flatow Ziegenmilch. Damals belebte sie mit ihrem Mann den verlassenen Hof und benachbarte Ställe neu, die seit dem Aus der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft leer standen. „Wir hatten noch gar nicht richtig angefangen“, erinnert sie sich an die Anfangszeit, als die Ziegen noch per Hand gemolken werden mussten, „da standen schon die Kunden auf dem Hof“.

Die Nachfrage nach Bioprodukten stimmt

Über eine rückläufige Nachfrage können sich ökologische Erzeuger wie Gela Angermann seither nicht beklagen. Im Gegenteil. Es sind die Großstädter um die 50 und zunehmend auch junge Familien, die aufs Land rausfahren, um sich genau umzusehen, wo Milch und Käse eigentlich herkommen. Nach der Wende war der Karolinenhof einer der ersten, mittlerweile verteilen sich die kleinen Molkereien und Käsereien quer übers ganze Land.

Den im Verband für handwerkliche Milchverarbeitung organisierten Betrieben gibt das Anlass zu neuem Selbstbewusstsein. Ihre Produkte vermarkten sie neuerdings unter dem Dach der „Brandenburger Milch- und Käsestraße“. Ihren ersten offiziellen Auftritt haben die im kleinen Rahmen produzierenden Landwirte am Sonntag in Berlin. Wenn sich auf der „Cheese “, der dritten Auflage der jährlich stattfindenden Käsemesse in der Kreuzberger Markthalle Neun, regionale, deutsche und europäische Erzeuger präsentieren, werden erstmals auch Mitglieder der Brandenburger Milch- und Käsestraße um Gela Angermann dabei sein.

Winterpause: Auch Ziegen brauchen Ruhe

Auf dem Karolinenhof ist Iris Wolff für die Ziegen zuständig. Die 49-Jährige wird neugierig von ihren Schützlingen umlagert. Die Tiere kennen keine Scheu. Sie werden per Hand aufgezogen, grasen auf der hofeigenen Weide, als Kraftfutter gibt es selbstangebautes Getreide. Die 100 Tiere wissen Iris Wolff zu beschäftigen. Sie ist froh darüber. Seit fünf Jahren arbeitet die gelernte Melkerin wieder in ihrem alten Beruf, nachdem der Ausflug in die Logistikbranche auf der Straße geendet hatte. „Die Ziegen geben bis zu 250 Liter Milch“, sagt Iris Wolff. Genug für 25 Kilo Hartkäse.

Im Hofladen geht das Angebot allmählich zur Neige. Am 9. November endet die Saison. Auch das Café, das Karolinenhof-Herrin Gela Angermann seit 2000 betreibt, wird dann bis zum 14. Februar geschlossen sein. Die Ziegen brauchen ihre Ruhe, um auch in der neuen Saison wieder genügend Milch für gut 20 verschiedene Sorten zu liefern, vom „Karolinenhöfa mit Rotkultur“ bis zu „Paelzy“, dem Frischkäse mit dem Mantel aus Asche und Camembertschimmel. Bei den meisten Tieren hat sich für das Frühjahr Nachwuchs angekündigt.

Die Kunden werden trotzdem kommen, schließlich finden sie auch unter der Woche den Weg auf den Karolinenhof, obwohl nur freitags bis sonntags geöffnet ist. Wenn demnächst der eine oder andere „Cheese“-Besucher zusätzlich in Flatow aufschlägt, wird es Gela Angermann freuen.

Von Bastian Pauly

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