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Brandenburg Neue Bücher enthüllen das BER-Desaster
Brandenburg Neue Bücher enthüllen das BER-Desaster
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10:23 12.08.2013
Bauabsperrungen an der Zufahrt zur Ebene 1 des Airports.
Bauabsperrungen an der Zufahrt zur Ebene 1 des Airports. Quelle: dpa
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Schönefeld

Auf Deutschlands berüchtigtster Baustelle ruht der Baubetrieb zwar nach wie vor, der BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) macht aber dennoch wieder Schlagzeilen. Zwei Insider legen diese Woche Enthüllungs-Bücher vor, aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Von ganz oben schaut der im Mai 2012 geschasste Architekt Meinhard von Gerkan auf das BER-Fiasko, aus dem Maschinenraum berichtet ein ehemaliger Controller, der sich Matthias Roth nennt. Ihr Fazit ist fast deckungsgleich. Der Flughafen musste scheitern: an organisierter Verantwortungslosigkeit, an einer aufgeblähten Verwaltung, einer ahnungslosen, aber umso anspruchsvolleren Politik.

Das alles trug zu einem geschlossenen System bei, in dem alle nicht nur nach außen, sondern vor allem untereinander jedes Wissen zu verbergen suchten. Die „Black Box BER“ nennt es Gerkan, als „monotones weißes Rauschen“ bezeichnet Roth seine Arbeitstage, die ihn mangels Beschäftigung grotesk unterforderten. Schuld sind in diesem System immer die anderen. Das gilt nicht nur am BER, so Gerkan. „Ein öffentlicher Bauherr ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Architekten“, schreibt er, und: „Bei einer Katastrophe wird reflexartig immer zuerst dem Architekten die Schuld zugewiesen.“ Die Mischung aus Verantwortungslosigkeit und technischer Überforderung führt dazu, dass sich „Deutschland seine Zukunft verbaut“, so Roths Fazit. Gerkan hingegen findet die Skandal-Berichterstattung über Großprojekte übertrieben: Sie nehme „die Form des Selbsthasses“ an, „mit unabsehbaren Folgen für das Markenzeichen Made in Germany und die wirtschaftliche Stellung Deutschlands auf dem globalen Markt“.

Am „Schuld sind die anderen“- Spiel macht Gerkan mit seinem 160-Seiten-Band dennoch lustvoll mit. Die plötzliche Kündigung vor 15 Monaten („zeitgleich per Fax und an die Nachrichtenagenturen“) hat ihn anscheinend tief getroffen, vehement verteidigt er sein Büro und seinen Berufsstand. Gegen die „beratungsresistenten“, inzwischen ebenfalls längst gefeuerten Vorstände Manfred Körtgen und Rainer Schwarz, gegen die Politiker aller Couleur, gegen die bösen Medien. „Die Öffentlichkeit identifiziert Architektur mit Unberechenbarkeit“, schreibt er, die „Funktion der Architektur“ sei „massiv beschädigt“. Eine Grafik auf der Innenseite des Buchumschlags zeigt in signalrot, wann die 487 Änderungswünsche und Anordnungen des Bauherrn eingingen – die Mehrzahl von ihnen kam nach dem ersten Baustopp 2011. „Mit dem Baustopp ließ der Bauherr offenbar alle Hemmungen fallen“, schreibt Gerkan.

Von eigenen Fehlern aber steht nichts in seinem Buch. Die Welt des selbstbewussten Star-Architekten ist klar geteilt: Auf der einen Seite stehen die Profis, die Sachverständigen, die Guten – auf der anderen Seite die Politik und ihre Erfüllungsgehilfen. Eröffnungstermine wurden gegen den Einspruch der Bauleitung „nach dem politischen Kalender gesetzt“, ohnehin könne kein Politiker mehr als vier Jahre nach vorne denken – bis zur nächsten Wahl.

Passenderweise meldet die Berliner „B.Z.“, dass nach der Bundestagswahl der neue Technikchef Horst Amann vor der Ablösung stehen könnte. Zwischen Amann und Flughafen-Vorstand Hartmut Mehdorn gibt es schon länger Streit über eine mögliche Teileröffnung des BER. Laut „Spiegel“ hingegen stehen Berlin und der Bund hinter Amanns Plan einer gründlichen Sanierung. Die Aufnahme der Mängel immerhin ist abgeschlossen, sagte Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel jetzt. Bis 30. September müsse die Liste allerdings noch ausgewertet werden. Ein neuer Eröffnungstermin werde wohl auch dann nicht genannt.

Von Torsten Gellner und Jan Sternberg

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